Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 24°C

„Einsamkeit und Sex und Mitleid“ ist die reinste Tragikomödie über Beziehungen: Wenn alles kaputtgeht

Von Lars Montag enthüllt in seinem Episodenfilm „Einsamkeit und Sex und Mitleid“, wie sehr dem Großstadtmenschen von heute die Liebe abhanden gekommen ist.
Lehrer Ecki (Bernhard Schütz) ist wegen vermeintlicher sexueller Belästigung aus dem Schuldienst entlassen worden. Jetzt ist er mit den Nerven fertig und kriegt im Supermarkt einen Tobsuchtsanfall, wenn seine Lieblings-Kartoffelchips nicht vorrätig sind. Foto: X-Verleih (X-Verleih) Lehrer Ecki (Bernhard Schütz) ist wegen vermeintlicher sexueller Belästigung aus dem Schuldienst entlassen worden. Jetzt ist er mit den Nerven fertig und kriegt im Supermarkt einen Tobsuchtsanfall, wenn seine Lieblings-Kartoffelchips nicht vorrätig sind.

Nur selten gibt es einen Film, der so genau auf die Gesellschaft von heute schaut und so tiefgründig wiedergibt, was er da sieht: zerquälte Menschen, verkorkste Gefühle, verkommene Verhältnisse. Jeder lebt für sich allein, jeder liebt zwangsläufig nur sich selbst, denn Freiheit schafft viel Weite, aber keine Nähe. Jeder Einzelne ein „Selfie“. Und sein Dasein: heillos.

„Einsamkeit und Sex und Mitleid“ ist ein Reigen, der an den großartigen Episodenfilm „Die Relativitätstheorie der Liebe“ von Otto Alexander Jahrreiss erinnert, aber noch schonungsloser ist. Insgesamt 13 Großstadtmenschen irren hier durchs Leben und haben mehr oder weniger miteinander zu tun. Ecki zum Beispiel ist dienstentlassener Lehrer und geht nur noch zum Einkaufen aus dem Haus. Was Thomas so macht, weiß niemand genau, aber er kriegt den Tag notfalls im Fitnessstudio rum. Robert wird von Frau und Kindern völlig ignoriert, weshalb er Bienen züchtet. Janine ist Künstlerin, bestellt sich Modelle ins Atelier und sucht außerdem Bekanntschaften übers Internet. Letzteres tut auch Uwe, ein von seiner Frau verlassener Supermarktleiter. Vincent und Vivian wiederum arbeiten als Callboy und Callgirl, sind aber trotzdem ein Paar. Johnny ist Mädchen gegenüber sehr gehemmt, stellt jedoch Swentja nach. Die wiederum soll sich gegen Geld mit Mahmud treffen. Denn der muslimische Junge hat gelernt, dass man vor der Ehe nur „unanständige“ Mädchen anfassen darf.

Wenn die Tragikomödie als solche noch einen Kinostoff gesucht haben sollte, dann hätte sie ihn hier gefunden. Mit einer Schärfe und Genauigkeit ohnegleichen umreißt Regisseur Lars Montag die Figuren aus der Romanvorlage von Helmut Krausser. Abgesehen von den beiden Spitzenschauspielern Maria Hofstätter und Bernhard Schütz sind die Darsteller verhältnismäßig unbekannt, strahlen aber eine unwiderstehliche Natürlichkeit aus. Es ist, als wäre man den Eckis und Uwes und Janines längst im eigenen Alltag begegnet. Zu einem Triumph über die Mittelmäßigkeit vieler anderer Beziehungsfilme werden aber auch die knappen, kommentierenden Sätze, die aus dem Off zu hören sind: „Ihr neuer Freiraum kam ihr leer vor“, heißt es da etwa, als die zu Hause ausgezogene Frau des Supermarktleiters verloren in ihrem frisch bezogenen Berliner Apartment steht und sich den oben erwähnten Callboy bestellt. In dieser Szene finden Einsamkeit und Sex und Mitleid so schmerzlich zusammen, wie es sonst nur noch Oskar Roehler inszenieren kann.

Nichts läuft und funktioniert mehr, Angst essen Freude auf, lautet das Ergebnis dieser ebenso gründlichen wie witzigen Gesellschaftsstudie: „Wenn alles kaputtgeht“, ist jeder nur noch mit seinem Elend beschäftigt. Bislang hat Regisseur Lars Montag vor allem Fernseh-„Tatorte“ inszeniert. Könnte also sein, dass er in seinem nächsten Kinowerk dem Dreiklang „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ (frei nach „Einigkeit und Recht und Freiheit“) noch einen Mord hinzufügt. Es hätte eine gewisse Folgerichtigkeit. Herausragend

 

Frankfurt: Berger, Harmonie

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse