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Was die Kleiderwahl beim ESC verrät

Gerade einmal drei Minuten darf ein Lied beim Eurovision Song Contest lang sein. Wer in so kurzer Zeit Stimmen einsammeln will, braucht neben der richtigen Stimme auch die passende Optik. Ein Blick auf den ESC-Kleider-Jahrgang 2017.
Im roten Lendenschurz: Ilinca und ihr partner Alex Floreas beim 2. Halbfinale in Kiew. Foto: Julian Stratenschulte Bilder > Im roten Lendenschurz: Ilinca und ihr partner Alex Floreas beim 2. Halbfinale in Kiew. Foto: Julian Stratenschulte
Kiew. 

Kurz, lang, elegant, Glitzerfummel, mit Schlitz oder ohne: Der Eurovision Song Contest gibt nicht nur einen Überblick über den europäischen Musikgeschmack, sondern auch über das Stilempfinden in Sachen Mode, vor allem bei den Damen.

Da macht auch das Finale in Kiew am Samstag keine Ausnahme. Es gilt: Wer Punkte will, braucht nicht nur eine gute Stimme. Er braucht auch die richtige Klamotte. In den Proben und in den Halbfinals waren sie bereits zu sehen.

Was dabei auffällt: Die ganz großen Extravaganzen gibt es im ESC-Kleider-Jahrgang 2017 kaum. In der latenten Krisen-Stimmung, die den Wettbewerb in diesem Jahr angesichts von Ukraine-Krieg, Brexit und Populismus umweht, heißt es modisch offenkundig: keine Experimente. Bei den Finalistinnen dominieren Weiß, Rot und Schwarz, auffällige Muster gibt es kaum. Und auch kaum Schnickschnack. Der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt/Main bilanziert es so: „Früher war mehr Lametta”.

Dennoch lassen sich gewisse Linien erkennen. Kristina Caspary-Gallus vom Verband der deutschen Mode- und Textildesigner teilt das Feld grob in zwei Lager. Auf der einen Seite gebe es die eher sexy Optik, die mit Schlitzen, Kürze und Transparenz arbeite. Die Polin Kasia Mos etwa ließ sich für das Halbfinale in weiße Stoffbahnen von überschaubarer Größe einwickeln. Die Rumänin Ilinca trug eine Art kurzen Lendenschurz. „Der Gegenpol dazu ist für mich das eher Liebliche, Feenhafte, Brave”, sagt Caspary-Gallus. In diese Kategorie fällt für sie die Weißrussin Ksienija ?uk, die in weißer Spitze an eine Shakespeare-Verfilmung erinnert.

Die deutsche Teilnehmerin Levina lässt sich auf dieser Skala eher auf der braveren Seite verorten. Ihr bislang bekanntes Outfit wirkt futuristisch, das Oberteil von vorne fast wie eine Rüstung. Hochgeschlossen liegt auch im Trend. Modeberater Rose sucht allerdings ein wenig nach einem passenden Wort dafür, schließlich landet er bei „zurückhaltend”. Die Farbkombination in Blau und Grau erinnere ihn ein wenig an die US-Familien-Western-Serie „Unsere kleine Farm”. Rose beruhigt allerdings vorab: „Damit wird sie nicht unter die schlechtesten Outfits gewählt.”

So eine Wahl gibt es tatsächlich, was auch die traditionelle Symbiose von ESC und modischen Fehltritten unterstreicht. Legendär in diesem Zusammenhang ist die belgische Sängerin Barbara Dex, die sich 1993 in einem furchtbaren knöchellangen Kleid in Grau-Beige präsentierte. Mit der verkorksten Klamottenwahl landete sie auf dem letzten Platz und begründete ungewollt die Tradition des „Barbara Dex Award” - einer von ESC-Fans vergebenen Trophäe für das miserabelste Outfit.

Eine neue Barbara Dex ist unter der Teilnehmerinnen 2017 bislang nicht zu erblicken. Wenn man nach einem Ausreißer sucht, landet man bei der Sängerin Dihaj aus Aserbaidschan. Sie trug im Halbfinale Trenchcoat, eine Art Negligé, eine knöchellange Hose und dunkle Schminke. „Das ist fast schon Grunge”, sagt Mode-Experte Rose, der sich aber sehr lobend darüber äußert. Das steche raus, sei lässig, ein wenig provozierend und trotzdem edel. Er attestiert zudem der Belgierin Ellie Delvaux ein gutes Händchen, die sich in Kiew bislang in einem schwarzen, langen Kleid zeigte - und auf der Bühne Blanche nennt (deutsch: weiß). „Schwarz strahlt eine gewisse Melancholie aus, aber auch ein Stärke”, sagte Rose. „Schwarz ist das neue Weiß.”

(Von Jonas-Erik Schmidt (Text) und Julian Stratenschulte (Fotos), dpa)
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