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Serie "Junges Design": Wenn die Form aus dem 3D-Drucker kommt

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region voller kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: Das „Spacekitchen“ aus Frankfurt.
Zwei Designer mit vielen Ideen: Benjamin Würkner (links) und Markus Holzbach in ihrer „Spacekitchen“. Foto: Michael Faust Zwei Designer mit vielen Ideen: Benjamin Würkner (links) und Markus Holzbach in ihrer „Spacekitchen“.

Beständig summt ein 3D-Drucker in den Räumen des Frankfurter Designbüros „Spacekitchen“. Schicht für Schicht baut der Drucker eine komplex anmutende Form auf. Noch ist nicht zu erkennen, worum es sich handelt. „Es wird eine Schale entstehen“, verraten Benjamin Würkner und Markus Holzbach. Seit 2013 arbeiten der 29-jährige Designer Würkner, Absolvent der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), und der Architekt und Materialingenieur Holzbach, Designprofessor an der HfG, an gemeinsamen interdisziplinären Projekten. Je nach Vorhaben holen sie weitere Mitarbeiter hinzu.

Bis zu 20 Stunden dauere solch ein Druckvorgang, erzählt Benjamin Würkner und zeigt auf den kompakten 3D-Drucker. Die aus PLA, einem Kunststoff auf Milchsäurebasis, gedruckte Schale ist ein sogenanntes „Urmodell“, ein Prototyp also. In der Perspektive soll das Produkt von einem Hersteller aus Keramik gefertigt werden. Die Form der Schale hat Benjamin Würkner mithilfe einer 3D-Software digital generiert. Ohne eine einzige Linie zu zeichnen, betont Würkner. Vielmehr habe er die Form programmiert. Diese Schale werde sich von den herkömmlichen unterscheiden, fügt er hinzu: „Es ist eine andere Ästhetik.“ Solche mathematisch präzisen Formen seien von Hand nur schwer hinzubekommen.

Im 3D-Drucker sieht Würkner „ein sehr nützliches Werkzeug“. Damit könne man kleinere Teile, also Zwischenergebnisse und Modelle, schon innerhalb von 15 Minuten drucken. „Früher hätte man dafür eine ganze Werkstatt gebraucht“, sagt Würkner. In den vergangenen Jahren sind die Geräte immer erschwinglicher geworden. Mittlerweile kostet ein Einstiegsmodell etwa 150 Euro. Auf den rapiden Wandel der Produktionsmethoden reagieren Würkner und Holzbach mit ihren Projekten. Der Trend gehe weg von der Massenproduktion, hin zu einer individualisierten, maßgeschneiderten Fertigung, erläutern sie. „Das macht die Aufgabe für einen Designer viel komplexer“, betont Benjamin Würkner.

So entwerfe man mittlerweile kein „absolutes Ergebnis“, vielmehr ermögliche man Variationen, sagt Würkner. Dadurch kann beispielsweise das Material ebenso variiert werden wie dessen Stärke. In der Folge ergeben sich jeweils andere Produkteigenschaften. In der Fachwelt bezeichnet man diese neue Entwurfsmethode als „generatives“ beziehungsweise „parametrisches Design“. So komplex und abstrakt dieser Ansatz auch klingen mag, die materielle Fertigung bleibt für Benjamin Würkner und Markus Holzbach das eigentliche Ziel. Auf die Frage, wie man ihre Arbeit mit wenigen Worten beschreiben könnte, antworten die Designer: „Die Digitalisierung wieder ins Material zurückbringen.“ Die digitalen Entwurfs- und Produktionsmethoden eröffnen also neue Möglichkeiten für den Einsatz tradierter Materialien wie Leder, Textil und Keramik. Auch herkömmliche, analoge Maschinen finden sich in den „Spacekitchen“-Räumen. Im Untergeschoss gibt es eine voll ausgestattete Werkstatt. Die ehemalige Rollladenfabrik in einer Hinterhaus im Stadtteil Bockenheim teilen sich Würkner und Holzbach mit dem interdisziplinären Designbüro „io“. Der Tagesablauf der Designer ist von einigen wenigen Konstanten geprägt. „Morgens um 10 und um 16 Uhr gibt es Kaffee mit den ,io‘-Kollegen Werner Lorke und Reiner Hörner“, erzählt Würkner. „Dazwischen wird gearbeitet“, ergänzt er. Einen festgelegten Feierabend gibt es unterdessen nicht. „Manchmal ist hier noch nachts das Licht an“, sagt Würkner.

Dass sich ihr Büro unweit der Frankfurter Messe befindet, ist für Würkner und Holzbach ein angenehmer Standortvorteil. Erst kürzlich haben sie dort eine 3D-Druckmesse besucht, auch die Textil- und Konsumgütermesse sind wichtige Termine für die Designer. Überhaupt sei Frankfurt „ein sehr spannender Ort“, sagt Markus Holzbach. Als Kreativstandort habe die Stadt „mehr Potenzial, als es scheint“, betont Benjamin Würkner. Als Beispiel weist er auf den vor einigen Monaten eröffneten „MakerSpace“ hin, eine offene Metall-, Holz- und 3D-Druckwerkstatt für Designer und Hobbyhandwerker. Auch die räumliche Nähe zur Hochschule für Gestaltung ist für Würkner und Holzbach wichtig. Beide sind weiterhin an der HfG aktiv.

Arbeit mit Ingenieuren

Für die Zukunft wünschen sich Würkner und Holzbach, „dass das, was wir konzeptionell entwickeln, stärker Realität wird“. Denn noch sind nicht alle potenziellen Kunden und Auftraggeber bereit, das digitale Experiment zu wagen. Auch könne die Zusammenarbeit zwischen Designern und Ingenieuren intensiviert werden, sagt Benjamin Würkner. Wichtig sei für all dies, resümiert Markus Holzbach, „eine schöne, feine, schlagkräftige Mannschaft“.

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