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Konzert: Xavier Naidoos Soulstimme ist einzigartig wie immer

Auf ein Neues: Mannheims Sohn Xavier Naidoo blickt in der Frankfurter Festhalle mit einem Best-Of Unplugged auf seine bisherige Karriere zurück.
Ohne Sonnenbrille geht es nicht, und doch kommt Xavier Naidoo seinem Publikum sehr nahe. Foto: Sven-Sebastian Sajak Ohne Sonnenbrille geht es nicht, und doch kommt Xavier Naidoo seinem Publikum sehr nahe.

Vor exakt einem Jahr gastierte Xavier Naidoo schon einmal in der ausverkauften Frankfurter Festhalle. Im gleichen festlichen Akustikrahmen, als er seine Alben „Nicht von dieser Welt 1 & 2“ präsentierte. Zum frenetischen Jubel im Finale versprach der Sänger, Komponist und Texter aus Deutschlands einziger alphabetisch nummerierter Quadratstadt seinerzeit, bald wiederkommen zu wollen. Xavier Naidoo hat Wort gehalten.

Bodyguards und Security

Als gigantisches Rund erweist sich die inmitten des Auditoriums errichtete Drehbühne samt opulentem Überbau aus ausrollbaren transparenten Projektionsflächen. Man kennt solche imposanten Kulissen von „U 2“, Peter Maffay, „Pur“, „Metallica“ und Peter Gabriel. Wer beim Anblick des Einmarschs von Xavier Naidoo samt seiner drei Begleiter den Einlauf von antiken Gladiatoren ins römische Colosseum assoziiert, dürfte allerdings eine allzu blühende Fantasie besitzen. Stutzig machen indes die begleitenden Bodyguards sowie rundherum permanent anwesende Security.

In der abermals ausverkauften Festhalle lauert unter den Tausenden Naidoo-Gläubigen sicherlich keiner, der Mannheims Sohn ans Leder möchte. Oder doch? Wer wie Xavier Naidoo in jüngster Vergangenheit Kontroverses und Verschwörungstheoretisches kundtut und zu seinen wirren, esoterisch angehauchten Thesen steht, kann wohl nicht ausschließen, dass es auch Andersdenkende gibt, denen das nun gerade wieder nicht in den Kram passt.

Überaus herzlich die Begrüßung des 46 Jahre alten Künstlers in gewohnt durch Kappe und Sonnenbrille geschützter Schüchternheit: „Guten Abend, Frankfurt. Viel Spaß beim Konzert. Schön, dass ihr hier seid“, lässt er mit fester Stimme verlauten und legt unmittelbar los.

Flauschige Hymnen

„Wo willst du hin?“, lautet das erste von mehr als zwei Dutzenden wohlig flauschiger Hymnen mit Seelenheilsgarantie. Seit Debüt „Nicht von dieser Welt“ begleitet Xavier Naidoo der missionarische Eifer, als wäre er eigentlich im Beruf eines Pastors besser aufgehoben gewesen. Nun ist er halt Künstler geworden. Ein längst millionenschwerer dazu. Trotzig widersetzt er sich nach wie vor gesellschaftskonformen Gepflogenheiten und erzielt dafür nicht gerade geringen Beifall von vielen, aber nicht von allen Seiten. „Wenigstens einer, der den Mund aufmacht“, zischt ein Dunkelhaariger im ersten Rang seiner blonden Begleiterin zu, als Naidoo anfängt, zwischen den Songs zu plaudern, und erwähnt, was er doch für ein Nachrichten-Junkie sei: „Ich bin jeden morgen gespannt darauf, mit was wir angelogen werden“, kommentiert er süffisant und erhält wieder einmal viele Beifallsbekundungen.

Noch mehr Applaus sowie kostenloses textsicheres Mitsingen und Mitklatschen dazu gibt es für metaphorisch verbrämte Lieder wie „Halte durch“, „Mut zur Veränderung“, „Mach Dir keine Sorgen“, „Alles kann besser werden“ und „Bitte hör nicht auf zu träumen“. Tadellos virtuos wird er begleitet von seinem Trio: Gitarrist Alex Auer wechselt von der Akustik- zur E-Gitarre und darf solo auch einen Song auf Englisch singen. Pianist Neil Palmer gleitet mit seinem fingerflinken Spiel häufig ins Jazzige. Regelrecht göttlich begnadet trommelt der auch in der Band von Sting für die Percussion zuständige Schlagzeuger Abdelrhani „Rhani“ Krija.

Xavier Naidoo singt dazu wie ein ewiger Gott im makellosen Soultimbre, verpasst kollektive Gänsehäute und wird vor allem im zweiten Teil unglaublich gesprächig in privaten Dingen: Dass er verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, wussten wir zwar schon, aber, dass ihm die Ehefrau den Sohn nur ungern anvertraut, weil er ihn auch schon mal samt Babykorb vom Wickeltisch fallen ließ, noch nicht.

Mit Mama im Haus

Auch nicht, dass derzeit seine noch immer unglaublich fitte 83-jährige Mutter bei ihm lebt, da ihr Haus altersgerecht umgebaut wird. Und erst recht nicht, dass einst bei den Naidoos, als Xavier Kurt noch klein war und in den Kindergarten ging, öfter mal der Gerichtsvollzieher anklopfte. Seinem kleinen Sohn widmet er dann auch noch den Song „Phrasen für Dich“.

Schlag auf Schlag folgen die Naidoo’schen Evergreens „20 000 Meilen“, „Bei meiner Seele“, „Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)“ und zum Finale „Dieser Weg (wird kein leichter sein)“. Unterfüttert wird das mit einer schlicht grandiosen Version von Sam Cookes Soul-Klassiker ,A Change Is Gonna Come“.

Wie das Quartett zum Auftakt würdevoll hereinmarschierte, verlässt es am Ende auch die Bühne Richtung Garderobe. Mit dem Unterschied, dass Naidoo mit seiner unnachahmlichen Stimme a cappella Ben E. Kings R ’n’ B-Evergreen „Stand By Me“ erklingen lässt.

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