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Konzert: Yuja Wang gibt in Frankfurts Orchesterhaus das modisch-musikalische Gesamtkunstwerk

Die Starpianistin Yuja Wang gab ein überragendes Konzert in Frankfurt und nahm die Alte Oper im Sturm: als grandiose Solistin, Dirigentin – und als umwerfende Fashionista.
Ein freier Rücken kann auch entzücken: Yuja Wang bedient Aug’ und zum Glück auch Ohr. Ein freier Rücken kann auch entzücken: Yuja Wang bedient Aug’ und zum Glück auch Ohr.

Der Saal begann zu leuchten, als sie auf die Bühne stolzierte: Yuja Wangs Gang wirkte wie immer etwas angestrengt, mit dem typischen, leicht nach unten gesenkten Kopf, als suche sie den Boden ab. Vielleicht musste sie so schauen beim Versuch, in ihrem bodenlangen Goldlamé-Kleid mit dem verrucht hohen Schlitz und auf ihren 12-Zentimeter-Stilettos die Balance zu halten.

Der zweite Wow-Effekt kam, als sie am Flügel Platz nahm. Das Instrument war mittig im Mahler Chamber Orchestra platziert, so dass die Künstlerin mit dem Rücken zum Publikum saß. Die fast textilfreie Rückenansicht der 30-jährigen Chinesin war während ihres Beethoven-Spiels nicht nur optisch eine Augenweide, sondern ließ auch Raum, in aller Deutlichkeit die große Anzahl von Muskelgruppen zu studieren, die bei ihrem erlesenen Anschlag von Bedeutung waren. Kurzum: Es war, als sei eine göttliche Diva unter die Sterblichen geraten und kredenze himmlische Höhepunkte ihrer Kunst. Was sie anschließend am Klavier veranstaltete, ließ jede Äußerlichkeit im Nu vergessen.

Wie sensibel und energisch zugleich ihr Beethoven-Anschlag, wie zartfühlend und kommunikativ ihr Dirigat des Weltklasse-Kammerorchesters vom Flügel aus. Wie farbenreich ausgestaltet ihr Chopin-Spiel der Grand Polonaise brillante opus 22, wie zart-federnd ihre Interpretation seines vorausgehenden Andante spianato. Und als der offizielle Part vorbei war, legte die dynamische Exzentrikerin, mittlerweile in ein atemberaubend knappes, grünes Kleid gezwängt, das noch mehr Rücken freilegte, erst richtig los – ganz so, als seien Beethovens zweites Klavierkonzert und Chopins Mammut-Polonaise nur leichte Vorspeisen gewesen.

Rasante vier Zugaben hatte sie im Gepäck, wobei die letzte, Mozarts türkischer Marsch, von Fazil Say ins Jazzige gewendet, quasi als munterer Rausschmeißer gedacht war; pikanterweise aber das Gegenteil bewirkte.

Jetzt erhob sich der Saal wie ein Mann von den Sitzen und wollte den chinesischen Tastenstar gar nicht mehr gehen lassen. Hätte das Mahler Chamber Orchestra nicht durch ostentativen, gegenseitigen Handschlag deutlich gemacht, dass man einzupacken gedenke: die frenetischen Fans hätten sich weitere Zugaben erklatscht.

Auch das demokratisch organisierte Kammerorchester spielte an diesem Abend mit der großen Yuja Wang auf Augenhöhe. Nicht nur die stehend präsentierte Don Giovanni-Ouvertüre, auch Igor Strawinskys Pulcinella-Suite direkt nach der Pause, beide unter der kundigen Leitung von Konzertmeisterin Michelle Ross, offenbarten allerhöchstes Niveau. Wie tief die 45 Musiker aus 20 Nationen diese Musikstücke erforscht hatten und wie sehr sie den Raum nutzten, den Strawinsky jedem einzelnen Instrument zur Entfaltung bereitstellte, zeigten sie auf eindrückliche Weise.

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