E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 32°C

buero.us: "Wir machen uns auch die Finger dreckig"

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region voller kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: Marc Ulm und sein „buero.us“ aus Frankfurt.
Design als höheres Sein, zusammen mit anderen: Gestalter Marc Ulm in seinen hell eingerichteten Arbeitsräumen in der Frankfurter Gutleutstraße 98. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Design als höheres Sein, zusammen mit anderen: Gestalter Marc Ulm in seinen hell eingerichteten Arbeitsräumen in der Frankfurter Gutleutstraße 98.

Vom kleinen Möbelobjekt bis zur raumgreifenden Ausstellungsarchitektur: Das interdisziplinäre Gestalterkollektiv „buero.us“ arbeitet vielfältig. Zum Kundenkreis zählt unter anderem die Schirn-Kunsthalle, für die „buero.us“ schon drei Ausstellungen einrichtete: im Jahr 2016 „Joan Miró. Wandbilder. Weltbilder“, 2017 „René Magritte. Der Verrat der Bilder“ und, erst kürzlich, die „Diorama“-Schau. Die Frankfurter Gestalter entwarfen zusammen mit den Schirn-Kuratoren eine Ausstellungsarchitektur. „Wir setzen die kuratorische Idee im Raum um“, sagt Marc Ulm, Gründer von „buero.us“.

Das Kollektiv ist im ehemaligen Gebäude einer Kanalbaufirma im Frankfurter Gutleutviertel beheimatet. Die Büroetage im Obergeschoss macht dank vieler Pflanzen, Kunstwerke und Designobjekte einen einladenden Eindruck. Zur Ausstattung der Räume zählt auch eine Schreinerei im Erdgeschoss. Sie wird genutzt. „Wir machen uns auch die Finger dreckig“, sagt Ulm. Die handwerkliche Umsetzung größerer Messe- und und Ausstellungsarchitekturen übernehmen externe Firmen. Gleichwohl müssen Ulm und seine Kollegen die Ausführung begleiten. „Man hat da eine Kommunikations- und Vermittlerrolle“, erläutert Ulm. Bei kleineren Projekten, wie Regalen, Theken und DJ-Pulten, übernimmt „buero.us“ neben der Planung auch die Ausführung. Als Kunden nennt Ulm Frankfurter Gastronomiebetriebe wie „Beetroot“, „Club Michel“ und „Waffeltruck Goose“ sowie die Plattenläden „Gosu“ und „Maria“.

Die Gemeinschaft „buero.us“ besteht seit 2015. Das Kollektiv ging aus einem zunächst losen Zusammenschluss freier Kreativer hervor, die seit 2009 im Gebäude arbeiteten. Am Anfang stand, so Ulm, „die Idee, einen Raum zu haben, in dem man ausprobieren, sich austauschen und Projekte realisieren kann“. Heute teilt sich „buero.us“ die Räume nur noch mit dem Designer Kai Linke. Das Team um Marc Ulm, Absolvent der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, besteht aus sieben Produktgestaltern und Architekten, Innenarchitekten, Handwerkern und Fotografen im Alter zwischen 24 und 37 Jahren. „buero.us“ sei „ein Produkt unserer Stadt und der Begegnungen“, sagt Ulm. Damit meint er die gewachsenen Verbindungen zu Musik- und Kunstszene, Gastronomie und Museen.

Beim Besuch an einem winterlichen Wochentag herrscht in den „buero.us“-Räumen eine lockere, gesellige Atmosphäre. Das Team hat sich an einem großen Esstisch versammelt, es gibt selbstgemachtes Curry. Marc Ulm wirkt aufgeweckt und motiviert, er scherzt viel mit seinen Kollegen. Das gemeinsame Mittagessen zählt zu den festen Routinen. Morgens treffe sich das Team zunächst zu einer Besprechung, erzählt Ulm. „Dann geht es darum, abzuarbeiten“, ergänzt er. Die Arbeitsweise „richtet sich nach den Briefings oder Vorgaben des jeweiligen Kunden“, sagt Ulm. Das Entwerfen beginne damit, „die Bedürfnisse und Wünsche unseres Gegenübers herauszufinden“, erzählt Ulm, „und sie dann vorsichtig zu hinterfragen, um sie zu verstehen.“ Es folgen Handskizzen und die 3D-Visualisierung am Computer. „Die 3D-Datei ist für uns dann der Dreh- und Angelpunkt des Projekts“, sagt Ulm. Sie dient als Grundlage für Pläne für die spätere Produktion. Im ganzen Entwurfprozess kommen überdies Detailskizzen, Materialmuster und Probestücke zum Einsatz, um Farbe, Form und Anmutung auszuprobieren. Hier kommt die hauseigene Schreinerei ins Spiel.

Schreinerei statt PC

Die Proben „helfen unserem Gegenüber, das Ergebnis besser zu verstehen“, sagt Marc Ulm. „In der Arbeit am Computer fehlt die Materialität und Haptik. Ohne sie funktionieren das Objekt, der Raum und das Projekt nicht“, erklärt er. Im Arbeitsprozess sei zudem ein beständiger Rollentausch wichtig, „um die Aufgabe an das Objekt oder den Raum aus dem Blickwinkel des anderen zu sehen“. Derzeit betreut „buero.us“ für die Frankfurter Messe drei Trendschauen mit. Das Raumkonzept für das Festivalzentrum der „B3-Biennale“ in der Junghofstraße wurde ebenfalls vom Kollektiv erarbeitet. Zudem ist „buero.us“ in die Planung einer Wanderausstellung zum Bauhaus-Jubiläum involviert.

Nicht zu vergessen weitere Projekte: Regale und ein DJ-Pult, eine Lichtinstallation sowie der Umbau einer Restauranttheke. „Aktuell arbeiten wir somit an etwa fünfzehn bis zwanzig Projekten“, fasst Marc Ulm zusammen. So verwundert es kaum, wie zügig er und seine Kollegen nach dem Mittagessen wieder an die Arbeit gehen.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen