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Interview mit Elektro-Pop-Duo "Yello": "Wir sammeln alle Klänge dieser Welt"

Hits wie „The Race“, „Do It“ oder „Oh Yeah“ machten sie einst bekannt. Und so wird der Frankfurter Auftritt von „Yello“ auch eine musikalische Reise durch vier Dekaden Band-Geschichte.
Seit fast 40 Jahren machen sie gemeinsam Musik: die Elektro-Pioniere Dieter Meier (links) und Boris Blank von der Band „Yello“. Im November gastieren sie mit ihrer Live-Show in der Frankfurter Festhalle. Seit fast 40 Jahren machen sie gemeinsam Musik: die Elektro-Pioniere Dieter Meier (links) und Boris Blank von der Band „Yello“. Im November gastieren sie mit ihrer Live-Show in der Frankfurter Festhalle.

„Für Boris ist das Tonstudio wie ein Sauerstoffzelt, in dem er atmet und lebt“, sagt Dieter Meier über seinen Freund, den Komponisten Boris Blank. Seit 1978 machen die beiden Schweizer als „Yello“ gemeinsam Musik. Einem größeren Publikum wurden sie 1988 mit der Single „The Race“ bekannt. Wurde der Hit doch im deutschen Fernsehen als Titelmusik für die beliebte Musikvideosendung „Formel Eins“ verwendet. Es folgten einige Studioalben, mal mehr, mal weniger erfolgreiche, bis 2016 das Album „Toy“ in Österreich auf Platz 16 kam, in der Schweiz bis auf Platz 1 kletterte und in Deutschland den zweiten Platz errang. Thomas Ungeheuer traf die Elektro-Pop-Pioniere „Yello“, die am 29. November in der Frankfurter Festhalle auftreten, zum Gespräch.

Herr Blank, was inspiriert Sie, wenn Sie Musik komponieren?

BORIS BLANK: Ich bin ein Sammler und Jäger von Geräuschen. Mich inspiriert alles auf der Welt, was an Klängen vorhanden ist. Ähnlich wie ein Eichhörnchen seine Nüsse vergräbt und später wieder ausgräbt, um sich von ihnen zu ernähren, sammle ich Geräusche. Sie stecke ich in Order, die ich mit lustigen Namen beschriftet habe. Also weiß ich genau, welche Stimmungen die jeweiligen Sounds haben. Beim Komponieren bin ich dann wie ein Maler, der Farben auf seine Leinwand bringt. Bloß, dass ich keine Farben, sondern Geräusche benutze. So bilden sich Konturen und Strukturen. Mit der Zeit finde ich dann etwas, das einer Komposition ihren statischen Halt gibt. Plötzlich entsteht aus all dem ein Bild.

Ist diese Art von Komponieren ein Spiel oder eher Arbeit für Sie?

BLANK: Zunächst ist das für mich absolut ein Spiel. Wenn ich beginne, ein Musikstück zu machen, dann ist es das Schönste überhaupt. Ich kann es kaum erwarten, was daraus entsteht. Ich bin dann wirklich zappelig. Wenn die Entwicklung eines Songs eine bestimmte Phase erreicht hat, kommt jedoch harte Arbeit. Hier schaue ich, dass ich all die verschiedenen Klänge so ordne, dass ein klares, transparentes Klanggebäude entsteht. Es muss betretbar sein und akustisch verschiedene Perspektiven öffnen. Die Klänge müssen einen Raum füllen, in dem du hören kannst, wie ein bestimmter Sound, der sich zunächst als ganz nah anhört, bis zum Horizont wandern kann.

DIETER MEIER: Kreation ist ja etwas sehr Eigenartiges. Man hat eine kleine Idee am zarten Faden, an dem zieht man sich hinein in die Welt der Klänge. Aber man muss aufpassen, dass man nicht zu stark an diesem Faden zieht, weil er sonst reißt. Es ist ein sehr delikater Vorgang, wie man mit den ersten, sehr fragilen Klängen umgeht. Deshalb ist es für Boris so wichtig, dass er lange alleine ist mit seinen musikalischen Kindern und sie in Ruhe heranwachsen lassen kann.

Herr Blank, Sie verfremden mit technischen Effektgeräten die Geräusche. Woher stammen diese Geräusche ursprünglich?

BLANK: Das ist sehr unterschiedlich. Zieht man beispielsweise ein Klebeband ab und hat das Mikrofon am richtigen Ort, dann gibt das so einen merkwürdigen Sound. Es macht Ssssssssdt. Wenn man dieses Geräusch drei oder vier Oktaven nach unten transponiert, klingt es am Ende plötzlich wie der grollende Donner eines Gewitters. Vor einiger Zeit habe ich an die Hauswand meines Studios einen Schneeball geschmissen. Er war ein ziemlich trockener Schnee, den ich schön kneten konnte. Und das Plopp beim Aufprall habe ich aufgenommen. Aus diesem Plopp wurde, nachdem ich es in der Tonhöhe nach unten transponiert hatte, ein ganz tiefes, sattes Dummm. So entstehen Sounds, die für mich selbst frappant sind.

Wenn bei Konzerten weitere Künstler mit Ihnen Ihre Musik spielen, fällt es Ihnen da schwer, die Kontrolle über den Klang Ihrer Songs abzugeben?

BLANK: Es ist für mich eine wirkliche Herausforderung gewesen, mich mit diesen Musikern zu treffen. Als ich das erste Mal die Begleit-Vokalistinnen getroffen habe, war ich ein bisschen schüchtern. Aber dann kam eine wunderbare Freude auf, weil ich gemerkt habe, wie viel Spaß sie daran haben, mit mir zu arbeiten. Mit den Bläsern war es ähnlich. Sie spielen nach Noten. Also mussten sie die zunächst schreiben. Als zum Schluss dieses Gebilde von einem Konzertorchester stand, war das für mich natürlich ein großer Spaß und eine Erleichterung, weil mit diesen tollen Musikern das Gesicht von „Yello“ nicht verunstaltet wird. Dass meine Musik mit ihnen so bleibt, wie die Menschen sie hören wollen, das ist für mich sehr aufregend.

Während der Show in Frankfurt wird auch Videokunst zu sehen sein. Früher spielten oft Kinder von Ihnen in Ihren Musik-Videos mit. Warum?

MEIER: Meine Kinder haben immer Spaß daran gehabt, sich zu kostümieren und in diesen Videos ihre kleinen Auftritte zu haben. Ich habe sie ja nicht als die Kinder, die sie waren, gezeigt, sondern ich habe ihnen Rollen gegeben. Als ich meine kleine Tochter eine junge Königin in einem Märchen habe spielen lassen, war sie fünf oder sechs Jahre alt. Das war wie eine Märchenaufführung im Kindergarten.

BLANK: In den Videos zu sehen, wie die Kinder damals aussahen, ist sehr schön. Meine Frau ist auch einmal als Tänzerin aufgetreten. Bei „The Race“ ist sie die Frau im roten Rock. Witzig. Ja, Videos zu drehen, das war immer eine Familienveranstaltung.

MEIER: Ein Familien-Zirkus. Der Vater an der Kasse, die Mutter auf dem Hochseil, die Kinder jonglieren, das ist eigentlich ein Familien-Zirkus. Ich habe das Netz ohne doppelten Boden gespannt.

 

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