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Neue Oper am Staatstheater Darmstadt: Zehn Männer kämpfen sich durch Eis und Schnee zum Südpol

Am Staatstheater Darmstadt läuft die neue Oper „South Pole“ von Miroslav Srnka, die von den Polarforschern Amundsen und Scott handelt.
Zwei Expeditionsteams auf dem Weg zum Südpol: Die Darmstädter Inszenierung von „South Pole“ zeigt Norweger und Briten simultan auf der Bühne. Foto: Martin Sigmund Zwei Expeditionsteams auf dem Weg zum Südpol: Die Darmstädter Inszenierung von „South Pole“ zeigt Norweger und Briten simultan auf der Bühne.

Anfang 2016 wurde die Oper „South Pole“ in Starbesetzung an der Münchener Staatsoper uraufgeführt und fand freundliche Aufnahme. Nun ist sie schon in einer neuen Inszenierung (Regie: Karsten Wiegand) und kompositorischen Neufassung am Staatstheater Darmstadt zu erleben. Es geht um den Wettlauf zum Südpol, gesungen wird Englisch. 1910 bricht der Norweger Roald Amundsen überraschend mit einer Forschungsexpedition in die Antarktis auf und setzt somit seinen englischen Entdecker-Konkurrenten Robert Falcon Scott unter Zugzwang. Beide werden Basislager errichten und über unterschiedliche Routen den Südpol erreichen. Amundsen mit seiner Hundeschlittenexpedition als erster, Scott einen Monat später. Auf dem Rückweg vom Pol werden die schlechter organisierten Briten jämmerlich, aber erhobenen Hauptes erfrieren. Scotts selbstverschuldete Fehler kosten seine Männer das Leben, trotzdem wird eher Amundsen als herrisch dargestellt.

Das Libretto von Tom Holloway betreibt recht frei eine Parallelführung und Simultandarstellung der beiden Expeditionen, daher bezeichnet der tschechische Komponist Miroslav Srnka „South Pole“ auch unnötigerweise als „Doppeloper“. Gesungene Morse-Codes geben bekannt, dass Amundsen das Ziel Antarktis gesetzt hat. Dort sieht man dank einfacher, aber effektvoller Projektionen tatsächlich eine Eislandschaft. Und die Männer – teilweise zum Verwechseln ähnlich – in Wintermontur.

Illustrierende Musik

Hätte ein Schnee-Drama, das in der Kälte spielt, nicht eigentlich nach den üblichen Inszenierungsmethoden, selbsterklärend wegen sozialer Kälte und so, in einem Bankhochhaus, Darkroom oder Flüchtlingslager in Szene gesetzt werden müssen? Aber Opern von 2016 genießen offenbar noch den Schutz ihres natürlichen Schauplatzes. Die fünf Briten (Tenöre) und fünf Norweger (Baritone) stehen oft gemeinsam auf der Bühne, obgleich sie räumlich und zeitlich getrennt sind.

Zehn Männer im Schnee, was hätte Benjamin Britten daraus für Ensembleszenen gemacht! Die Gestaltung der Gesangsstimmen erinnert tatsächlich an ihn. Die Musik ist nicht hässlich, sie ist aber auch nicht so greifbar, dass sie gut im Gedächtnis haften könnte. Elektronische Zutaten bleiben Randbemerkungen, die Musik spielt, hauptsächlich ganz konventionell erzeugt, im Orchestergraben oder als Fernorchester im Rang. Sie ist illustrierend, flächig, Linien verflechten sich, mal hauchzart, mal robuster, aber nie an der Schmerzgrenze.

Auf der Proszeniumsbühne links und rechts des Orchesters tauchen immer wieder die Frau und Witwe von Scott (Katrin Gerstenberger) und die Geliebte Amundsens (Aki Hashimoto) auf. Handlungsdramaturgisch sind die Auftritte jener Visionen nicht gerade glücklich, dafür musikalisch sehr gewinnbringend, da der Sprechgesang der Männer zu Zeiten doch recht eintönig werden kann, wenn sich „lustige“ Szenen von Szenen mit erfrorenen Gliedmaßen im Ausdruck des Gesangs gar nicht so sehr unterscheiden. Die beiden Frauen haben teilweise geradezu die Funktion von Plagegeistern, wobei Aki Hashimoto wunderschön singt und Mitleid erregt, Katrin Gerstenbauer die Lady Scott stimmlich ziemlich scharf agieren lässt.

Das Manko der eingemummelten Männer ist, dass sie eben im Gesamtkunstwerk aus Musik und Schneesturm omnipräsent, aber nur schwer identifizierbar und unterscheidbar sind. Stimmlich sind sie ausnahmslos eine sehr gute Wahl: Michael Pegher als Scott und David Pichlmaier als Amundsen und all die anderen. Wegen vieler sehr starker Momente (etwa die Tötung der unbrauchbaren Ponys) und der doch recht ansprechenden Musik (Johannes Harneit dirigiert das tadellose Staatsorchester) lohnt der Besuch. Doch die Polarreise ist nicht nur für die Protagonisten beschwerlich.

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