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Deutsches Jazzfestivals in Frankfurt: „Paul McCartney ist großartig“

Zum Auftakt des Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt spielt die HR-Bigband unter Django Bates dessen Neu-Interpretation des wohl berühmtesten „Beatles“-Albums.
Der englische Pianist Django Bates, hier in „Sergeant Pepper’s“-Uniform, war 6 Jahre alt, als das „Beatles“-Album herauskam. Es musikalisch zu zerlegen und zu verjazzen, war ihm eine Freude. Bilder > Foto: (HR/Pressestelle) Der englische Pianist Django Bates, hier in „Sergeant Pepper’s“-Uniform, war 6 Jahre alt, als das „Beatles“-Album herauskam. Es musikalisch zu zerlegen und zu verjazzen, war ihm eine Freude.

Telefonanruf in England: Django Bates steckt in den finalen Vorbereitung für sein kühnes Vorhaben, das legendäre „Sgt. Pepper’s“-Album der „Beatles“ für das Deutsche Jazzfestival in Frankfurt umzubauen. Am 26. Oktober wird er die Früchte seiner Arbeit gemeinsam mit der HR-Bigband auf die Bühne der Alten Oper bringen. Christian Preußer hat ihm zu seinem waghalsigen Vorhaben einige Fragen gestellt.

Mr. Bates, Sie haben gemeinsam mit der HR-Bigband das legendäre „Sgt. Pepper’s“-Album der „Beatles“ dekonstruiert und aus einer Jazzperspektive neu zusammengesetzt. Allein die Idee klingt schon grandios. War das Ihr Einfall?

DJANGO BATES: Um ehrlich zu sein: Es war die Idee der Band. Ich traf den Manager der HR-Bigband bereits im vergangenen Jahr, da stellte er mir seine Idee vor. Zunächst war ich etwas skeptisch, denn die Musik der „Beatles“, die ist perfekt arrangiert und produziert. Ich wusste gar nicht, was ich daran ändern könnte.

Aber Sie haben dann doch zugesagt?

BATES: Ja, ich habe diesen Gedanken dann einfach verdrängt. Ich habe mir erlaubt, meine Meinung zu ändern. Ich sah für mich die Chance, die Musik der „Beatles“ neu zu entdecken und zu feiern. Ich sah eine Chance, in viele verschiedene Richtungen zu gehen. Ich mag Herausforderungen, egal welcher Art.

Warum ist die Wahl ausgerechnet auf „Sgt. Pepper’s“ gefallen und nicht etwa auf das „Revolver“-Album der „Beatles“, das dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feiert?

BATES: Ganz einfach: Die Idee war, nach vorne zu schauen. Die „Sgt. Pepper’s“ feiert zwar erst im nächsten Jahr 50. Geburtstag, und es stimmt schon: Das Konzert in der Alten Oper ist für die Feierlichkeiten vielleicht etwas zu früh. Aber das Tolle ist ja, dass wir das Konzert aufnehmen. Und diese Aufnahmen sollen im Jubiläumsjahr 2017 veröffentlicht werden.

Werden Sie die Songs bei Ihrem Konzert in Frankfurt in der Reihenfolge des Albums spielen, oder haben Sie eine eigene Dramaturgie entwickelt?

BATES: Von Beginn an war mir klar, dass ich die Reihenfolge der Songs exakt einhalten werde. Dass wir sie in dieser Reihenfolge spielen, wie sie von den „Beatles“ ausgewählt wurde. Ich habe bei der Bearbeitung auch darauf geachtet, die jeweilige Tonart beizubehalten. Wir spielen außerdem auch „Strawberry Fields Forever“, „Penny Lane“ and „All You Need Is Love“. Diese Songs haben eine Verbindung zu „Sgt. Pepper“.

„Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“ waren ja ursprünglich auch für eine Veröffentlichung auf „Sgt. Pepper’s“ vorgesehen.

BATES: Korrekt. Und auch „All You Need Is Love“ stammt aus dieser Phase, aus dem Sommer 1967. Es ergibt also durchaus einen Sinn, diese Songs in das Konzert einzubeziehen.

Die McCartney-Komposition „When I’m Sixty-Four“ ist ein Dixieland-Song. Wie klingt er mit der HR-Bigband?

BATES: Das war einer der Songs, vor denen ich tatsächlich am meisten Angst hatte. Denn der Sound ist sehr weit weg von meiner Idee des Jazz. Die Klarinette gibt ihm diesen typischen Dixieland-Sound. Und da ich wusste, dass die HR-Bigband so viele fantastische Musiker in ihren Reihen hat, habe ich versucht, so viele Klarinetten wie irgendwie möglich in den Song hineinzubringen.

Es ist also weiterhin ein Dixieland-Song?

BATES: Na ja, ich habe mir den Text ganz genau angeschaut, und ich mochte das Sentimentale mehr und mehr. Ich habe mich bei der Bearbeitung also einfach treiben lassen, anstatt dagegen anzukämpfen. Das beantwortet Ihre Frage nicht, ich weiß. Lassen Sie sich überraschen.

Gibt es in der HR-Bigband einen Sitar-Spieler für George Harrisons „Within You Without You“?

BATES: Ich bringe meinen alten Bekannten Stuart Hall mit, ein fantastischer Gitarrist. Er spielt auch Sitar. Ich hatte vor, bei diesem Stück möglichst nah am Original zu bleiben. Ich dachte, dass dürfte für das Publikum eine große Überraschung sein.

„A Day In The Life“ wird häufig als der beste Popsong aller Zeiten bezeichnet. Hatten Sie Ehrfurcht vor diesem kolossalen Song?

BATES: Wenn ich vor etwas Angst hätte haben sollen, dann nicht vor einem einzelnen Song, sondern vor dem gesamten Album. „A Day In The Life“, das sind einfach fünf unglaubliche Minuten. Fünf Minuten, in denen Pop, Swing und Stockhausen-Momente aufeinandertreffen. Ich freue mich besonders auf den berühmten letzten Akkord des Stücks. Ich werde für diesen Song von einigen Kollegen Unterstützung am Klavier bekommen.

Was war die größte Herausforderung, die „Sgt. Pepper“-Songs in Jazz-Tunes zu übersetzen?

BATES: Jedes Stück hatte seine ganz eigene Herausforderung. Da sind etwa ein paar Songs, die ordentlich swingen. In diesen Songs gibt es meist ein schnelles Piano, das vier Anschläge im Takt hat. Bei „Penny Lane“ ist das etwa so, auch bei „Getting Better“ oder „Fixing A Hole“. Wir wollten sehen, was passiert, wenn wir diesen Swing herausnehmen. Wir mussten den Groove für diese Songs neu bilden.

Was hat Sie besonders überrascht?

BATES: Ich habe mir zum ersten Mal McCartneys Bass-Spiel sehr aufmerksam angeschaut. Das war grandios: Wenn du dir allein nur seine Bass-Linien anhörst, kannst du eine ganz Welt neu erschaffen. Diese Bass-Linien sind sehr speziell und großartig.

Ist das „Sgt.-Pepper’s“-Konzert in Frankfurt eine einmalige Sache, oder werden Sie weitere Konzerte mit der HR-Bigband geben?

BATES: Bisher ist tatsächlich bloß der Auftritt in Frankfurt geplant. Ich hoffe sehr, dass der Hessische Rundfunk ein paar Konzerte für uns bucht. Es wäre großartig, eine große Tour zu spielen.

 

Deutsches Jazzfestival, Alte Oper, Großer Saal, Frankfurt. 26. Oktober, 20 Uhr. Karten zu 17 bis 54,50 Euro unter Telefon (069) 155-20 00. Internet www.fnp.de/ticketshop

 

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