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Kommentar: Börse: Die Mutter aller Blasen

Bilder > Foto: Jens Kalaene

Auf dem Höhepunkt der Tulpenspekulation tauschte ein Brauereibesitzer aus Utrecht seine Brauerei gegen drei als besonders wertvoll geltende Tulpenzwiebeln ein. Seinen Wetteinsatz hat er nicht wiedergesehen: Die Spekulationsblase platzte.

Wer nun glaubt, die Menschen hätten seit dem 17. Jahrhundert dazugelernt, muss bloß auf den Bitcoin schauen, um sich eines besseren belehren zu lassen. Die Cyberwährung springt von Rekord zu Rekord. Fernsehwerbung soll nun auch Privatanleger für das Spekulationsobjekt begeistern. Und als wäre nicht schon genug Druck auf dem Kessel, führt die Chicagoer Terminbörse CME Terminkontrakte auf den Bitcoin an. Damit kann auf Kursgewinne und -verluste gewettet werden, ohne den Bitcoin anfassen zu müssen.

Ein Blick auf den steilen Aufstieg des Kryptogeldes reicht aus, um zu wissen, dass sich hier die Mutter aller Spekulationsblasen aufbläht. Viele Menschen werden sich an dem Hype bereichern können, bis dann den letzten die Hunde beißen. Das war schon immer so.

Zu Zeiten des Neuen Marktes wunderte sich kaum einer darüber, wie es sein kann, dass eine vergleichsweise kleine Filmrechte-Butze wie EM-TV an der Börse genauso hoch bewertet wurde wie der gesamte Disney-Konzern. Den Knall, der dieses und andere Kartenhäuser zum Einsturz brachte, haben viele Anleger noch deutlich im Ohr.

All die Börsen-Hypes und geplatzten Anlegerträume haben etwas Gutes. Ohne die Internet-Blase hätten wir vermutlich heute kein internetfähiges Fernsehen oder Online-Shopping. Die Ideen wurden damals geboren und konnten durch jetzt erhältliche Hochgeschwindigkeitsverbindungen verwirklicht werden.

Auch Internetwährungen werden eine bedeutsame Rolle einnehmen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass ein bedeutsamer Teil des internationalen Zahlungsverkehrs irgendwann einmal mit Cyberwährungen abgewickelt werden wird.

Das ist fast so sicher, wie die Vorfreude auf schöne, bunte Tulpen im Frühjahr.

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