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Märchenfilm in der Alten Oper Frankfurt: „Die Musik geht in die Seele“

Der beliebte Märchenklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ wird erstmals in der Alten Oper auf großer Leinwand aufgeführt – mit Live-Orchester.
Szene aus dem berühmten Märchenfilm-Klassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von 1973. Bilder > Foto: WDR/Degeto (WDR/Degeto) Szene aus dem berühmten Märchenfilm-Klassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von 1973.
Frankfurt. 

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist eine der anspruchsvollsten und zugleich beliebtesten Verfilmungen des Märchenstoffs, der vor allem durch die Brüder Grimm bekannt geworden ist. Sie entstand 1973 nach der gleichnamigen Erzählung der tschechischen Schriftstellerin und Märchensammlerin Bozena Nemcová. In dem Film, der in der Tschechoslowakei und der ehemaligen DDR gedreht wurde, erzählt Regisseur Václav Voricek die berührende Geschichte von einem klugen und wunderschönen Mädchen, das als einfache Magd auf dem Bauernhof ihres verstorbenen Vaters lebt. Täglich wird sie von ihrer strengen Stiefmutter und deren Tochter Dora gedemütigt. Als Aschenbrödel einen Prinzen im Wald trifft, verliebt sie sich. Aber wie kann sie das Herz des Prinzen gewinnen? Und dann sind da noch drei verzauberte Haselnüsse . . .
Frank Strobel dirigiert an diesem Samstag das Radiosymphonieorchester Pilsen, das die Filmmusik von Karel Svoboda live spielen wird. Strobel, 1966 in München geboren, war schon wiederholt in Frankfurt zu Gast: Er hat die Uraufführung der Musik des rekonstruierten Stummfilmklassikers „Metropolis“ dirigiert, war Chef des Filmorchesters Babelsberg und leitet heute die Europäische Film-Philharmonie. Thomas Ungeheuer sprach mit dem Experten für Filmmusik darüber, warum das Live-Erlebnis etwas ganz anderes ist als eine Aufführung im Fernsehen.

Herr Strobel, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist längst ein Klassiker des Fernsehens und immer wieder im Weihnachtsprogramm. Was macht den Reiz aus, sich den Film mit Live Orchester im Konzertsaal anzuschauen?

FRANK STROBEL: Ich habe diese Verfilmung mehrfach im Kino gesehen. Filme, die für das Kino gemacht wurden, sollten auch dort erlebt werden, weil man sie mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit anschaut. Man hat gemeinsam mit anderen den dunklen Raum um sich und blickt auf eine große Leinwand. Die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist ganz stark mit der Musik verbunden. Sich die Musik wegzudenken, das geht überhaupt nicht. Als ich einmal eine kleine Suite aus diesem Film im Programm eines Symphonie-Konzerts hatte, habe ich schon bei den Proben gemerkt, dass vor allem die Musikerinnen ganz feuchte Augen beim Spielen bekommen haben. Diese Musik geht sehr tief in die Seele.

Was macht diese Musik aus?

STROBEL: Sie ist recht komplex. Sie klingt zwar einfach, ist dann doch nicht so leicht, zu spielen. Sie enthält viele Farben, die man absolut genau treffen muss. Allein die berühmte Leitmelodie ist in vielen Variationen enthalten. Die Musik ist dramaturgisch sehr genau gesetzt und äußerst präzise mit den einzelnen Situationen der Geschichte verbunden. Die Kompositionen von Karel Svoboda haben einen eigenen Stil. Er ist sehr klar und eindeutig. Als Svoboda die Musik zu diesem Film schrieb, war er in der Tschechoslowakei ein großer Star. Deswegen finde ich es so reizvoll, dass wir für die Aufführung in Frankfurt mit dem „Radiosymphonieorchester Pilsen“ machen. Schließlich sind diese Musiker mit Svoboda eng vertraut.

Das heißt, Sie sind beim Arrangieren der Musik möglichst nah am Original geblieben. Oder haben Sie sie sie etwas moderner gestaltet?

STROBEL: Nein, eine Modernisierung war gar nicht notwendig. Das große Problem ist, dass das Notenmaterial so gut wie nicht mehr vorliegt. Wir mussten alles aus der Tonspur des Films abhören und aufschreiben. Dabei haben wir darauf geachtet, all die verschiedenen Klanglichkeiten und Besonderheiten in der Instrumentierung zu finden. Natürlich gibt es bestimmte Passagen, wo man sich entscheidet, etwas anders zu spielen. Schließlich musiziert man nicht im Studio, sondern auf der Bühne eines großen Konzertsaals und vor Publikum. Aber letztlich waren wir davon überzeugt, dass alles, was Svoboda in den 70er Jahren komponiert hat, noch heute funktioniert.

Wie macht man das, dass das Orchester immer synchron zu den Filmbildern spielt?

STROBEL: In der Regel sitzen die Musiker mit dem Rücken zur Leinwand. Ich habe einen kleinen Monitor vor mir, auf dem der Film läuft, damit ich ihn gut sehen kann. Ich selbst bin nämlich viel zu nah an der Leinwand, als dass ich sie vollständig überblicken könnte. Mit diesem Hilfsmittel versuche ich, mein Orchester so zu dirigieren, dass sich die Musik möglichst harmonisch mit den Bildern verbindet. Im Filmbild selbst sind für mich zwei Informationen wichtig. Zum einen versuche ich sämtliche Bewegungsabläufe der Schauspieler in musikalische Tempi zu übersetzen. Zum anderen achte ich sehr auf den Filmschnitt. Gerade bei künstlerisch anspruchsvollen Filmen besitzt der Schnitt eine eigene Musikalität. Er hat einen eigenen Rhythmus. Auch den möchte ich in die Musik hinein übertragen.

„Aschenbrödel“ ist kein Stummfilm, sondern ein Tonfilm: Es gibt Dialoge und Geräusche. Was bedeutet das für das Orchester?

STROBEL: Die Geräuschkulisse führt dazu, dass man sich im Orchester nicht mehr so gut hört. Aber nach der zweiten oder dritten Ausführung kennt man die problematischen Stellen. Aber wie insgesamt in dem Film mit Dialogen und Geräuschen umgegangen wird, das ist sehr ausgewogen. Als wir vergangenes Jahr das erste Filmkonzert von „Aschenbrödel“ aufführten, ist mir noch einmal klar geworden, wie unglaublich gut gesetzt und geschliffen die Dialoge sind. Alles, was man hört und sieht, funktioniert unglaublich organisch miteinander, dass selbst die Geräusche wie ein Teil der Komposition sind.

 

Alte Oper Frankfurt, Filmkonzert, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, 3. Dezember, um 15 und 19Uhr.
Tickets: 30,50 bis 60,50 Euro, zzgl. Vorverkaufsgebühren.
Kartentelefon: (069) 1 34 04 00.
Internet: www.bb-promotion.com

 

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