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Kommentar: 9. November: Zutiefst verschiedene Wirklichkeiten

„Es fehlen einfach“, hat jüngst Thomas Krüger geklagt, „die Übersetzer kultureller Differenzen.“ Es ging dem aus Thüringen stammenden Chef der Bundeszentrale für politische Bildung um die Dominanz der Westdeutschen in Führungspositionen jedweder Branche knapp dreißig Jahre nach dem Mauerfall. Die ist mit drei Zahlen rasch bewiesen: Von 201 Dax-Vorständen kommen vier aus dem Osten, von 64 Staatssekretären der Bundesregierung drei – und von den Rektorinnen und Rektoren der staatlichen Unis keine und keiner.

Huch. Das ist eine Bilanz zum Atemknappwerden, zum Tiefdurchatmen, zum Trotzdemerschrecken. Und vielleicht auch zum Verständniskriegen für all den Frust und all die Wut und all das, im harmloseren Fall, Desinteresse, mit dem so viele aus den fünf längst gar nicht so sehr neuen Ländern auf die Republik blicken, die ja auch die ihre ist. Oder sein soll. Aber stopp! In die Dax-Vorstände schaffen es auch kaum Frauen; 6,9 Prozent zu 1,99 Ossis ist kein krasser Unterschied. Nur halten die Frauen nicht gleich das ganze politische System für dysfunktional bis grenzdiktatorisch und fühlen sich als Gesamtheit diskriminiert. Und noch einmal stopp! Tun die aus und im Osten, bitteschön, ja auch nicht.

Verallgemeinerungen nützen nie. Aber die Geringschätzung bis Nichtwahrnehmung des Ostens und aller, die dort leben – die ist im Westen so generell, dass die gut 12,5 Millionen zwischen Sassnitz und Suhl sie selbst dann spüren müssen, wenn sie gar nicht wollen.

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Und das Leben im Osten ist – nein, nicht schlechter, besser auch nicht; es ist anders. Zu ihm gehört, dass alle, die 45 und älter sind, das Gefühl kennen, dass ein Staat sich in die Büsche schlägt. Wenn das kein Misstrauen begründet – was dann? Und es prägt, vom sehr großen Rest der Republik in einem fort beäugt und beurteilt und oft genug auch verurteilt zu werden. Umgekehrt lässt sich das Gefühl, eher geduldet als gleichberechtigt zu sein, auch leicht in eine Opferrolle verwandeln.

Es fehlt, vor allem anderen, seit je und noch immer und hier wie dort, die Offenheit für die zutiefst verschiedenen Wirklichkeiten in der Republik. Das ist bitter – nach 28 Jahren.

politik@fnp.de

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