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„Blink-182“ feierte in der Frankfurter Festhalle: Wilde Rebellen im Rampenlicht

Trotz eines personellen Neuzugangs blieb die kalifornische Pop-Punk-Institution „Blink-182“ in der Frankfurter Festhalle ganz die alte.
Da geht der Punk ab! Wenn „Blink-182“ loslegen, wie hier in der Frankfurter Festhalle, geht’s feurig zur Sache. Foto: Sven-Sebastian Sajak Da geht der Punk ab! Wenn „Blink-182“ loslegen, wie hier in der Frankfurter Festhalle, geht’s feurig zur Sache.
Frankfurt. 

Kurz nach 22 Uhr erlosch in der überhitzten Mehrzweckarena das Saallicht zum dritten Mal. Mehr als zwei Stunden hatten gleich zwei Post-Hardcore-Formationen ausdrückliche Animationshilfe geleistet: Erstere, „Lower Than Atlantis“ aus dem britischen Watford, überzeugte dabei mit ausgezeichnetem Songmaterial und eher zurückhaltendem Vortragsstil. Letztere, „A Day To Remember“ aus dem amerikanischen Ocala in Florida wiederum, setzte den Fokus auf Jux und Dollerei. Mit allerlei auf die Spaßgesellschaft ausgerichtetem Brimborium heizte die Truppe das Partyvergnügen an: Riesenbälle, Klopapierrollen und Band-T-Shirts wanderten zum spielerischen Zeitvertreib ins begeisterte Publikum.

Vor der Bühne neigte sich kollektiver Übermut gar in Richtung Exzess: Mit ausführlicher Bereitschaft für riskanten Pogotanz, Circle Pit und Crowdsurfing der mehrheitlich männlichen Teilnehmer setzte sich die übermütige Chose im Auditorium bei „Blink-182“ nahtlos fort. „Feeling This“ wählte das kalifornische Pop-Punk-Triumvirat zum Auftakt mit einem im Hintergrund sprichwörtlich aufflammenden riesigen „Fuck“-Logo – kein neuer Song, sondern ein Favorit vom fünften Album aus dem Jahr 2003.

Prächtig gelaunt

Ein kurzer Blick in die Setliste genügte ohnehin, um zu konstatieren: Generell vertraute das prächtig gelaunte Triumvirat, das sich von Filmeinspielern im Comic-Design auf drei Riesenbildschirmen pausenlos unterfüttern ließ, auf gut abgehangene Songware aus seiner Glanzzeit ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als die Videoclips der Kombo auf MTV rauf- und runterliefen: „Always“, „Violence“, „The Rock Show“, „First Date“ oder „I Miss You“ atmeten nervöse Pop-Punk-Juvenilität. Punk-Puristen wenden sich bei so einer Mixtur angewidert ab und verdrehen flehentlich genervt die Augen nach oben. Pop-Punk? So was braucht kein Mensch, behaupten sie.

Denn als das Genre Punk Mitte der 70er Jahre im Londoner Underground begann, dem etablierten Rock-Establishment auf der Nase herumzutanzen, bewirkte es signifikante Veränderungen. Ein Demokratisierungsprozess setzte ein, der sich gegen die Elitebildung im Musikerzirkel wandte: Statt bis dato gewohnter Virtuosen, die ihr Instrument aus dem Effeff beherrschten, ermöglichte die Revolution von unten nun den Zugang auch für durchschnittlich Begabte. Vor allem aber galt jener Grundsatz, den die Londoner Punk-Pioniere „The Stranglers“ in der Punk-Hymne „No More Heroes“ auf den Punkt brachten: Kein Personenkult mehr. Was natürlich nicht so richtig funktionierte, da der Mensch, gleich, ob im Kommunismus oder im Punk, sich halt eben doch bestimmte Vorbilder wählt.

Sicherlich aber mit ein Grund, warum „Blink-182“, die mehr als 50 Millionen Tonträger weltweit absetzten und von 2005 an eine vierjährige Auszeit nahmen, auch in neuer Besetzung keine Publikumseinbußen hinnehmen mussten: Kaum jemandem schien aufgefallen zu sein, dass sich Schlagzeuger Travis Barker und Mark Hoppus (Bass, Gesang) anstatt mit Gründungsmitglied Tom DeLonge nunmehr von Matt Skiba (Gitarre, Gesang) komplettieren ließen.

Künstlerisch gereift

Skiba, parallel auch noch im „Alkaline Trio“ zugange, erfüllte seinen Zweitjob zur vollsten Zufriedenheit: Knarzige Gitarrenriffs und den typischen wechselseitigen Gesang mit Hoppus lieferte der im schwarzweiß quergestreiften Sträflingshosen-Look gekleidete Skiba – und das seit Gründung 1992 etablierte Konzept von „Blink-182“ blieb auf gleichem Niveau wie schon Dekaden zuvor. Zumal das Frontduo Hoppus und Skiba noch immer wie rebellische Halbwüchsige im Rampenlicht agierte.

Mit den satten Auszügen aus dem aktuellen Album „California“, darunter die Kracher „Cynical“, „Sober“, „Bored To Death“ und „She’s Out Of Her Mind“, unterstrichen „Blink-192“ indes kreative Weiterentwicklung: Spätestens seit der Wiedervereinigung 2009 präsentierten sie sich künstlerisch gereift. Anstatt Stakkato-Punk setzten sie von nun an mehr und mehr auf filigrane Rockkompositionen. Doch auch dazu konnten die dicht an dicht zwischen Wellenbrecher gedrängten Fans pogen, hopsen und reihum Ringelreihen tanzen.

Klar auch, dass ein Partygassenhauer wie „What’s My Age Again?“, von den Bandmitgliedern 1999 im kontroversen Videoclip als Flitzer nackt beworben, bei der langjährigen Fangemeinde, die schon als Teenager ihren Lieblingen zujubelte, runter ging wie Öl. Bis zum Finale mit dem Millionenhit „All The Small Things“ blieb die energische Sause des putzmunteren Dreiergespanns unterhaltsam frisch.

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