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Kommentar: Ackermann ist alt, aber nicht weise

Von „Die Jugend ist die Zeit, in der man die Weisheit lernt, das Alter die Zeit, in der man sie praktiziert“, hat der Philosoph Jean-Jacques Rousseau geschrieben. So gesehen, scheint Josef Ackermann sein Leben verschwendet zu haben – zumindest dem Interview nach zu urteilen, das der langjährige Vorstandschef der Deutschen Bank nun anlässlich seines 70. Geburtstags gegeben hat.
Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann blickt zufrieden auf seine zehn Jahre an der Spitze des größten deutschen Geldinstituts zurück: „Ich bin darauf und auf die Leistung meines Teams sehr stolz.“ Die Nachfolger sehen das anders. Foto: Boris Roessler (dpa) Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann blickt zufrieden auf seine zehn Jahre an der Spitze des größten deutschen Geldinstituts zurück: „Ich bin darauf und auf die Leistung meines Teams sehr stolz.“ Die Nachfolger sehen das anders.
Panagiotis Koutoumanos Bild-Zoom Foto: (FNP)
Panagiotis Koutoumanos

„Ich habe seinerzeit eine Bank an meine Nachfolger übergeben, die für die Zukunft gut aufgestellt war“, resümiert der da einstige Banker-Star. Soll heißen: Dass die einstige Galionsfigur der deutschen Wirtschaft heute um ihr Überleben kämpft, ist allein seinen Nachfolgern anzukreiden.

Nun hatte Ackermann in seiner Amtszeit ja öfter unter Beweis gestellt, dass Selbstkritik nicht zu seinen Stärken gehört. Als er 2012 abtrat, hatte er längst jenes gefährliche Stadium erreicht, in dem Manager vor allem von der eigenen Bedeutung erfüllt sind. Aber dass er sechs Jahre später immer noch keine Einsicht zeigt, ja sogar mehr denn je dazu neigt, die Geschichte zu verdrehen, ist erschreckend. Ja, seine Nachfolger haben sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Vor allem nicht Anshu Jain, der zusammen mit Jürgen Fitschen 2012 die Führung der Bank übernahm. Der Inder schrieb sich zwar den Kulturwandel auf die Stirn. Aber natürlich war er als früherer Chef des Investment-Banking der Falsche, um ihn umzusetzen. Wenn man einen Sumpf trocken legen will, lässt man das nicht die Frösche machen. Dem jetzigen Amtsinhaber John Cryan ist es auch nicht gelungen, Vertrauen zurückzugewinnen: Indem der Brite seinen Investment-Bankern trotz erneuten Konzern-Verlusts Spitzen-Boni zahlt, verspielt er viel Kredit – zumal er immer noch nicht überzeugend erklären kann, wo ein Erfolg in Zukunft herkommen soll.

Nichtsdestotrotz ist vor allem Ackermann dafür verantwortlich, dass die Zwillingstürme heute wanken. Er verwandelte die Bank in einen überdimensionierten Spekulanten, der sich in einer skrupellosen und mitunter illegalen Jagd nach Rendite immer weiter von seinem Heimatmarkt und seinen Kunden entfernte. An diesem toxischen Erbe krankt die Deutsche Bank nach wie vor. Wenn Ackermann nun versucht, sich von jeglicher Schuld zu befreien, bestätigt er damit nur all jene, in deren Augen er immer nur eine Projektionsfläche war für alles, was Deutsche an Managern hassen.

panagiotis.koutoumanos@fnp.de Interview auf Seite 5

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