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Zwischen verruchtem Varieté und Sittenpolizei

Ist sie der Beginn einer neuen Ära für das deutsche Fernsehen? Die Erwartungen an die Serie „Babylon Berlin“ sind riesig. Zu Recht?
Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und seine Sekretärin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ermitteln in „Babylin Berlin“. Foto: (Frederic Batier/X Filme 2017) Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und seine Sekretärin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ermitteln in „Babylin Berlin“.

Die Erwartungen an „Babylon Berlin“ sind hoch. Endlich die ganz große Fernsehserie aus Deutschland. Eine, die international mithalten soll, der Beginn einer neuen Ära. Sie ist mit 38 Millionen Euro rekordverdächtig teuer. „Babylon Berlin“ ist eine Bestsellerverfilmung. Die Krimis von Volker Kutscher haben viele Fans. Ihnen sind die Figuren und Geschichten aus dem 20er- und 30er-Jahre-Berlin ans Herz gewachsen.

Ist die Serie gut geworden? Um es kurz zu machen: Ja. Aber sie funktioniert nicht, wenn man beim Fernsehen bügeln will. Man muss aufpassen und das Handy ein paar Stunden beiseitelegen. Dann hat „Babylon Berlin“ den Sog, den Serienliebhaber so mögen. Ob sie auch etwas für Fernsehzuschauer ist, die um 20.15 Uhr lieber „Um Himmels willen“ gucken, wird sich zeigen.

Volker Bruch („Unsere Mütter, unsere Väter“) als Kommissar Gereon Rath: Die Besetzung passt. Die Figuren der Serie haben bis in die Nebenrollen Tiefgang. Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), die aufstrebende Sekretärin, ist eine Frauenfigur mit ähnlich hohem Sympathiefaktor wie Peggy in „Mad Men“. Ebenfalls stark: Peter Kurth als undurchsichtiger Partner von Gereon Rath oder in den Nebenrollen Fritzi Haberlandt als Pensionswirtin und Jördis Triebel als kommunistische Ärztin.

Um die aufwendige Serie zu stemmen, haben sich Sky und das Erste erstmals zusammengeschlossen – ein Wagnis. Am heutigen Freitag starten zwei Staffeln im Bezahlfernsehen, immer zwei Folgen im Doppelpack. Ein Jahr später läuft „Babylon Berlin“ in der ARD. Die Erwartungen sind so hoch geschürt, dass ein Flop ein Rückschlag für Deutschland als Fernsehland wäre, wurde die Serie doch bereits in 60 Länder verkauft.

Der Aufwand bei „Babylon Berlin“ war gewaltig. Hunderte Statisten wurden gesucht, die möglichst ausgemergelt aussehen sollten, passend zu den Jahren rund um die Weltwirtschaftskrise. Im Studio Babelsberg wurden extra Kulissen gebaut – die „Neue Berliner Straße“. Kostümbildner, die Maske, Tänzer und Musiker tobten sich aus: Die Serie sieht gut aus und hat einen tollen Sound. Den Ehrgeiz der Macher merkt man schon am Vorspann. Der hat die Coolness der Bauhaus-Schule.

Das deutsche „Tanz-auf-dem-Vulkan“- Gefühl vor der Nazi-Zeit, das ist dem internationalen Publikum seit „Cabaret“ mit Liza Minnelli vertraut. Von finsteren Hinterhöfen bis zum verruchten Varieté „Moka Efti“ mit Tänzerinnen im Bananen-Rock: Sehr Berlin ist das alles. „Babylon Berlin“ ist schon an mehrere Länder verkauft.

Die drei Regisseure, Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries, haben den Berlin-Mythos geschickt umgesetzt und auch einiges aus dem Buch geändert. Der Schnodderton der Stadt ist gut getroffen. Die Serie kann an die sechs Staffeln lang werden, die dritte soll nächstes Jahr entstehen. Kutscher hat sechs Bücher geschrieben, er plant bis zum Jahr 1938. „Babylon Berlin“ beginnt im Jahr 1929 mit dem ersten Band, „Der nasse Fisch“, der in den zwei Staffeln mit 16 Folgen erzählt wird. Kommissar Rath verschlägt es aus Köln nach Berlin zur Sittenpolizei. Er bekommt es dort mit einem Pornoring zu tun – und muss erst noch seine Rolle bei den neuen Kollegen finden. dpa

Babylon Berlin

13. Oktober, Sky 1, 20.15 Uhr

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