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Konzert in Festhalle: Xavier Naidoo: Weltseele mit Sonnenbrille

Von Soulstar Xavier Naidoo gab ein umjubeltes „Greatest-Hits“-Konzert in Triobesetzung in der Frankfurter Festhalle.
Schiebermütze, Sakko, Sonnenbrille: Xavier Naidoo am Notenpult  in der Festhalle. Foto: Sven-Sebastian Sajak Schiebermütze, Sakko, Sonnenbrille: Xavier Naidoo am Notenpult in der Festhalle.
Frankfurt. 

Der Mann ist erleuchtet. Sein persönliches Erweckungserlebnis mag sich in der Kindheit zugetragen haben: „Amazing Grace, how sweet the sound /I once was lost, but now I’m found /I was blind, but now I see.“ Lobpreis-singend schreitet Naidoo durch die Gänge und betritt feierlich in der komplett bestuhlten Festhalle eine Rundbühne, die in sich selbst auch noch rotiert, so dass der Star meistens von allen Seiten gut gesehen werden kann. Und gehört.

Der Techniker am Mischpult in der Festhalle muss wirklich ein Zauberer sein, denn die problematischen akustischen Verhältnisse von Frankfurts größter Hallenarena hat selten jemand so gut in den Griff bekommen.

Wie unter Freunden

Nachdem der Wahlmannheimer, Sangeskünstler und gelegentliche philosophisch-metaphysische Weltausdeuter sich also zur wunderbaren Gnade bekannt hat, setzt er auf eines der größten Güter der Menschheit: die Freiheit. Auf „Frei“, ein elegisches neues Stück, folgt „Frei sein“ vom Album „Nicht von dieser Welt“, das 1998 Naidoos Durchbruch markierte. 18 Jahre später ist er Deutschlands Superstar am Mikrofon, den weder peinliche Politausrutscher und verworrene Bekenntnisse zu „Reichsbürgern“ aus dem Gleis werfen können. Man vertraut darauf, dass der 45-Jährige schon weiß, was er tut und angelegentliche Patzer auf dem gesellschaftlichen Parkett selbst wieder aus der Welt räumt.

Bilderstrecke Soul-Sänger Xavier Naidoo in der Festhalle Frankfurt
Der Mannheimer Soul-Sänger Xavier Naidoo sang am 24. November 2016 in der ausverkauften Frankfurter Festhalle. Es folgen weitere Bilder.

Das Frankfurter Konzert hält er gänzlich frei von politischen Statements und konzentriert sich ganz auf seine Musik, die inzwischen schon so was wie den Kanon des geschmackvolleren deutschen Liedes bildet. „Das lass’ ich nicht zu“ bezieht dezidiert Stellung gegen häusliche Gewalt, „Ich will leben“ kritisiert Tiertransporte. Der sozialkritische Naidoo mischt sich mit dem missionarischen, dem predigenden und mahnenden. Unsere Welt soll ja eine bessere werden, und der Träger von Jeans, grauem Sakko, Schiebermütze und Sonnenbrille arbeitet kräftig daran, das ins Werk zu setzen. In Gitarrist Alex Auer und Pianist und Keyboarder Neil Palmer hat er zwei Musiker an seiner Seite, die seine Songs besser, natürlicher und nackter klingen lassen, als je auf Tonträger zu vernehmen. Im Grunde genommen ist dieser mitreißende Abend ein Clubkonzert unter Freunden – zumal Naidoo seine ersten Erfolge in Frankfurt hatte, als noch der Rödelheimer Produzent Moses Pelham – dem mit „Sie sieht mich einfach nicht“ natürlich eine Hommage gewidmet ist – die Finger mit im Spiel hatte.

Heute ist der schlaksige Sänger Xavier Naidoo eine gereifte Persönlichkeit und ein gewiefter Entertainer, der die Gefühlsklaviatur der zehn- bis 50-jährigen Besucher zu bedienen weiß.

Immer wieder ist in den Texten von Fels in der Brandung, blindem Vertrauen und unverfälschter Liebe die Rede. Dabei ist der umtriebige Medienstar sich seines größten Kapitals natürlich bewusst: seiner Stimme. Was er da so alles mit ihr anstellte, muss schlichtweg als sensationell bezeichnet werden. Die Hits „Der Fels“, „In meinen Armen“, „Ernten, was man sät“, „Führ mich ans Licht“, „Nicht von dieser Welt“, „20 000 Meilen“ und natürlich „Bei meiner Seele“ singt Naidoo souverän und gleitet dabei vom tiefen Bass bis ins hohe Falsett, scattet, rappt und croont, dass es eine wahre Freude ist.

Die Personalityshow Naidoo wird durch sieben gigantische, sein Konterfei ins Bild setzende Videoscreens, auf halber Bühnenhöhe kreisrund angeordnet, unterstrichen. Das mag man für übertrieben halten oder eben dem Künstler Naidoo angemessen. Je nach Blickwinkel.

Gruß an Cohen

Den sicherheitshalber platzierten Notenständer braucht der bekennende Vegetarier kaum einmal, hat auch, anders als bei vorherigen Tourstationen, keinen Texthänger. „Sag es laut (wenn du mich liebst)“, vom Lichtdesigner in leuchtendes Rot getaucht, und „Dem Himmel noch näher“ geraten zu emotionalen Höhepunkten des Abends. So viel Bekenntnislyrik ohne falsches Pathos haut selbst die größten Naidoo-Kritiker gefühlsmäßig um. Ovationen am Ende und mehrere Zugaben, darunter die Leonard-Cohen-Ehrerbietung „Hallelujah“, ein Wort des Frohlockens, das öfter an diesem Abend fällt. Schon jetzt ist Xavier Naidoo für den Dezember 2017 in der Frankfurter Festhalle gebucht. Es sollte wenig Zweifel geben, dass der Mann sie füllen wird.

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