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Interview mit Kirk Hammett: „Lemmy Kilmister war ein Lehrer“

Das gerade erschienene „Hardwired . . . To Self-Destruct“ ist das zehnte reguläre „Metallica“-Studioalbum. Kirk Hammett spricht darüber, was die Band antreibt.
Die Metalband „Metallica“ hat ein neues Album veröffentlicht. Kirk Hammett (rechts) erzählt im Interview, er habe mit dem Trinken aufgehört, um sich nicht selbst zu zerstören. Seitdem könne er alles spielen. Die Metalband „Metallica“ hat ein neues Album veröffentlicht. Kirk Hammett (rechts) erzählt im Interview, er habe mit dem Trinken aufgehört, um sich nicht selbst zu zerstören. Seitdem könne er alles spielen.

Kirk Hammett steht ganz weit oben auf der Liste der besten Metal-Gitarristen der Welt. Bereits als Teenager gründete der 1962 in San Francisco geborene Sohn einer Fillipina und eines Iren seine erste Band, 1983 stieß er schließlich zu „Metallica“. Seitdem ist sein Spiel auf Klassikern wie „Enter Sandman“, „One“ und „Master Of Puppetts“ zu hören, die „Metallica“ zu einer der populärsten und einflussreichsten Metalbands überhaupt machten. Olaf Neumann sprach mit Kirk Hammett über Wut, Selbstzerstörung und seine Erinnerungen an Lemmy Kilmister.

Mr. Hammett, als Band will man einerseits erkennbar bleiben, andererseits Neues wagen. Wie bewältigen Sie diesen Spagat?

KIRK HAMMETT: Als Band wollen wir uns vor allem weiterentwickeln und uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wir wollen zeigen, dass wir immer noch ein kreatives, denkendes und arbeitendes Gebilde sind. Zurückzuschauen auf das, was wir bisher erreicht haben, reicht uns nicht. Da würden wir uns als Band überhaupt nicht wohl fühlen. Wir schalten lieber einen Gang höher und kreieren neue Musik, das stimuliert uns und fordert uns heraus. Man will immer Musik machen, die man selbst gerne hört, die man gerne spielt, die sich gut anfühlt und die andere anspricht. Das ist die eigentliche Herausforderung.

Welche Rolle spielt Ihre Gitarre neben James Hetfields Rhythmusgitarre auf dem neuen „Metallica“-Album?

HAMMETT: James ist hauptsächlich für die Rhythmen und ich für die Leadgitarre zuständig. James kann definitiv auch geile Soli spielen und ich Rhythmen, aber wir ziehen es eben so vor. James gefällt es, schwere Riffs rauszuhauen und ich stehe aufs Improvisieren und Solieren. Wir sind ein sehr gutes Team. Denke ich jedenfalls.

„Hardwired . . . To Self Destruct“ ist eine ziemlich brutale Platte. Was ist der Grund für diese Rohheit?

HAMMETT: Spaß, es macht einfach Spaß! Wir spielen gern schwere, rohe Musik. Sie ist höllisch therapeutisch, weil sie dir ein verdammtes Gefühl von Großartigkeit gibt. In uns Menschen stecken ja aggressive, rohe, wilde Emotionen, und diese Musik beruhigt uns.

Was macht Sie wütend?

HAMMETT: In vollem Bewusstsein meiner emotionalen Intelligenz kann ich sagen, dass ich eine schwere Kindheit hatte. Sie war alles andere als ideal, und deshalb kocht in mir bis heute eine unglaubliche Wut. Als Fünfjähriger war ich total sauer auf meinen Vater, der nie da war, neben anderen Dingen, die damals passierten. Im Lauf der Zeit lernt man, mit dieser Wut gesund umzugehen. Man versucht, sie zu verarbeiten und sie in etwas Positives umzuwandeln. In meinem Fall war das Kreativität.

Zwischen Aggression und Selbstzerstörung liegt ein schmaler Grat.

HAMMETT: Ja, sogar ein sehr schmaler. Entweder du gehst auf gesunde Weise mit deinen Aggressionen um oder du entscheidest dich für die extreme Version. Der Song „Hardwired . . . To Self Destruct“ (Wir sind veranlagt zur Selbstzerstörung) geht im Wesentlichen darum, dass wir alle die Tendenz haben, im Leben eher schlechte Entscheidungen zu treffen und uns selbst zu schaden. Auch wenn die guten Entscheidungen viel naheliegender sind, wählen wir oft die schlechten. Vielleicht glauben wir, auf diese Weise interessantere Erfahrungen machen zu können.

Wie war das bei Ihnen?

HAMMETT: Die meisten Menschen versuchen, negative Gefühle mit Drogen, Alkohol, Sex, Essen oder Gambling zu kompensieren. Auch bei mir waren es anfangs Alkohol, Drogen und Frauen, aber irgendwann hat das nicht mehr funktioniert. Ich wurde sogar noch zorniger und aggressiver. Irgendwann hatte ich mit meinem Verhalten alle Menschen um mich herum verletzt. Dann hörte ich auf zu trinken. Das war vor zwei Jahren. Was für ein Unterschied!

„Murder One“ ist eine Hommage an Lemmy Kilmister von „Motörhead“, der vor einem Jahr starb. Hat er sich selbst zerstört?

HAMMETT: Ja, das würde ich sagen. Die meisten Künstler sind so. Auch ich habe die Tendenz, mich selbst zu zerstören. Wenn ich trinke, dann tue ich das rücksichtslos. In dem Moment ist es mir egal, ob es mir schadet. Die Vorstellung, in Flammen unterzugehen, ist sehr romantisch. Aber wenn du mal wirklich darüber nachdenkst, was du dir damit antust, wird dir irgendwann klar, dass du dich selbst zerstörst. Und daran ist nichts mehr romantisch. Ich bin vor zwei Jahren aufgewacht und habe für mein eigenes Wohl, das Wohl meiner Familie und das meiner Band mit dem Trinken Schluss gemacht.

Was war Lemmy für Sie – Lehrer, Vater, Freund, Idol?

HAMMETT: Auf jeden Fall ein Lehrer. Er hat mir gezeigt, wie man sich verhält in Angesicht von so viel Bullshit, wie man echt bleibt in der fucking unechten Showbiz-Welt. Aber er war für mich auch eine Vaterfigur.

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