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Kommentar: Bahnhofsviertel: Ohne Büffelei kein Erfolg

Razzia im Bahnhofsviertel. Archivfoto: dpa Foto: Boris Roessler (dpa) Razzia im Bahnhofsviertel. Archivfoto: dpa

Die Kommunalpolitiker, Behörden- und Konzernvertreter, die gestern zum Spitzengespräch über das Bahnhofsviertel ins hessische Innenministerium kamen, wirkten ein bisschen wie Schüler. Wie Schüler, die zum Lehrer gerufen wurden, um ihre Hausaufgaben vorzuzeigen.

Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte sich in den vergangenen Monaten als strenger Pauker erwiesen. Mehrfach forderte er die Klasse dazu auf, sich ein Vorbild an seinem fleißigen Lieblingsschüler – der hessischen Landespolizei – zu nehmen und die Anstrengungen im Kampf gegen die Drogendealerszene deutlich zu verstärken. Es lief aber wie überall: Außer Schülern, die emsig ans Werk gingen, gab es auch solche, die träumten, trödelten oder nur das taten, was gerade notwendig war, um nicht durchzufallen.

In dieser Situation wählte Beuth ein gängiges pädagogisches Mittel: Unter dem Deckmantel eines Spitzengesprächs kündigte er eine Hausaufgabenkontrolle im Innenministerium an. Gestern um 8 Uhr – in den Wiesbadener Schulen begann gerade der Unterricht – ließ er die Schüler vorstellen, was sie schon geleistet haben und was sie noch zu tun gedenken, um das gemeinsame Klassenziel – Befriedung des Bahnhofsviertels – zu erreichen.

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Die Schüler schnitten unterschiedlich ab: Als größtes Sorgenkind erwies sich Klaus Vornhusen, hessischer Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn. Der Plan, Auf- und Abgänge der B-Ebene des Hauptbahnhofs zu schließen, besteht zwar schon seit mehr als einem Jahr, trotzdem sind gerade mal die Planfeststellungsunterlagen eingereicht. Dass angesichts dieses Armutszeugnisses kein erstauntes Raunen durch die Reihen ging, hat Vornhusen allein dem guten Sozialverhalten seiner Mitschüler zu verdanken. Die Ankündigung neuer Videokameras wird die Gesamtnote kaum herausreißen.

Bei einer Razzia in der Taunusstraße haben Polizisten mehrere mutmaßliche Drogendealer festgesetzt, die sie nun kontrollieren.
Spitzengespräch Verstärkter Kampf gegen Dealer im Frankfurter ...

Der Kampf gegen den Rauschgifthandel im Frankfurter Bahnhofsviertel geht in die nächste Runde. Gestern trafen sich Vertreter von Polizei, Stadt, Bahn und Justiz im Hessischen Innenministerium, um über eine Verbesserung der Situation zu beraten. Oberbürgermeister Peter Feldmann plädierte für ein Alkoholverbot auf einem öffentlichen Platz.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schwang sich zwar zum Sprecher der Frankfurter Arbeitsgruppe auf. Als ihm Fachfragen gestellt wurden, musste er aber mehrfach passen und auf seine Mitschüler – Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (beide Grüne) – verweisen. Den Vogel schoss Pennäler Feldmann aber damit ab, dass er ohne Rücksprache mit seiner Gruppe ein Alkoholverbot im Kaisersack forderte. Eine 3 in Sozialverhalten ist für ihn nach dieser Aktion beim besten Willen nicht mehr drin – zu seinen Gruppenkameraden gehört schließlich auch Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU).

Joachim Moritz von der Bundespolizei und Helmut Fünfsinn von der Generalstaatsanwaltschaft schnitten vergleichsweise ordentlich ab. Sie kündigten jeweils personelle Verstärkung zur Lösung der Probleme im Bahnhofsviertel an. Gleichwohl ist sehr ungewiss, ob das Klassenziel noch erreicht werden kann. „Zusammenarbeiten und pauken!“, lautet die Devise. Ohne Büffelei gibt’s keinen Erfolg – nur schlechte Noten.

christian.scheh@fnp.de

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