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Klassik: Wie mit dem Silberstift gezeichnet

Von Beispielgebend in der Musizierhaltung zeigten sich der Oboist Albrecht Mayer, „Fokus-Künstler“ des Rheingau-Musik-Festivals, und Freunde auf Schloss Johannisberg.
Tianwa Yang (Violine), Liisa Randalu (Viola), Gabriel Schwabe (Violoncello) und Albrecht Mayer (Oboe) im inspirierenden Dialog. Foto: RMF / Ansgar Klostermann Tianwa Yang (Violine), Liisa Randalu (Viola), Gabriel Schwabe (Violoncello) und Albrecht Mayer (Oboe) im inspirierenden Dialog.

Freunde ausgedehnter Conférencen mit hohem Unterhaltungswert kamen bei Albrecht Mayers erstem Konzert als diesjähriger „Fokus-Künstler“ des Rheingau-Musik-Festivals diesmal nicht so sehr auf ihre Kosten. Der oft redselige Solooboist der Berliner Philharmoniker beschränkte seine sprachlichen Botschaften auf ein heiteres Maß. So blieb der künstlerische Ertrag auf Schloss Johannisberg ungekränkt von allzu ablenkendem Beiwerk. Mit britisch angehauchter Ironie – schließlich habe er die vergangenen 16 Jahre mit einem veritablen „Sir“ (Simon Rattle) als Chef zugebracht – führte Mayer in die alles andere als aufregende Stimmung von Moerans „Fantasy Quartet“ ein.

Das knapp eine Viertelstunde währende Allegro moderato des gebürtigen Londoners mag nicht zu den kompositorischen Perlen zählen. Gleichwohl zeigten Mayer und seine drei Partner, was sich mit Können, Sorgfalt und Hingabe aus einem solchen sehr beschaulichen Satz heraushören, herauslesen, herausarbeiten lässt. Nicht al fresco, vielmehr gleichsam mit dem Silberstift agierten Mayer sowie die Geigerin Tianwa Yang, die Bratscherin Liisa Randalu und der Cellist Gabriel Schwabe. Präzise und doch musikantisch erfassten sie genau die Stimmung und Atmosphäre dieser pastoralen Szene, die zu einem Schmuckstück aufgewertet schien. Was auf die Zugabe, das Rondo aus Gordon Jacobs Oboenquartett, nicht minder zutraf.

Homogenität des Zusammenspiels und individuelles Differenzierungsvermögen standen in diesem feinnervig musizierenden Quartett in ständiger Wechselwirkung. Besonders positiv hatte sich dieser Umstand in Mozarts Oboenquartett F-Dur KV 370 bemerkbar gemacht. Mit heller Klarheit begann die Oboe, ehe leuchtend die Violine hinzutrat und sich ein ebenso angeregter wie anregender Dialog entfaltete. Dabei zeigten die vier Musiker ein enormes Gespür und Einfühlungsvermögen für die mikroskopisch feinen Verschattungen. Eine musikalisch mustergültige Deutung von bleibendem Wert.

Inspirierter Spielwitz gehörte eingangs Brittens fünfteiligem Phantasy Quartet op. 2. Seine Details regelrecht auszukosten, bereitete Freude. Ein im besten Sinn funkensprühendes Spiel. Hochspannend gelang Yang und Schwabe die Duosonate für Violine und Cello Ravels. Schlank und schlackenlos, legten sie eine auf das Wesentliche fokussierte Deutungshaltung an. Dass Ravel ein klingendes Epitaph für Debussy schuf, trat im herben, scharf konturierten Spiel plastisch zutage.

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