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Quentin Tarantino erzählt von zwielichtigen Gestalte: Wenn es schneit in Wyoming

Von Mit seinem neuen Film „The Hateful Eight“ ist der Regisseur nun beim reinen Western angelangt. Ein Blockhaus im verschneiten Wyoming ist sein Schauplatz.
Die Filmszene zeigt Kurt Russell als John Ruth, Jennifer Jason Leigh als Daisy Domergue und Samuel L. Jackson als Marquis Warren beim gemütlichen Beisammensein in einer Poststation. Foto: Andrew Cooper (The Weinstein Company) Die Filmszene zeigt Kurt Russell als John Ruth, Jennifer Jason Leigh als Daisy Domergue und Samuel L. Jackson als Marquis Warren beim gemütlichen Beisammensein in einer Poststation.

Der Western ist seit jeher die filmische Lieblingsgattung von Quentin Tarantino. Die mutige Durchsetzung von Gesetz und Gerechtigkeit, aber auch der Rachefeldzug gegen raubende und mordende Banden sowie der Einzelkampf Mann gegen Mann faszinieren den kinobesessenen Regisseur an diesem ur-amerikanischen Genre. So bringt Tarantino den Western mit allem möglichen zusammen: In „Kill Bill“ kreuzte er ihn mit asiatischer Schwertfechterei zum Kampfkunst-Western, und in „Inglourious Basterds“ paarte er ihn mit der NS-Ideologie zum Nazi-Western. Dieser glorreich inszenierte Weltkriegs-Reigen war der bisherige Gipfel von Tarantinos Kinokunst. Schon mit dem Sklaven-Western „Django Unchained“ ging es wieder bergab. Und nun, da der 52-Jährige mit „The Hateful Eight“ beim reinen Western-Western angelangt ist, zeigt sich, dass er damit weder dem Western als solchem, noch sich selbst einen Gefallen getan hat.

Die Sache fängt schon recht dröge an, mit der Postkutschenfahrt zweier Kopfgeldjäger (Kurt Russell und Samuel L. Jackson) durchs tief verschneite Wyoming. Es ist die Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (Mitte des 19. Jahrhunderts), und die rassistische Spannung zwischen dem Weißen und dem Schwarzen in der engen Kalesche macht sich bemerkbar.

Beide sind auf dem Weg nach Red Rock und legen Halt ein an einer Poststation. In dem rustikalen Blockhaus warten bereits andere zwielichtige Gestalten. Jede von ihnen darf eine abenteuerliche Geschichte erzählen. Denn wenn ein Schneesturm über Wyoming fegt, werden die Abende lang (167 Kinominuten), erst recht, wenn die Hütte ungeheizt ist und der Kaffee ungenießbar.

Eine Zeitlang sieht es so aus, als würde sich „The Hateful 8“ zu einer spannenden Handlung verrätseln, die Neugier auf die Lösung hervorruft. Denn alle, die hier zusammenkommen, scheinen schicksalhaft miteinander verbunden: Einer behauptet, der neue Sheriff von Red Rock zu werden. Ein anderer bezeichnet sich als der Henker, der in eben dieser Stadt jene Bandenchefin (Jennifer Jason Leigh) aufknüpfen soll, die der weiße Kopfgeldjäger an Handschellen mit sich schleift. Und dann sitzt da noch ein alter General im Ohrensessel. Er hat angeblich an der Schlacht um Baton Rouge (1862) teilgenommen und will einen Grabstein für seinen gefallenen Sohn in Red Rock besorgen. Wer hier lügt und wer nicht, ist nur zu erahnen.

Unterdessen lässt die aufgekommene Spannung aber wieder nach. Zumal dies der erste Tarantino-Film ist, dem die tödliche Eigenschaft „dialoglastig“ zugesprochen werden muss. Die vielen Worte werden allerdings nach rund 90 Minuten von einer Blutorgie abgelöst. Nun dürfen Erinnerungen an Tarantinos frühere „Schlachtplatten“ wachwerden – der Kinogott des Gemetzels variiert sich selbst. Die dazu eingespielte Filmmusik von Ennio Morricone hat etwas Quälendes und rein gar nichts gemein mit den atemberaubenden Klängen des Maestro aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Überhaupt tut man gut daran, nicht an diesen sagenhaften Italo-Western von Sergio Leone zu denken, wenn man sich „Die abscheulichen 8“ so betrachtet. Sonst sähe es nämlich noch schlechter für sie aus. Übrigens: Christoph Waltz spielt diesmal nicht mit. Entweder war er zu schlau, um eine Rolle anzunehmen, oder er hat das Glück gehabt, keine angeboten zu kriegen. Schwach

 

Frankfurt: Cinestar, E-Kinos, Metropolis (D+E), Astor Film Lounge, Harmonie (OmU). Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Mainz: Cinestar. Hanau: Kinopolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis (D+E).

 

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