Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 31°C

Oper Frankfurt: „Die Königstochter droht mit Mord“

Regisseur Tilmann Köhler bereitet die Frankfurter Premiere von Händels Oper „Xerxes“ vor. Sie erzählt von der verwirrten Liebe des jungen Perserkönigs zu Amastre.
Tanja Ariane Baumgartner hat in Frankfurt bereits die Carmen gesungen und tritt nun als temperamentvolle Königstochter Amastre an. Tanja Ariane Baumgartner hat in Frankfurt bereits die Carmen gesungen und tritt nun als temperamentvolle Königstochter Amastre an.

Die Frankfurter Neuproduktion von Georg Friedrich Händels 1738 uraufgeführter Oper „Xerxes“ erklingt unter der musikalischen Leitung von Constantinos Carydis und der Regie von Tilmann Köhler am 8. Januar.

Die einzige Oper Händels, die als Komödie bezeichnet werden kann, beginnt schon ungewöhnlich: Der junge Perserkönig Xerxes (Gaëlle Arquez), des Krieges und seiner Braut Amastre (Tanja Ariane Baumgartner) überdrüssig, erklärt einer Platane seine Liebe, die er aber auch für Romilda (Elizabeth Sutphen), die Tochter seines Feldherrns Ariodate (Brandon Cedel) empfindet. Dumm nur, ausgerechnet sein Bruder Arsamene (Lawrence Zazzo), der Geliebte Romildas, soll sein Brautwerber sein. Als Arsamene Romilda vor den Absichten Xerxes warnt, schickt ihn dieser ins Exil, beabsichtigt ihn gar zu töten. Um das Verwirrspiel von Macht, Intrige, Eifersucht und Liebe noch zu vergrößern, hat Atalanta (Louise Alder), die Schwester Romildas, ihrerseits ein Auge auf Arsamene geworfen. Amastre ist zudem keineswegs gewillt, sich einfach abschieben zu lassen, schlüpft gar in Männerkleidung, um als Soldat in die Schlacht und an den Hof von Xerxes zu ziehen. Am Ende verzeihen sich alle gegenseitig. Romilda bekommt Arsamene, und Amastre wird die Frau von Xerxes, der einsehen muss, dass die Liebe stärker als seine Macht ist.

Gesang statt Geige

Amastre wird von der seit der Spielzeit 2009/10 dem Ensemble der Oper Frankfurt angehörenden Tanja Ariane Baumgartner verkörpert. Die Mezzo-sopranistin weiß das Publikum immer wieder mit der Darstellung starker Frauenfiguren wie die der Eboli in Verdis „Don Carlo“, der fremden Fürstin in Dvoráks „Russalka“ oder Bizets „Carmen“ zu begeistern und hat von Frankfurt aus eine Weltkarriere gestartet, die sie schon nach Wien, London und Chicago führte.

Geboren im südbadischen Rheinfelden, wuchs sie in eine Familie hinein, zu deren Vorfahren zahlreiche Organisten und „Personen mit schönen Stimmen“ zählten. Ihr Vater war als Dirigent in seiner Freizeit tätig, und so begann Tanja mit neun Jahren Violine zu spielen und erwarb später an der Universität in Freiburg ihr Diplom an diesem Instrument als Orchestermusikerin und Musiklehrerin. Aber „schon während des Geigenstudiums hatte ich Gesangsunterricht genommen, weil mich die menschliche Stimme immer sehr gereizt hat, und ich habe irgendwann festgestellt, dass für mich die Geige das falsche Medium ist, um mich auszudrücken.“ Heute hat sie auch ihr Diplom als Sängerin und Gesangslehrerin.

Viele Mezzos wünschten sich, Sopranpartien singen zu können, dennoch ist Baumgartner ins Mezzo-Fach gewechselt. „Die Höhe eines Soprans ist da, doch selbst, wenn ich bei vielen Sopranpartien die Tessitur managen könnte, so merke ich doch, dass ich die falsche Farbe habe, und das widerstrebt mir zutiefst. Es gibt jedoch Partien wie die Ortrud in Wagners ,Lohengrin’, da passt sowohl die Sopran- als auch die Mezzo-Farbe gut, ebenso bei der Kundry in seinem ,Parzifal’.“

Von der Oper „Xerxes“ ist die Sängerin begeistert. „Ich finde, es ist ein ganz eigener Händel mit einer ganz neuen Tonsprache, die mich oft an den frühen Mozart erinnert. Im Vergleich zu den früheren Händel-Opern ist die Form von ,Xerxes’ viel kürzer an manchen Stellen, so ist ein Duett in ,Xerxes’ gerademal zwei Seiten lang. Die ganze Oper ist durch ein schnelles, atemberaubendes Tempo geprägt.“ Das Schöne an ihrer Rolle als Braut des Perserkönigs ist für die Künstlerin, „dass Amastre ein sehr, sehr breites Spektrum an echtem Gefühl besitzt, nicht nur an Affekt. Man muss sich das vorstellen, sie ist eine Königstochter und schmeißt sich in Soldatenkleider, reist Xerxes durch den Staub hinterher und verzeiht ihm am Ende. Warum sie ihm allerdings so schnell verzeiht, das bleibt offen. Auch, ob sie ihn vorher überhaupt schon gekannt hatte, oder ob sie ihm als Königstochter nur versprochen war. Vielleicht ist ihre Motivation ja auch nur die Aussicht auf den Königsthron an der Seite ihres zukünftigen Mannes. Auf jeden Fall ist die Rolle sehr temperamentvoll. Sie droht mit Mord und Totschlag. Neigt zu cholerischen Ausbrüchen. Amastre ist eine von Händel geschaffene, hochmoderne, emanzipierte Frau.“

Hobby als Beruf

Die Begeisterung der Sängerin für ihren Beruf ist mit jedem Wort spürbar, und so verwundert die Antwort auf die Frage nach ihren Hobbys nicht, „Singen, das ist mein Hobby. Es ist eine Freude, wenn man das machen darf, was man am liebsten macht und dafür auch noch bezahlt wird und davon leben kann. Ansonsten lese und wandere ich gerne.“

 

Oper, Willy-Brandt-Platz, Frankfurt. Premiere 8. Januar, 18 Uhr. Weitere Vorstellungen bis vorerst 29. Januar, verschiedene Uhrzeiten. Karten unter Telefon (069) 212-49 494. Internet www.oper-frankfurt.de

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse