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Wonnen der Weiblichkeit

Ondulierte Langhaarfrisuren, schrille Kostümierungen, derber Wortwitz: Als Satire präsentiert sich die amerikanische Glam-Metal-Formation „Steel Panther“ in der Offenbacher Stadthalle.
„Steel Panther“ parodieren Posen und Rituale des Rock. Foto: Sven-Sebastian Sajak „Steel Panther“ parodieren Posen und Rituale des Rock.

Als „Nirvana“ 1991 mit ihrer Grunge-Hymne „Smells Like Teen Spirit“ weltweit die Charts eroberten, erledigte sich auch ein zuvor jahrelang populäres Konzept der MTV-Jugend: Glam-Metal. Was vor 25 Jahren über Nacht außer Mode geriet, lässt sich heute als Parodie mit reichlich Nostalgie einem sich mit Wehmut an die eigene Jugend erinnernden Publikum servieren.

„Steel Panther“, 1997 in Los Angeles gegründet, vereinen bei ihrer exzessiven Show in Offenbach sämtliche Glam-Metal-Zutaten. Übertriebene Posen, schräg-schrille Kostümierungen, perfekte Stilzitiate von „Van Halen“ über „Mötley Crüe“ bis hin zu „Cinderella“ lassen den Puls der zum Teil ebenso abenteuerlich gekleideten Zuschauer in die Höhe steigen. Gitarrist Satchel erweist sich dabei als tonangebender Wortführer mit ausgeprägtem Ego: Seine von Eddie van Halen inspirierten virtuosen Soli neigen ebenso zur Überlänge wie seine deutlich unter der Spandexhose sich abzeichnende Männlichkeit. Zumal der selbstbezogene Satchel auch noch minutenlang über seinen ausgeprägten Wonnespender fabuliert und derweil Vokalist Michael Starr derbe abkanzelt, weil dessen Geschlechtsteil so winzig sei. Zotiges Wortgeplänkel, dem sich gelegentlich auch Bassist Lexxi Foxx mit Puderquaste im Anschlag und der um einiges maskulinere Schlagzeuger Stix Zadinia anschließen, dient als Salz in der Suppe zwischen durchweg selbstkomponierten Glam-Metal-Ohrwürmern.

Schonungslos Eindeutiges behandeln Kracher wie „Gloryhole“, „Let Me Cum In“ und „It Won’t Suck Itself“. Da werden die Wonnen asiatischer Prostituierter („Asian Hooker“) beschrieben, da wird das wüste Intimleben einer amerikanischen Golf-Legende in „Just Like Tiger Woods“ aufs Korn genommen, da dient in „Community Property“ die eigene Freundin dem Gemeinwohl. Mitunter allzu harter Stoff, der politische Korrektheit ad absurdum führt.

Der Höhepunkt ist erreicht, als im Akustikteil gut zwei Dutzend williger Damen aus dem Publikum sich mit eindeutiger Gestik im Rampenlicht drängen. Wer an dieser Stelle immer noch nicht begriffen hat, dass „Steel Panther“ Genres und Rituale parodieren, dem ist wohl nicht zu helfen.

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