Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Ex-Ensemblemitglied der Oper Frankfurt gewinnt erneut Echo: „Wer gut ist, für den gibt es Platz“

Die aus Feuchtwangen stammende Sopranistin Christiane Karg wurde mit dem Echo-Klassik-Preis für ihr Arien-Album „Scene!“ ausgezeichnet.
Christiane Karg (36) wurde in Feuchtwangen geboren, studierte in Salzburg Musik, gibt mittlerweile weltweit Konzerte und hat in ihrem fränkischen Geburtsort ein kleines Gesangsfestival geschaffen. Foto: Gisela Schenker (KunstKlang Feuchtwangen) Christiane Karg (36) wurde in Feuchtwangen geboren, studierte in Salzburg Musik, gibt mittlerweile weltweit Konzerte und hat in ihrem fränkischen Geburtsort ein kleines Gesangsfestival geschaffen.
Frnkfurt. 

Ob Mozart, Strauss oder Bach, ob Oper oder Oratorium, die Sopranistin Christiane Karg aus dem fränkischen Feuchtwangen hat sich auf den großen Bühnen der Welt einen Namen gemacht. Wenn sie in ihre Heimatstadt zurückkehrt, hat sie die große Kunst im Gepäck: In Feuchtwangen hat sie eine Konzertreihe etabliert und tritt dort mit hochkarätigen Kollegen auf. Eine zeitlang gehörte Christiane Karg zum Ensemble der Oper Frankfurt. Immer wieder gastiert sie in der Stadt, so erst vor wenigen Tagen mit Debussy beim Musikfest der Alten Oper. Am gestrigen Sonntag hat die 36-Jährige zum zweiten Mal einen Echo-Klassik-Preis erhalten, in der Kategorie Solistische Einspielung (Gesang, Arien/Rezitale), und zwar für das Album „Scene!“, auf dem sie Konzertarien von Beethoven, Mozart, Haydn und Mendelssohn singt. Ute Wessels sprach vor der Verleihung mit der Sängerin, die am Salzburger Mozarteum studiert hat.

Frau Karg, Sie werden zum zweiten Mal mit einem Echo Klassik ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

CHRISTIANE KARG: Auf der einen Seite sind Preise immer schwierig, auf der anderen Seite ist es natürlich eine Auszeichnung und eine Bestätigung, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Es steckt ja viel Arbeit in einem Album. Es ist natürlich schön, wenn das jemand sieht und anerkennt.

Sie arbeiten bereits an einem neuen Album, richtig?

KARG: Ja. Ich komme gerade von einem Engagement in Amsterdam und nehme nun in München eine neue CD auf. Die soll im Frühjahr herauskommen. Ein Album ist mit viel Vorbereitung und viel Arbeit verbunden. Ich muss überlegen, was und mit wem ich es aufnehme, muss das Repertoire lernen, die Stücke aufnehmen, die Schnitte anhören und auswählen. Dazu kommen Fotoaufnahmen und Interviews. Und das Tagesgeschäft mit Auftritten läuft weiter.

Sie sind ständig unterwegs. Wie weit voraus planen Sie?

KARG: Gerade habe ich im Kalender einen Termin für 2021 eingetragen. Da wird einem schon schwummrig. Der Kalender ist so voll, dass ich 2017 nicht einmal mehr einen Termin für einen Liederabend frei habe. Man muss eben alles gut planen. Dafür habe ich mein Management. Ohne geht es gar nicht.

Und wie planen Sie Ihre Auftritte?

KARG: Es funktioniert wie in einer Modelkartei. Das Künstlermanagement hat von mir eine Setkarte mit meinem Repertoire, und Veranstalter kommen auf den Agenten zu. Ich singe Mozart, Bach, Ravel, Debussy, Strauß – die Palette ist groß. Ich mache auch Liederabende. Das bieten nicht viele an. Es ist gut, so eine Nische zu haben. Denn es gibt viele Sänger, und die Luft ist dünn da oben. Aber für alle Guten gibt es auch einen Platz.

Wie geht es für Sie nach der CD-Aufnahme weiter?

KARG: Nach einem Konzert in Feuchtwangen und Auftritten in Köln und Hamburg gastiere ich in der Berliner Philharmonie mit Mozart-Arien. Ab November bin ich für drei Monate in Chicago, singe Brahms und Mozart. Vor Weihnachten komme ich zu zwei Gastspielen nach Paris.

Auftritte sind ja nur ein Teil Ihres Berufes. Wie sieht Ihr Alltag aus?

KARG: Ich muss viel üben. Nicht nur singen, sondern auch Texte lernen. Ich habe einen Sprachcoach für fremdsprachige Texte. Ich muss Programme zusammenstellen, Reisen planen.

In Ihrem Tourneeplan kommt immer wieder auch Feuchtwangen vor. Dort haben Sie als Künstlerische Leiterin 2014 die Konzertreihe Kunst-Klang initiiert. Warum war Ihnen das wichtig?

KARG: Ich will die Kultur auf dem Land stärken, wo es nicht so viele Angebote gibt. Und zwar über das ganze Jahr hinweg. Deswegen wollte ich kein Festival, das einmal im Jahr an einem Wochenende stattfindet. Stattdessen gibt es ungefähr viermal im Jahr ein Konzert. Das kann ein Liederabend sein, ein Klavierabend oder ein literarisches Programm mit Musik.

Da treten Sie auch selbst auf?

KARG: Ich selbst bin nicht jedes Mal dabei. Ich bringe aber Weltklassekünstler nach Feuchtwangen, die sonst vielleicht nicht kommen würden. Da kann ich meine Kontakte einbringen.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

KARG: Ich wollte schon mit fünf Jahren Sängerin werden. Unser Vater hat uns ab und zu in Konzerte mitgenommen. Mein Elternhaus steht direkt neben einem Kloster, da gibt es eine Bühne, auf der seit fast 70 Jahren jeden Sommer die Kreuzgangspiele stattfinden. Von meinem Zimmerfenster aus konnte ich auf diese Bühne schauen. Der Wunsch, Sängerin zu werden, war also sehr früh da.

Viele Kinder träumen davon, Sänger oder Sängerin zu werden. Wie schafft man es?

KARG: Die Liebe zur Musik muss so groß sein, dass man es unbedingt machen muss und dass man dafür alles in Kauf nimmt. Zum Beispiel auch, dass man mal für einige Monate kein Engagement hat. Ich habe vielleicht mehr Glück gehabt als andere, aber Begabung und Fleiß gehören auch dazu. Man muss an Wettbewerben teilnehmen, sich stellen, selbstkritisch sein. Wenn man mal ein schlechtes Konzert gesungen hat, kann man niemand anderem die Schuld geben. Man muss immer weitermachen.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse