E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 17°C

Schauspiel: Wiesbadener Staatstheater zeigt drei Shakespear-Stücke in einem

Von Am Staatstheater Wiesbaden sind mit der „Römischen Trilogie“ von John von Düffel drei Shakespeare-Stücke in einem zu sehen.
Thomas Jansen und Kruna Savic verwandeln sich am Wiesbadener Theater in verschiedene Shakespeare-Figuren. Foto: Karl & Monika Forster Thomas Jansen und Kruna Savic verwandeln sich am Wiesbadener Theater in verschiedene Shakespeare-Figuren.

Das Volk ist unzufrieden, denn es hungert. Die Verantwortlichen sind schnell ausgemacht: die da oben, also die Herrscher. So geht es los im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden, wo Beka Savic John von Düffels Bearbeitung der Shakespeare Stücke „Coriolan“, „Julius Cäsar“ und „Antonius und Cleopatra“ inszeniert hat. In seiner „Römischen Trilogie“ hat von Düffel die Stücke zu einem mehrere Herrscher umspannenden Dreiteiler zusammengekürzt. Es geht um Macht und Moral, Politisches und Privates. Zeitlose Themen also. Dennoch verheißt dreimal Shakespeare in einem ein Unterfangen mit Risiken. Ist schließlich jedes der Stücke abendfüllend und hat komplexe und vielschichtige Figuren.

Im ersten Teil gelingt es der Regisseurin noch, Ambivalenzen in Bild und Wort einzufangen. Denn wie Michael Birnbaum als Coriolan nach überstandenem Kampf mit seiner Frau (Kruna Savic) am Boden liegt, wird er von seinem Umfeld förmlich ins Amt gehievt. Die Wunden, die er davontrug, sind noch nicht vernarbt, da schimpft er auch schon über das Volk. Und schwuppdiwupp hat sich die kleine Machtclique um ihn auch schon in erste Widersprüche verstrickt.

Feiger Tyrannenmord

Irgendwie möchte man schon Law and Order, aber bitte tyrannenfrei. Und eigentlich müsste man dem Volk reinen Wein über die schwierige Lage einschenken, damit es wirklich entscheiden kann. Aber mit dem Wissen richtig umzugehen, traut man dem Volk dann doch nicht zu. Und dann die Frage: Kornkammern aufmachen, damit das Volk zu essen hat – oder nicht? Doch bevor man sich versieht, steht auch schon das Komplott gegen Julius Cäsar an. Ein bisschen Platz fürs Zaudern bekommt Janning Kahnert als Brutus – doch am Ende ist er natürlich Teil des kleinen Tyrannenmördertrupps. Den Diktator Cäsar erlebt das Publikum erst gar nicht und muss sich auf die Schilderungen über den Herrscher verlassen. Brutus und seine Clique gelangen da naturgemäß zu einer anderen Einschätzung als Marcus Antonius (Michael Birnbaum). Letzterer darf nicht nur dank klug und ruhig vorgetragener Gedanken auf Cäsars Beerdigung sprechen, sondern er schafft es auch, mit schönster Dialektik Cäsars Mörder ziemlich dumm aussehen zu lassen. Schade allerdings, dass die Worte von Kahnerts Brutus beim Begräbnis geradezu nach volksverdummender Umwertung aller Werte klingen, wenn er beispielsweise sagt, dass nur die Hände Böses getan hätten, aber nicht das Herz. Die Textstraffung fordert also schon ihren ersten Tribut.

Klar ist aber dennoch, dass aus Tyrannenmord samt wenig sensiblem Umgang mit der Cäsar-Leiche nichts Gutes mehr erwachsen kann. Nicht mal, wenn die sagenumwobene ägyptische Königin Kleopatra mit von der Partie ist. Im Gegenteil. Die Auswirkungen vom Cäsaren-Mord werden gewissermaßen noch nach Ägypten „exportiert“, und das Politische verschlingt das Private. Und wer am Hofe Kleopatras vielleicht auf etwas Licht und Glamour hoffte, der muss sich auch hier mit der dunkelgetrübten Atmosphäre des nahenden Niedergangs begnügen, die das Bühnenbild von Anfang an verströmt.

Starke Männerbünde

Dunkel auch hier überwiegend die Kostüme (Ausstattung: Susanne Füller und Matthias Schaller). Während das Bühnenbild mit seinem großen kaputten Kirchenfenster im Hintergrund, einer Statue ohne Kopf und einer unter der Decke schwebenden Orgel noch an die Rolle der Religion in dem ganzen Gerangel denken lässt, leuchten die Kostüme weniger ein. Die Lederjacken, das Springerstiefel-ähnliche Schuhwerk und die mal mehr mal weniger mantelhaften Kleidungsstücke der Mächtigen, wirken eher wie ein etwas bemühter Versuch, die Schauspieler weder in Römersandalen noch in Anzüge zu stecken, in die Machthaber ansonsten gerne gekleidet werden, um die Zeitlosigkeit eines Themas zu verdeutlichen.

Insgesamt ist es ein verständliches Experiment, die Gesetze von Macht, Manipulation, Männerbünden und Herrschaftsformen über mehrere Herrscher hinweg untersuchen zu wollen. Doch die Risiken, die mit starken Kürzungen einhergehen, zeitigen leider die typischen Nebenwirkungen: Auf der Bühne stehen holzschnittartige Figuren, die eher Thesen als Menschen aus Fleisch und Blut verkörpern, und die machen, was ihnen das Handlungsgerüst vorgibt.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen