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Französische Komödie „Plötzlich Papa“ von Hugo Gélin: Wohin mit dem Kind, wenn die Mutter verschwindet?

Von In der französischen Komödie „Plötzlich Papa“ von Hugo Gélin bekommt Omar Sy als Schwerenöter ein Baby in den Arm gelegt, dessen Vater er sein soll.
Samuel (Omar Sy) hat sich an sein Kind (Gloria Colston) gewöhnt. Foto: Julien Panie (TOBIS Film GmbH) Samuel (Omar Sy) hat sich an sein Kind (Gloria Colston) gewöhnt.

„Halt mal kurz“, sagt sie, drückt dem verdutzten Mann das Baby in den Arm, geht – ohne sich umzudrehen – den Pier hinauf und rauscht im Taxi davon. Von einer Minute auf die andere ist für Samuel (Omar Sy) Schluss mit dem lustigen Junggesellenleben an der Côte d’Azur, als eine seiner zahllosen Kurzzeitgeliebten ihn als Vater in die Pflicht nimmt. Verzweifelt fliegt er Kristin (Clémence Poésy) nach London hinterher, aber die überforderte Mutter ist längst verschwunden.

Acht Jahre später hat sich Samuel in sein Schicksal bestens eingefunden. Mit der aufgeweckten Tochter Gloria (Gloria Colston) lebt er in einem Londoner Loft, das inklusive Wendelrutsche und riesigem Elefantenkissen eher einem Indoor-Spielplatz gleicht. Aus dem flatterhaften Filou ist ein liebender Vater geworden, bei dem das Kind im Manne nicht verlorengegangen ist. Statt in die Schule geht Gloria auch schon mal mit ans Filmset, wo Samuel nun als Stuntman arbeitet. In regelmäßigen Elterngesprächen wickelt der Vater die Direktorin charmant um den Finger.

Von ihrer Mutter bekommt Gloria täglich elektronische Post aus aller Welt. Samuel hat dem Kind erklärt, dass Mama als Geheimagentin arbeitet und erfindet stets neue Spionageabenteuer. Aber dann meldet sich Kristin plötzlich aus dem Nichts, will ihre Tochter tatsächlich wiedersehen und sie schließlich sogar mit nach New York nehmen. Mit „Plötzlich Papa“ knüpft Hugo Gélin an einen der größten, französischen Komödienhits der 80er Jahre an: In „Drei Männer und ein Baby“ hatte damals Coline Serrault das Lustspielpotenzial plötzlich hereinbrechender Vaterschaft ergründet. Auch Gélin weiß sehr genau, dass nichts das Zuschauerherz besser zum Schmelzen bringt als ein echter Kerl, der sich der elterlichen Liebe zu seinem Kind ergibt. Omar Sy, der seit „Ziemlich beste Freunde“ der wirkungsvollste Sympathieträger des französischen Kinos ist, scheint die Rolle des spaßbegabten Papas auf den Leib geschrieben. Tatsächlich bildet er mit der kleinen Gloria Colston ein ideales Vater-Tochter-Gespann, dem man alle Schönfärberei verzeiht.

Aber „Plötzlich Papa“, entstanden nach dem mexikanischen Erfolgsfilm „No se aceptan devoluciones“, hat nicht nur Lustiges im Sinn, und damit fangen die Probleme an, nicht allein für die Figuren. Viel zu stark sind die Gegensätze zwischen Komik und Tragik ausgearbeitet, so dass beide an Glaubwürdigkeit einbüßen. Der Idealismus des Films wird aufdringlich, und nur knapp kann sich das überkonstruierte Drehbuch noch vor einer dramaturgischen Bruchlandung retten. Annehmbar

 

Frankfurt: E-Kinos, Metropolis.
Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Mainz: Cinestar

 

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