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Richard Gere und Steve Coogan in „The Dinner“: Zum Abendessen gibt’s ein ernstes Gespräch

Von Richard Gere und Steve Coogan spielen in „The Dinner“ zwei ungleiche Brüder, die sich über eine tragische Familienangelegenheit einigen müssen.
Paul (Steven Coogan, links) und sein Bruder Stan (Richard Gere) müssen wegen der Gewalttat ihrer Söhne miteinander sprechen. Foto: Tobis Film (Tobis Film) Paul (Steven Coogan, links) und sein Bruder Stan (Richard Gere) müssen wegen der Gewalttat ihrer Söhne miteinander sprechen.

Die beiden Brüder könnten verschiedener nicht sein. Der jüngere Paul (Steve Coogan) ist ein mürrischer Lehrer, immer zu beißender Gesellschaftskritik aufgelegt. Der ältere Stan (Richard Gere) hat es zum Abgeordneten gebracht und kann sich mit einem verbindlichen Lächeln stets seines Erfolges gewiss sein. Wegen der Rivalität seit frühen Jungentagen hat Paul sich angewöhnt, den Bruder zu meiden. Doch das geht nun nicht mehr. Denn Stan dringt auf ein gemeinsames Abendessen mitsamt Ehefrauen. In einem seiner überkandidelten Politiker-Restaurants will er ein bitterernstes Familiengespräch führen. Zu „fangfrischer Regenbogenforelle“ und „kross geröstetem Pumpernickel, bestäubt mit Himalaya-Salz“ droht der größte Krach.

Wie fast immer, wenn es in einem US-Film um zwei ungleiche Brüder geht, stehen sie auch in „The Dinner“ für ein gespaltenes Amerika, das erst wieder zusammenfinden muss, um sich seiner gemeinsamen Ideale zu versichern und die Zukunft zu gewährleisten. Während es Stan als Abgeordneter gewohnt ist, Zugeständnisse zu machen, sieht Geschichtslehrer Paul in der brüderlichen Zusammenkunft eine Wiederkehr der Schlacht von Gettysburg im Bürgerkriegsjahr 1863: „Nur einer kann gewinnen“.

Das zu bewältigende Familienproblem haben die jeweiligen Söhne der zwei Männer verursacht. Die beiden 16-Jährigen ließen sich an einem Abend jugendlicher Gewaltlust dazu hinreißen, eine schlafende Obdachlose anzuzünden. Noch sind sie der Tat nicht offiziell verdächtig, aber es fragt sich: Sollen sie sich dennoch der Polizei stellen, oder aber so tun, als wäre nichts gewesen, um nicht das eigene Leben und die Karrieren der Väter zu ruinieren? Bei einem Gerichtsverfahren stünde Lehrer Paul als Erziehungsversager da und Politiker Stan als unwählbarer Gouverneurs-Kandidat.

Mit nahezu archaischer Wucht bricht der israelische Filmemacher Oren Moverman („The Messenger“) den Gewissenskonflikt auf und lässt erahnen, wie rasch sich in der Bedrängnis alle erlernten Grundsätze von Ehrlichkeit und Verantwortung verflüchtigen können. Doch den ganz großen dramatischen Bogen über Wahrheit und Lüge, Schuld und Sühne, Verbrechen und Strafe schlägt der Film dann doch nicht. Kaum ist der moralische Zwiespalt in seiner ganzen Tiefe aufgeklafft, drückt sich „The Dinner“ vor der Entscheidung und wendet sich ersatzweise kleineren privaten Angelegenheiten zu. Ähnlich wie in Roman Polanskis vergleichbarer Theaterverfilmung „Der Gott des Gemetzels“ über zwei Elternpaare im Konflikt wird das Dilemma nicht beharrlich bis ins Letzte verfolgt. Das mag zunächst vielleicht weise erscheinen. Denn auf manche Fragen gibt es keine einzig richtigen Antworten. Doch verlangt hier sofort eine wichtige Filmregel Beachtung: Während das Leben keine Rechenschaft ablegen muss, ist ein Drehbuch immer Erklärungen schuldig und muss über das Filmende hinausweisen.

So gesehen lässt „The Dinner“ einen doch sehr allein mit einem Zwiespalt am Tisch zurück. Annehmbar

 

Frankfurt: Cinema (D+OmU)

 

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