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Kommentar: Bankfilialen: Der Trend ist nicht zu stoppen

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<span></span> Bilder > Foto: (FNP)

Neulich in meiner Bankfiliale, Gespräch über Finanzbeamte. „Die wird es noch länger geben als Bankberater“, meint die Filialleiterin. Nun ist die Weisheit bekannt, dass Revolutionen in der Regel dann erfolgreich sind, wenn die „alten“ Kräfte nicht mehr an sich selbst glauben. Auch der digitale Umbruch im Bankgewerbe, der den regelmäßigen Besuch in der Filiale verzichtbar macht, ist solch eine Revolution: Dass Online-Angebote Geschäftsstellen ersetzen, ist eine Tatsache, die niemand wegdiskutieren kann – und von daher sind Filialschließungen ein Stück weit eine folgerichtige und notwendige Geschäftspolitik, egal ob bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken oder Großbanken. Und egal, ob in der Stadt oder auf dem Land.

Allerdings müssen die verbleibenden Filialen und ihre Mitarbeiter neue Angebote und Funktionen bieten, wenn fürs Geldabheben ein Automat und fürs Überweisen das Internet ausreicht. Den klassischen „Schalter“ benötigen solche Banken der Zukunft nicht mehr, das Kundengespräch muss über den Verkauf eines einzelnen Finanzprodukts hinausgehen und im Idealfall die gesamte Lebenswelt samt Finanzen beleuchten und auch Themen wie Altersvorsorge und Versicherungen abdecken.

Kleinstadt-Geschäftsstellen mit nur ein oder zwei Mitarbeitern haben keine Zukunft mehr; wenn sie zusammengelegt werden, erschwert das auf dem Land zwar die (nur noch in seltenen Fällen notwendige) Erreichbarkeit. Doch können sich die Berater dann spezialisieren (auf Wertpapieranlagen, Immobilienfinanzierungen oder Firmenkunden) und damit einen echten Mehrwert gegenüber Produkten im Netz schaffen. Für den Kunden bedeutet eine dadurch sinkende Zahl von Filialen keine Verschlechterung – im Gegenteil. Qualifiziertes Personal für Mini-Filialen wäre ohnehin schwer zu finden, wirkt das kulturelle Angebot vieler Kleinstädte auf ehrgeizige Nachwuchskräfte doch ähnlich attraktiv wie ein zweistelliges AfD-Wahlergebnis.

Von daher ist der Rückgang der Anzahl der Bankfilialen nicht aufzuhalten; eher dürfte die Branche Vorreiter sein, der Einzelhandel wird mit der Ausdünnung der Läden folgen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass es ausgerechnet in südeuropäischen Krisenstaaten wie Spanien, Portugal oder Italien noch überdurchschnittlich viele Bankfilialen je Einwohner gibt, während in wohlhabenden Ländern wie Finnland, Schweden und vor allem den Niederlanden sich besonders viele Bürger eine Niederlassung teilen müssen.

Für Sparkassen, die eine Grundversorgung auch in der Provinz aufrechterhalten wollen, bleibt die Finanzierung eines dichten Zweigstellennetzes eine kaum zu unterschätzende Herausforderung. Und bei Großbanken liegt die Schwierigkeit für das Management darin, im richtigen Moment die Bremse zu ziehen – und nicht das Filialnetz so weit auszudünnen, dass für zu viele Kunden der Mehrwert zur Direktbank nicht mehr erkennbar ist. Bei solchen Online-Brokern allerdings müssen die Kunden sämtliche Anlageentscheidungen eigenverantwortlich treffen – und ob die finanzielle Allgemeinbildung dafür ausreicht, erscheint in vielen Fällen doch eher zweifelhaft. Ein Bankmitarbeiter, der tatsächlich berät, statt nur Produkte zu verkaufen, ist da in jedem Fall die bessere Wahl.

thomas.baumgartner@fnp.de Berichte auf den Seiten 1 und 4

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