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Historisch: Westerndrama "Die Frau, die vorausgeht" kommt ins Kino

Von Jessica Chastain spielt in dem Film von Susanna White die Menschenrechtlerin, die den Lakota-Häuptling porträtieren will, entgegen den Sitten ihrer Zeit.
Häuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) hat noch nie mit einer Frau wie Catherine Weldon (Jessica Chastain) zu tun gehabt. Die Witwe möchte ihn in Öl malen. Foto: Richard Foreman (Tobis) Häuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) hat noch nie mit einer Frau wie Catherine Weldon (Jessica Chastain) zu tun gehabt. Die Witwe möchte ihn in Öl malen.

Eine Frau, die alleine reist, erregt Aufmerksamkeit. Besonders dann, wenn sie wie Catherine Weldon (Jessica Chastain) die einzige Frau ist, die in einem luxuriösen Zug im Jahr 1889 von New York nach North Dakota fährt. Im Speisewagen spricht der Colonel Silvas Groves (Sam Rockwell) sie an. Er arbeitet für das Kriegsministerium. Wenig charmant unterstellt er Catherine, dass sie eine Unruhestifterin sei, geschickt von der „National Indian Defense Association“, um den Widerstand gegen den Parzellierungsvertrag zu schüren.

Gefürchteter Krieger

Dabei weiß die zierliche, elegant gekleidete Frau nicht einmal, welchen Inhalt dieser Vertrag hat, mit dem die in North Dakota lebenden Sioux-Stämme weiteres Land ihrer Reservate verlieren sollen. Vielmehr ist die junge Witwe auf dem Weg in den Westen, um dort ein Porträt des berühmten Lakota-Häuptlings Sitting Bull (Michael Greyeyes) zu malen. Obwohl Colonel Silas Groves der begabten Künstlerin den Rat gibt, schleunigst wieder zurück nach Osten zu fahren, kehrt sie nicht um. Bald wird sie zu Sitting Bull geführt. Der einst so gefürchtete Krieger baut, scheinbar besänftigt, mittlerweile Kartoffeln an. Tatsächlich spricht dieser kluge Mann gut Englisch. Zunächst weist er die zielstrebige Malerin, die bereits mächtige amerikanische Senatoren porträtiert hat, zurück. Dann jedoch stimmt er zu, sich für die Summe von 1000 Dollar von ihr in Öl auf Leinwand malen zu lassen.

Während sich die furchtlose Frau und der entmachtete Häuptling einander langsam annähern, beginnt Colonel Silvas Groves die Nahrungsmittel für die Indianer zu rationieren. Wachsender Hunger soll sie gefügig machen. Schließlich will der bald anreisende General Crook (Bill Camp) möglichst wenig Widerstand während der Verhandlungen um die Verträge haben, bei denen die ihm verhassten Lakota die Verlierer sein sollen.

Sehr frei erzählt der Drehbuchautor Steven Knight seine wahre Geschichte. So gibt er seiner historischen Figur, der Malerin Weldon, nicht nur den Vornamen Catherine – in Wirklichkeit hieß sie Caroline. Er macht sie auch zur Witwe, obwohl sie lediglich geschieden war. Zudem unterschlägt er dem Zuschauer im Kino sowohl Weldons Sohn als auch die kinderreiche Familie von Sitting Bull. Knight konzentriert sich vornehmlich auf seine Hauptfiguren. Aber will sein Westerndrama lediglich ansehnliches Unterhaltungskino sein? Nein, das nicht.

Zwar berauschen die brillanten Landschaftsaufnahmen des Kameramanns Mike Eley beim Betrachten immer wieder. Doch entwickelt sich die so spannende wie berührende Geschichte, die mit ihnen auf sehr ruhige Weise erzählt wird, zu einem klugen, weil unaufdringlichen Statement gegen Rassismus und dessen vielfältige Formen.

Allzu Plakatives vermeidet die britische Regisseurin Susanne White in ihrer auffallend feinfühligen Inszenierung. So erfährt man von den Eigenarten und Bräuchen der eingeborenen Kultur oft eher beiläufig. Dennoch wird alles so klar formuliert, dass sich schnell Interesse und Respekt für sie entfachen. Schönfärberisch geraten diese Eindrücke jedoch nicht. So wird auch auf Gräueltaten der sich untereinander bekriegenden Indianerstämme hingewiesen.

Rechte der Ureinwohner

Was diesen Western mit all seinen sorgfältig gewählten Drehorten, reizvollen Lichtstimmungen, schön komponierten Bildern und unaufdringlichen Musikstücken abrundet, sind Jessica Chastain als Catherine Weldon und Michael Greyeyes als Sitting Bull. Während Chastain ihre Wandlung von der zwar feinfühligen, aber doch naiven, verwöhnten und weltfremden Frau hin zur mutigen Vorkämpferin der Rechte der Ureinwohner sehr gut begreifbar macht, gibt Greyeyes seinem charismatischen Sitting Bull ein einprägsames, glaubwürdiges Gesicht. Selbst wenn er als Lakota-Häuptling in Stammestracht und mit seinem Kopfschmuck auftritt, wirkt dies nicht wie ein fahles Klischee. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema, E-Kinos (D+E), Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis (D+E). Mainz: Cinestar

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