Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

„Geld zerstört die Gefühle“

Frederick Lau spielt in der Fabel „Das kalte Herz“ den Köhler Peter, der reich werden will und dafür eine verhängnisvolle Vereinbarung mit dem Teufel trifft.
Peter (Frederick Lau) ist Lisbeth (Henriette Confurius) verfallen. Um ihre Liebe zu gewinnen, möchte er reich werden und lässt sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein. Peters Herz erkaltet. Doch so ganz ohne Gefühle möchte Lisbeth ihn erst recht nicht haben. Bilder > Peter (Frederick Lau) ist Lisbeth (Henriette Confurius) verfallen. Um ihre Liebe zu gewinnen, möchte er reich werden und lässt sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein. Peters Herz erkaltet. Doch so ganz ohne Gefühle möchte Lisbeth ihn erst recht nicht haben.

Mit seiner kleinen scharfsinnigen Habgier-Komödie „Zeit der Kannibalen“ gelang Johannes Naber vor zwei Jahren der große Coup. Er gewann sogar den Deutschen Filmpreis. Bereits mit seinem Erstlingswerk „Der Albaner“ hatte der Regisseur Furore auf internationalen Festivals gemacht. Als dritten Streich bringt Naber nun die Verfilmung des Wilhelm-Hauff-Märchens „Das kalte Herz“ ins Kino. Es erzählt von dem armen Köhler Peter (Frederick Lau), der reich werden will, um die geliebte Lisbeth für sich zu gewinnen. Er schließt einen Pakt mit dem Teufel, der ihm anstelle seines Herzens einen Stein in die Brust setzt. Doch einen Mann mit erkaltetem Herzen möchte Lisbeth nicht lieben. Dieter Oßwald sprach mit Regisseur Johannes Naber (45), der in Baden-Baden geboren wurde und in Berlin wohnt.

Herr Naber, Märchen-Verfilmungen gibt es reichlich. Wo liegt für Sie der Reiz einer Märchenstunde im Kino?

JOHANNES NABER: Der Ursprung des Filmemachens liegt für mich darin, Geschichten zu erzählen. Das ist bei Märchen ganz ähnlich, auch dort geht es ja nicht nur einfach darum, Menschen zu unterhalten. Dort werden ganz maßgebliche Fragen von Moral und gesellschaftlicher Relevanz gestellt. Die Märchenform hatte über Jahrhunderte auch didaktische Aufgaben. Das Kino hat ein bisschen diesen Platz eingenommen.

Was macht die große Beliebtheit von Märchen aus?

NABER: Menschen finden Vergnügen darin, sich auf eskapistische Weise auf fremde Welten einzulassen, in denen aber doch die von unserer Gesellschaft klar vereinbarten kulturellen Regeln gelten, mit denen die Maßgaben unseres Zusammenlebens definiert werden.

Wie in „Zeit der Kannibalen“ geht es auch in diesem Märchen um Habgier und den Verkauf der Seele – kann man „Das kalte Herz“ als Vorgängerfilm für „Zeit der Kannibalen“ sehen?

NABER: Es gibt durchaus thematische Gemeinsamkeiten. Es geht bei dem Hauffschen Märchen wie bei den „Kannibalen“ und meinem ersten Film „Der Albaner“ um die Verführung der Macht und des Geldes sowie darum, welche destruktive Energie das auf die Menschen haben kann. Das Herz aus Stein steht für das Haben, die Macht des Eigentums und die Korrumpierbarkeit. Das Sein wird vom Haben bestimmt. Die Überwindung des steinernen Herzens ist die Befreiung des Seins von der Diktatur des Habens. Ich glaube, das ist eine Botschaft, die in unserer Zeit gar nicht oft genug wiederholt werden kann.

„Zeit der Kannibalen“ war ein Kammerspiel auf engstem Raum. Fühlt man sich befreit, wenn man danach nun im Schwarzwald drehen konnte?

NABER: Das Erfinden von Welten ist keine leichte Aufgabe. Es macht jedoch großen Spaß, aus dem Vollen schöpfen zu können und der eigenen gestalterischen Fantasie freien Lauf zu lassen. Wir erfinden einen komplett neuen Schwarzwald, den es so nie gegeben hat, der aber als Parabel für die Geschichte stehen kann.

Die Defa-Verfilmung „Das kalte Herz“ von Paul Verhoeven gilt als Klassiker des Märchenfilms. Wie groß ist die Angst vor dem Vergleich?

NABER: Mir ist klar, dass ich im Osten Prügel einstecken werde, weil eine Neuverfilmung dort als Sakrileg gilt. Die Version von Verhoeven ist für viele Menschen ein maßgeblicher Film und eine bleibende Kindheitserfahrung. Wenn man sich in Dresden, Leipzig oder Rostock umhört, heißt es: Wie kann man diesen heiligen Film neu verfilmen? Die Reaktionen im Schwarzwald sind dagegen völlig umgekehrt, weil diese Defa-Produktion hier weitgehend unbekannt ist. Aber auch dort wird dieses Märchen als Teil des Mythenschatzes gesehen – auf die Reaktionen bin ich sehr gespannt.

Ihre Besetzung bietet klingende Namen, von Frederick Lau über Moritz Bleibtreu bis Milan Peschel. Wie wichtig sind Stars?

NABER: Wichtig ist vor allem, großartige Schauspieler zu haben. Mir ist es dabei vollkommen gleichgültig, ob das nun Stars sind oder nicht. Bei der Besetzung geht es nur um die Frage: Wer ist für eine Rolle am besten geeignet? Wer macht das überzeugendste Angebot? Wen kann man sich am besten dafür vorstellen. Natürlich hat Milan Peschel einen gewissen Vorteil, weil man in bereits in so vielen unterschiedlichen Rollen gesehen hat und seinen eigenen Qualitätsanspruch kennt.

Wie bekommt man als Jungfilmer einen Moritz Bleibtreu für eine Nebenrolle?

NABER: Bleibtreu spielt ja öfters Nebenrollen, und dieser Holländer-Michel ist, zumindest auf dem Papier, die interessanteste Figur dieser Geschichte, weil sie so schillernd ausfällt. Für mich war wichtig, dass der Darsteller nicht nur eine suggestive Kraft besitzt, sondern auch eine überzeugende Physis mitbringt – was in dieser Altersgruppe gar nicht so häufig vorkommt.

Als Newcomer tritt David Schütter auf, ein Nachwuchstalent. Was macht seine Qualitäten aus?

NABER: Ich kannte Schütter aus „Wir sind jung, wir sind stark“. Er besitzt enorme Ausstrahlung, verbunden mit ganz großer Durchlässigkeit. Mir war schnell klar, dass der abgehen wird wie eine Rakete. David gehört zu den ganz großen Talenten seiner Generation.

Sind Sie beim Dreh eher Diktator oder Freund?

NABER: Ich wäre gerne mehr der Freund, aber ich befürchte, dass ich sehr der Diktator bin. Aber ich liebe meine Schauspieler.

Vom 20. Oktober an in den Kinos

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse