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Kommentar: Arbeitsmarkt: Stellen, nicht Fachkräfte fehlen

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Die deutsche Wirtschaft bleibt ein Jobmotor. Foto: Julian Stratenschulte Die deutsche Wirtschaft bleibt ein Jobmotor.

Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Einer „Unterbeschäftigung“ in Hessen von rund 222 700 – das sind im Jargon der Arbeitsagenturen Erwerbslose und die mit allerhand Tricks aus der Statistik hinausgezauberten Menschen – stehen gut 53 600 gemeldete freie Stellen gegenüber. Von einem allgemeinen, flächendeckenden Fachkräftemangel kann da trotz der verbesserten Lage am Arbeitsmarkt keine Rede sein.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Auch die öffentliche Debatte prägen, anders als das Verbandsfunktionäre mit ihren Rufen nach dem Staat wahrhaben wollen, eher Sparprogramme in Großkonzernen, immer mehr befristet oder prekär Beschäftigte und eine oft frustrierende Lehrstellensuche. Und vor allem gibt es bis zu 400 000 Hessen, die durchaus in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten – zum Beispiel Frauen, die sich bei einer besseren Kinderbetreuung gerne einen Job suchen würden. Oder wenig Qualifizierte, für die es die geeignete Aus- und Fortbildung geben müsste. Und demnächst brauchen Zehntausende Flüchtlinge im Land eine Stelle.

Natürlich bedeutet dies keineswegs, dass nicht in Zukunft in einzelnen Branchen, Regionen oder Unternehmen Fachkräfte fehlen werden. Doch da sind zuerst die Arbeitgeber selbst gefragt. Beispiel Baubranche: Die hat über zwei Jahrzehnte hinweg Stellen abgebaut, jeder zweite Arbeitsplatz fiel weg, viele Arbeiter wurden zu Langzeitarbeitslosen. Doch kaum springt die Nachfrage an, klagt die Branche über Fachkräftemangel – den sie selbst verschuldet hat, zumal sie Lehrlingen entsprechend langjähriger Übung nach Abschluss der Ausbildung meist nur befristete Jobs in Aussicht stellt. Oder die Pflegebranche, wo sich der Mangel an Bewerbern leicht mit der erbärmlich schlechten Bezahlung erklären lässt.

Um Fachkräfte muss man sich rechtzeitig kümmern – die hohen Anforderungen aus den Zeiten der Massenarbeitslosigkeit werden viele Arbeitgeber sich nicht länger leisten können. Computerspezialisten wachsen nicht auf den Bäumen, sie müssen ausgebildet werden – wobei es in solch begehrten Branchen nicht an Bewerbern mangelt, sondern die Firmen viel zu wenige Lehrstellen anbieten. Und wer in BoomRegionen keine Bewerber findet, der muss eben auch auf Standorte in strukturschwachen Regionen ausweichen. Schon allein wegen der Engpässe am Wohnungsmarkt kann nicht jeder Arbeitslose nach Frankfurt ziehen.

Doch schon werden die Rufe von Unternehmen (oder ihren Verbänden) immer lauter, die ihren Bedarf an Arbeitskräften aus dem Ausland decken wollen – trotz der negativen Erfahrungen der Vergangenheit, als aus „Gastarbeitern“ die Arbeitslosen von heute wurden. Natürlich gibt es viele Gründe, warum Deutschland (mehr) Zuwanderung und ein entsprechendes Gesetz braucht – doch ein flächendeckender Fachkräftemangel gehört nicht dazu.

wirtschaft@fnp.de

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