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Frauendrama "Freiheit": Zum Abschied fällt dröhnend die Tür ins Schloss

Von Jan Speckenbach hat sich Henrik Ibsens Emanzipationsstück „Nora“ zum Vorbild gewählt für sein Kinowerk über eine Frau, die Mann und Kinder verlässt.
Nora (Johanna Wokalek) hat Mann und Kinder verlassen. Ziellos treibt sie durch Wien und Bratislava, übernachtet in Hotels, arbeitet als Zimmermädchen. Foto: - (Film Kino Text) Nora (Johanna Wokalek) hat Mann und Kinder verlassen. Ziellos treibt sie durch Wien und Bratislava, übernachtet in Hotels, arbeitet als Zimmermädchen.

„Unten fällt die Tür dröhnend ins Schloss.“ Mit dieser Regieanweisung verkündete Henrik Ibsen in seinem Theaterstück „Nora“, dass die zweifache Mutter ihren Ehemann, die Kinder sowie ihr „Puppenheim“ verlässt, um das Weite zu suchen. Die Ungebundenheit. Die Freiheit – was immer das auch sein mag. „Freiheit“ nennt sich dementsprechend Jan Speckenbachs neue filmische Variation des „Nora“-Stoffs. Schon oft ist das 1879 uraufgeführte Drama des norwegischen „Frauenverstehers“ Ibsen ins Kino gebracht worden, etwa 1973 von Rainer Werner Fassbinder mit Margit Carstensen. Und auch am Theater wurde das Werk, gerade in den 70er und 80er Jahren, regelmäßig als großes Emanzipationsschauspiel in Szene gesetzt. Die Frau von heute, so die Aussage im Zeitalter des Feminismus, lässt sich nichts mehr vom Mann gefallen. Soll der sich doch um die Kinder kümmern!

Die Liebe verstummt

Geht bei Ibsen dem „dröhnenden“ Abschied noch ein Ehestreit voraus, ist es bei Speckenbach die Stille, die das Ungute verheißt. Ehemann Philip (Hans-Jochen Wagner) sitzt abends allein vor dem Fernsehapparat, als Nora (Johanna Wokalek) noch mal an die Luft will und vielleicht schon entschieden hat, nicht mehr zurückzukehren. Längst sind sie und ihr Mann zu zwei Wesen verstummt, die keine Neugier und kein Gefühl mehr dafür haben, was den jeweils anderen bewegt. Objektiv eingesperrt ist diese Nora des 21. Jahrhunderts ganz bestimmt nicht. Von Beruf Rechtsanwältin, so wie Philip, scheint es ihr weder an Selbständigkeit noch an etwas Materiellem zu fehlen. Und dennoch will sie weg, trotz der kleinen Kinder. Eine Depression? Eine plötzliche Panik? So gut wie nichts gibt der Berliner Filmemacher Jan Speckenbach („Die Vermissten“) von den Empfindungen seiner Frauenfigur preis. Er betrachtet sie nur von außen, folgt ihr in andere Städte, nach Wien und Bratislava, in die Hotels oder aber in die Wohnungen der zufälligen Bekanntschaften von unterwegs. Ein junger Mann spricht Nora im Supermarkt an, mit einer jungen Frau kommt sie an einem Ausflugsziel ins Gespräch. Planlos lässt sie sich treiben, beim Friseur einen neuen Haarschnitt verpassen und beim Pfandleiher 440 Euro für den Goldschmuck auszahlen, den sie trägt. Keine Geld- oder Kreditkarte steckt offenbar in ihrer Handtasche. Eine Träumerin auf dem Weg ins Nirgendwo?

Die Leere steigt auf

Es fällt schwer, eine Verbindung zu dieser Nora herzustellen, die weder Wut, noch Schmerz zu spüren scheint, nur Leere. Auch diese bleierne Schwermut könnte sich aber genauer mitteilen, wenn Regisseur Speckenbach die filmischen Mittel dafür fände. Doch seine Inszenierung bleibt dröge und nichtssagend, trotz seiner namhaften Hauptdarstellerin. Johanna Wokalek, stets eine eher ruhige als eine leidenschaftliche Schauspielerin („Anleitung zum Unglücklichsein“, „Die Päpstin“), wirkt wie erstarrt, ohne sichtbar zu machen, woher die Versteinerung rührt. Diese Frau ist ein Rätsel. Nicht nur für ihren Mann. Schwach

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