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„Becoming Henry Moore”: Der Werdegang eines Künstlers

Zu ihrem 40. Geburtstag hat sich die Henry Moore-Stiftung kräftig herausgeputzt. Auch der Werdegang des berühmten britischen Bildhauers erscheint in einem neuen Licht.
Henry Moore, Reclining Figure, 1929. Foto: Stefan Rousseau Henry Moore, Reclining Figure, 1929. Foto: Stefan Rousseau
London. 

Mit seinen Spätwerken von monumentalen liegenden Akten und melancholischen Bronze-Skulpturen von Mutter und Kind wurde Henry Moore (1898-1986) weltberühmt.

Die von ihm 1977 gegründete Stiftung nimmt ihren 40. Geburtstag nun zum Anlass, die frühen Jahre Moores und seine Entwicklung „vom Bergarbeitersohn zu Großbritanniens erstem großen internationalen Künstler der Nachkriegszeit” zu beleuchten. Zudem wurde Moores Anwesen in Perry Green (nordöstlich von London), wo er lebte und bis zu seinem Tod arbeitete, für 7 Millionen Pfund (8,2 Millionen Euro) modernisiert.

In der Ausstellung „Becoming Henry Moore” wird die Entwicklung des Künstlers von 1914 bis 1930 nachvollzogen. Der prägende Einfluss einer Kunstlehrerin, Moores traumatische Kriegserfahrung bei einem Giftgasangriff an der Front in Frankreich 1917 und seine frühe Zuwendung zu außer-europäischen Kunsteinflüssen wird untersucht.

Moores allererstes Werk, eine geschnitzte Holztafel mit den Namen von 91 Schülern seiner Mittelschule in Yorkshire (einschließlich Moore selbst), die im Ersten Weltkrieg eingezogen wurden, wird erstmals öffentlich ausgestellt. „Für einen 17-Jährigen ein bemerkenswertes Stück Arbeit”, sagte Sebastiano Barassi, Leiter der Henry Moore-Kunstsammlung, der Deutschen Presse-Agentur.

Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle sollen belegen, dass Moore schon früh über die nationalen Grenzen hinwegschaute und die Werke Michelangelos ebenso studierte wie Rodin, Cézanne oder Picasso, sowie Bildhauerkunst aus Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Moore habe all diese Einflüsse in seine Arbeit einbezogen und damit international Anklang gefunden, sagte Stiftungsdirektor Godfrey Worsdale. „Er war nicht nur ein englischer, sondern ein globaler Künstler”, fügte Worsdale hinzu.

Durch die Assimilation so vieler verschiedener Einflüsse sei Moore schon früh vom Leitsatz der „individuellen Verwirklichung” abgerückt, erläutert Barassi. „Er fand seine Themen und seine visuelle Sprache, die ihn sein Leben lang begleiteten, bereits als junger Mann.” Moore ging es dabei nicht darum, Geschichten zu erzählen, sondern „Objekte zu schaffen, deren Botschaft durch ihre Form vermittelt wird”.

Die Einflüsse auf Moore, von der Renaissance bis zu großen europäischen Bildhauern wie Henri Gaudier-Brzeska und Constantin Brancusi, sowie seinen britischen Zeitgenossen Barbara Hepworth und Jacob Epstein, wird durch die Gegenüberstellung von Plastiken in der Ausstellung überzeugend demonstriert. Den Durchbruch zur künstlerischen Reife Moores sieht Barassi mit der Plastik  „Reclining Figure” von 1929.

„Am Ende der Dekade - und bevor er berühmt wurde - war Moore bereits ein beachtlicher und vollendeter Künstler”, sagte Barassi der dpa. Nach seinen Angaben beschloss Moore im Alter von elf Jahren, Bildhauer zu werden, als im Kindergottesdienst das Werk von Michelangelo zur Sprache kam.

Die Ausstellung in einer zur Galerie umgebauten Scheune wird bis zum 22. Oktober gezeigt. In einem separaten Gebäude sind selten gezeigte große Wandteppiche zu sehen, die in den 1980er Jahren nach Vorlagen von Moore-Zeichnungen angefertigt wurden. Das weitläufige Gelände ist darüber hinaus auch Skulpturenpark für zahlreiche Werke Moores. Neu gebaut wurden ein Besucherzentrum und ein Archiv mit Leseraum und Forschungsplätzen.

(Von Anna Tomforde,dpa)
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