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Pierre Richard in „Monsieur Pierre geht online“: Witwer sucht Internet-Frau

Von Bekanntgeworden als „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, ist Pierre Richard nun als älterer Herr zu sehen, der noch einmal auflebt.
Pierre (Pierre Richard) lebt seit dem Tod seiner Frau allein. Nun hat er übers Internet Bekanntschaft mit einer jungen Frau geschlossen und blüht auf wie seine Rosen. Foto: TOM TRAMBOW Pierre (Pierre Richard) lebt seit dem Tod seiner Frau allein. Nun hat er übers Internet Bekanntschaft mit einer jungen Frau geschlossen und blüht auf wie seine Rosen.

Was soll ein alter Mann mit grauem, ja fast weißem Haar und einem ebensolchen Bart den ganzen Tag lang tun, wo seine über alles geliebte Frau seit zwei Jahren tot ist? Pierre (Pierre Richard) schaut sich oft Super-8-Filme an, in denen Madeleine (Anna Berdecke) zu sehen ist. Jung und strahlend schön erscheint diese lebenslustige Frau darin. Ansonsten macht der Rentner kaum etwas. Schon lange hat er die unordentliche Wohnung in Paris nicht mehr verlassen. Seine Tochter Sylvie (Stéphane Bissot) besucht ihn oft. Sie kümmert sich um den Witwer.

Allerdings nicht unbedingt rührend, sondern eher resolut und ähnlich bestimmend, wie sie Alex (Yaniss Lespert), den neuen Freund ihrer Tochter Juliette (Stéphanie Crayencour), behandelt. Der erfolglose Schriftsteller hat sich nämlich mit Juliette bei deren Mutter eingenistet. Ihm fehlt das Geld, um sich mit seiner Liebsten eine eigene Bleibe leisten zu können.

Also beschließt Sylvie, dass Alex dem altmodischen Pierre für etwas Lohn zeigt, wie man einen Computer benutzt. Zunächst gehen beide Männer eher unwillig miteinander um. Aber schließlich entdeckt Pierre die Vorzüge des Internets. Auf einem Dating-Portal entdeckt er Flora (Fanny Valette). Die 31-Jährige sieht seiner verstorbenen Frau verblüffend ähnlich. Pierre beginnt der Physiotherapeutin zu schreiben und erobert mit seinen romantischen Worten das Herz der Belgierin. Allerdings glaubt sie, dass Pierre ein junger Mann ist. Schließlich hat der Greis ein Foto von Alex online gestellt. Bald will Flora ihn treffen.

Somit bleibt Pierre nichts anderes übrig, als Alex zu seinem Rendezvous nach Brüssel zu schicken. Natürlich fährt Pierre mit, um vor Ort zu schauen, ob Alex sich benimmt. Das macht er. Flora verliebt sich nun mit Haut und Haaren in den feinfühligen Sinologen. Sinologen? Ja. Schließlich musste sich Pierre einen interessanten Beruf für Alex ausdenken . . .

Unübersehbar ist „Monsieur Pierre geht online“ durch „Cyrano von Bergerac“ inspiriert. Jean-Paul-Rappeneau hatte 1990 Edmond Rostards gleichnamiges Theaterstück verfilmt. Damals war es ein beleibter Fechtmeister mit allzu großer Nase, der unter anderem Namen poetische Liebesbriefe an seine Herzdame schrieb. Heute ist es ein kauziger Rentner. Dieser wandelt sich jedoch in der Komödie des Autoren und Regisseurs Stéphane Robelin („Wenn wir alle zusammenziehen“) zu einem sympathischen Romantiker.

Aber es ist nicht nur die Entwicklung dieser sorgfältig gezeichneten Figur, die „Monsieur Pierre geht online“ reizvoll macht, sondern auch die zunächst unspektakulär erzählte, kluge Geschichte. Gewinnt sie doch in ihrem Verlauf nicht nur an Schwung und Humor, sondern vor allem an Tiefe. Ohne moralisierend zu sein, macht Stéphane Robelin klar, wie verletzend eine große Lüge sein kann.

Mit Leichtigkeit bringt er im Verlauf der Handlung originelle Nebenfiguren ins Spiel, die mit ihren Auftritten nicht nur erheitern, sondern zu wichtigen Personen in einem intelligent konstruierten Geschehen werden, das mit ihnen gar nicht so vorhersehbar erscheint. Dabei bleibt der pointiert inszenierte Humor stets feingliedrig. Was vielleicht all jene erstaunt, die Pierre Richard noch aus der Komödie „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ (1972) kennen. In „Monsieur Pierre geht online“ wirkt Richards Schauspiel zwar immer noch vital, aber er verzichtet auf alle ausladenden Gesten und beschränkt sich auf eine angenehm zurückgenommene und darin glaubhafte Mimik. Sehenswert

In folgenden Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU, am 23. Juni, 20.30 Uhr, mit Yaniss Lespert), Metropolis. Orfeos Erben (OmU).
Sulzbach: Kinopolis. Mainz: Cinestar

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