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„Simple Minds“: Wenn alle Tränlein fließen

Die schottischen New-Wave- und Synth-Pop-Pioniere „Simple Minds“ gingen auf ihrer „Acoustic Live Tour“ in der Jahrhunderthalle ungewohnte Wege.
Chefschotte bei den 1978 in Glasgow gegründeten „Simple Minds“: Jim Kerr in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Foto: Sven-Sebastian Sajak Chefschotte bei den 1978 in Glasgow gegründeten „Simple Minds“: Jim Kerr in der Frankfurter Jahrhunderthalle.
Wer den Stecker zieht, muss sich heutzutage schon etwas einfallen lassen. Lediglich auf der Wandergitarre wie am abendlichen Lagerfeuer rumklimpern, lockt wohl nur noch wenige Enthusiasten hinterm Ofen hervor. Denn das Unplugged-Konzept, das zwar so alt ist wie die Musikhistorie selbst, aber von dem amerikanischen Musikkanal MTV bis zur Neige kommerziell ausgewertet wurde, ist längst allgegenwärtig. Für eine Band wie die 1978 in Glasgow gegründeten „Simple Minds“, die von Anbeginn auf elektronische Verstärkung und exotische Verfremdung setzte, heißt das schlicht: Neue Arrangements für sämtliche im Programm befindlichen Songs müssen her.
Bilderstrecke Simple Minds begeisterten ihre Fans in der Jahrhunderthalle
Die schottischen Superstars der 80er und 90er Jahre Simple Minds rockten am Montag (10.04.2017) die Jahrhunderthalle Frankfurt.Die Singer-Songwriterin KT Tunstall spielte als Support.Die Singer-Songwriterin KT Tunstall spielte als Support.

Gesagt, getan. Den Mund nicht zu voll genommen hatten die beiden einzig verbliebenen Ur-Mitglieder, Vokalist Jim Kerr und Gitarrist Charlie Burchill, als sie während ihres fulminanten Auftritts bei der „Night Of The Proms“ im Dezember 2016 versprachen, dass sie recht bald nach Frankfurt wiederkommen würden. Jim Kerr ist es auch, der sich als erster in der Jahrhunderthalle im Rampenlicht zeigt: Er bedankt sich erst für die Unterstützung des Projekts bei den zahlreich erschienenen Fans, bevor er dem handverlesenen Vorprogramm, der schottischen Singer/Songwriterin KT Tunstall, die Bühne überlässt.

Von Anbeginn keine schlechte Figur macht die kleine brünette Sängerin, Gitarristin und Komponistin, die 2004 ihren Durchbruch mit dem Debüt „Eye To The Telescope“ hatte. Mit Vehemenz interpretiert Tunstall ihren zünftigen Folk-Pop-Rock. Klassiker wie „Black Horse And The Cherry Tree“, „Suddenly I See“ sowie „Hold On“ samt dem integrierten „Walk Like An Egyptian“ von den „Bangles“ koppelt sie mit aktuellerem wie „It Took Me So Long To Get Here, But Here I Am“, „Invisible Empire“ und „Feel It All“.

Mit heftigem Getrommel leiten die „Simple Minds“ abrupt ihr „Acoustic-Live“-Set in dem funkelnden Licht eines riesigen Kronleuchters ein. Da leistet Schlagzeugerin Cherisse Osei, eine Frau mit wirbelnden Krakenarmen, schon zum Auftaktstück „New Gold Dream (81-82-83-84)“ ganze Arbeit.

Für die vom ersten Ton an kristallklare Akustik sorgen zudem der Bassist Ged Grimes, die Harmoniesängerin Sarah Brown sowie die Gitarristen Charlie Burchill und Gordon Guthrie. Schon nach dem ersten halben Dutzend Songs, darunter „See The Lights“, „Glittering Prize“, „Big Sleep“ sowie die immerhin schon 38 Jahre alte Swinging-London-Ode „Chelsea Girl“, lässt sich konstatieren, dass die „Simple Minds“ bei den Neu-Arrangements zwar jede Menge fantasievolle Innovation walten ließen, aber die Vorgabe „unplugged“ nicht allzu streng auslegen.

Schöne Jugendzeit

Hie und da enthält die neue Klangmelange, eindrucksvoll unterlegt von Jim Kerrs nach wie vor makelloser Stimme und seinen häufig auf Zehenspitzen dargebotenen Tanzeinlagen, dann doch Spuren von Synthetischem. Charlie Burchill darf seine permanent wechselnden Gibson-Gitarren schon mal um ein Wah-Wah- oder Phaser-Effektpedal bereichern.

Nach „Stand By Love“ stehen für das Sextett die ersten Standing Ovations mit kollektivem Tränenfluss an. Schön war sie, die Jugendzeit, steht es überall auf den verzückten Gesichtern des Publikums geschrieben. Mit „Someone Somewhere (In Summertime“ und dem Fußstampf-Gassenhauer „Waterfront“ heizen die „Simple Minds“ die Stimmung weiter an. Für das David-Bowie-Cover „Andy Warhol“ bittet Kerr den Gitarristen Gordon Guthrie ans Mikrofon. Bei „Dancing Barefoot“ von der „Patti Smith Group“ schlägt die große Stunde von Sarah Brown mit souligen Gospeluntertönen. Mit dem Hit „Don’t You (Forget About Me)“ von 1985, der, wie Jim Kerr so launig ankündigt, ja nur deshalb so groß wurde, weil er aus dem Soundtrack zum Kinokassenknüller „The Breakfast Club“ stamme, geraten die „Simple Minds“ schon auf die Zielgerade. Da steht die Masse in der Jahrhunderthalle Kopf, ergeht sie sich in minutenlangen „La-La-La-La“-Chorgesängen. Eine hinreißende Version von „Sanctify Yourself“ legt noch einmal ordentlich Brennholz ins offene Feuer.

Vier Zugaben gönnen die Veteranen der Fangemeinde: Dem balladesken „Ghost Dancing“ folgen mit „Promised You A Miracle Take On Me“ sowie dem Buffalo-Springfield-Cover „For What It’s Worth“ zwei Duette mit KT Tunstall. Mit dem hymnischen „Alive And Kicking“ endet diese lebendige Nostalgieschau auf dem hohen C.

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