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Barbershops in Deutschland boomen

Gemeinsam feiern, Bier oder Whiskey trinken und sich bei der Gelegenheit Bart und Haare schneiden lassen: All das gibt es in Barbershops. Die Szene kürte jetzt in Nürnberg Deutschlands besten Barbier.
Wie geht der klassische Faconhaarschnitt? Foto: Daniel Karmann Wie geht der klassische Faconhaarschnitt? Foto: Daniel Karmann
Nürnberg. 

Weiße Hemden, graue Westen, Hosenträger, Bärte und viele Tattoos: Die Barber-Szene, die sich am Sonntag bei den „German Barber Awards” im Nürnberger Messezentrum trifft, fällt schon von Weitem auf - durch ihre Mischung aus 50er-Jahre-Mode und bewussten Stilbrüchen.

„Es gibt nicht nur einen Style”, erklärt Barbier Thorsten Staudt aus Nürnberg, der in der internationalen Jury sitzt. In der Szene verbänden sich unterschiedliche Kulturen und Stile, sagt er. Den typischen Bartträger darf man sich also nicht nur mit derben Boots und zerrissenen Jeans vorstellen. „Der Bart ist das einfachste Mittel für eine Typveränderung und wird deshalb nie ganz verschwinden”, sagt Micha Birkhofer, der die „German Barber Awards” 2015 ins Leben gerufen hat. Er ist selbst Fachhändler für Barbier-Bedarf und will den Könnern der Zunft mit dem Wettbewerb eine Bühne bieten.

Die Zeiten, in denen Männer alle drei Monate zum Friseur gegangen seien, mit dem Wunsch, einfach die Haare zu kürzen, seien vorbei, so Barbier Staudt. Da werde etwa um halbe Millimeter verhandelt, und großer Wert auf akkurate Schnitte gelegt. „Der Mann hat wieder mehr Selbstverständnis”, sagt er. „Früher war er nur Teil des Frauensalons.”

Barbershops seien willkommene Rückzugsorte, wo Männer unter sich sein, Bier trinken und etwas für ihr Aussehen tun könnten, berichtet Wettbewerbsteilnehmer Giuseppe Rizza aus Niederstetten. 2015 hat der Baden-Württemberger einen Barbershop neben seinem eingesessenen Damen- und Herrensalon in dem 5000-Einwohner-Städtchen eröffnet. Dass solche Männersalons derzeit boomen, habe auch damit zu tun, dass gepflegte Bärte immer wichtiger würden, sagt Rizza.

Auf 400 bis 500 schätzt Wettbewerbsveranstalter Micha Birkhofer die Zahl der Barbershops in Deutschland. Vor einem Jahr seien es noch rund 250 gewesen. Der Trend hat für Birkhofer einen simplen Grund: „Der Kunde Mann ist wieder anspruchsvoller geworden. Er ist es leid, im Friseursalon zwischen Strähnchen und Farbe für weibliche Kunden reingeschoben zu werden.”

Als eine Männerdomäne sieht Birkhofer das Handwerk, für das es keine eigene Ausbildung gibt, aber nicht. Es gebe auch etliche Frauen, die erfolgreich Barbershops führten und sich als Friseurinnen in Seminaren entsprechend weitergebildet hätten. Ihr Können vor großem Publikum und einer Jury zu präsentieren, trauten sich aber die wenigsten. So seien unter den über 100 Bewerbern beim diesjährigen Award gerade mal zwei Barbierinnen gewesen.

Eine von ihnen ist Jessyca Hartsoe aus dem baden-württembergischen Waghäusel, die es bis ins Viertelfinale geschafft hat. „Ich liebe die 50er und Rockabilly und deshalb liegen mir auch diese Schnitte”, erklärt die Friseurin. Warum sie bei den German Barber Awards antritt? „Wegen des Hypes machen wir es nicht”, betont die blondhaarige Frau mit den auffälligen Tätowierungen an Armen, Hals und Beinen. „Wir wollen zeigen, dass sich auch die Frauen durchboxen können.”

(Von Astrid Löffler, dpa)
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