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Biennale-Siegerin Anne Imhof verewigt sich im Goldenen Buch von Frankfurt: Zeit, die Faust zu erheben

Von Die Gewinnerin des Goldenen Löwen studierte in Frankfurt und hat im Bahnhofsviertel ihr Atelier. Im Kaisersaal des Römer gab es nun einen Ehrenempfang.
Die Künstlerin Anne Imhof vor dem Ehrenempfang. Foto: Heike Lyding Die Künstlerin Anne Imhof vor dem Ehrenempfang.

„Es geht darum, zu reflektieren, wozu wir da sind, wann wir Ja sagen sollen, wann Nein, und wann es an der Zeit ist, die Faust zu erheben.“ Das ließ Anne Imhof gestern über ihre Kunst verlauten. Zu vermuten, dass diese Aussage ein kleines, aber aufschlussreiches Wortspiel enthält, liegt nicht fern. Denn „Faust“ ist ja nicht nur der Titel eines urdeutschen Dramas um die Verlockungen von Karriere, Lebenssinn und Liebe, „Faust“ heißt ganz unbescheiden auch die Inszenierung Anne Imhofs im Deutschen Pavillon. Anne Imhof und ihr Team zaubern Bilder von Körpern, die sich allein mit Blicken, Dresscodes und Gesten austauschen. „Beklemmend schön“ sind sie oft. So schilderte Kulturdezernentin Ina Hartwig ihren Eindruck in einer feinen Laudatio. Beklemmend schön, doch eine Kampfansage mit der Faust gleichwohl: Gitterabsperrungen und Dobermänner gehören zur Inszenierung und sprechen eine beredte Sprache.

Tochter Zoë ist mit dabei, als Anne Imhof ihren Namen ins Goldene Buch einträgt. Die Eltern aus Fulda sind auch angereist. „Die ist ihren Weg immer allein gegangen“, sagt der stolze Vater. „Wir konnten sie nur unterstützen.“

Imhofs Weg ist in der Tat erstaunlich. 2012 noch kannte sie kaum jemand. Damals gewann die 1978 Geborene den Absolventenpreis der Städelschule. Es war, wenige Jahre nach einem Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, ihr zweites Studium. 2013 hatte Imhof im Frankfurter Portikus ihre erste Einzelschau. 2015 gewann sie den Preis der Nationalgalerie für ihr Werk „Angst“, das sie, durchaus selbstbewusst, eine Oper nennt. Es ärgert sie, wenn andere das in Anführungsstriche setzen und von Performance sprechen.

Bestimmt tritt sie auf, was ihre Kunst angeht, doch wer sie kennt, schildert sie als zurückhaltend und fast schüchtern: In einer Rede dankt sie ihrem Team und verliest eine Liste von mehr als 20 Namen. An Frankfurt lobt sie, was auch Oberbürgermeister Peter Feldmann herausstreicht: die Internationalität und „die Tendenz, offen zu sein“: Nur zwei aus ihrem Team, sagt sie, hätten einen deutschen Pass.

Es ist noch nicht lange her, da jobbte Anne Imhof als Türsteherin im Offenbacher Techno-Club Robert Johnson. Sie stand auf der Bühne für Bands, die „Töchter aus gutem Hause“ und „Beautiful Balance“ hießen. Heute setzt sie ihre geheimnisvollen und traumschönen Bilder für ein internationales Publikum in Szene. Die Venedig-Besucher stehen täglich Schlange: für einen fünfstündigen Blick in die Zukunft in einem Pavillon, der den Ruch der Nazi-Vergangenheit in seiner Architektur nicht ablegen kann. Noch bis zum 26. November.

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