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Kommentar: Briten unter Schock

Noch bevor Finanzminister Philip Hammond seinen ersten Haushaltsplan vorstellte, hatte er bereits die Medien mit Zuckerstücken zu füttern versucht. So wollte er mit positiven Nachrichten die Schlagzeilen dominieren. Alles wird gut? Oder eher: Nicht alles ist schlecht?
Katrin Pribyl Katrin Pribyl

Noch bevor Finanzminister Philip Hammond seinen ersten Haushaltsplan vorstellte, hatte er bereits die Medien mit Zuckerstücken zu füttern versucht. So informierte er die Presse vorab, dass er den Mindestlohn erhöhen wird, den Bau von Zehntausenden erschwinglichen Wohnungen fördern will und höhere Steuersätze erst ab einem höheren Einkommen greifen sollen. So wollte er mit positiven Nachrichten die Schlagzeilen dominieren. Alles wird gut? Oder eher: Nicht alles ist schlecht?

Hammonds Taktik hat nur für kurze Zeit funktioniert. Die Tatsache, dass der Schatzkanzler in den nächsten fünf Jahren 122 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 143 Milliarden Euro, mehr Schulden zu machen plant als ursprünglich vorgesehen, dürfte alle anderen Nachrichten überschatten. Der Schock über die teure Rechnung für das Brexit-Votum fällt groß aus. Höhere Preise, mehr Schulden, weniger Wachstum – müsste dieser düstere Ausblick nicht auch all jene Brexiteers, die seit Monaten vor Selbstbewusstsein und Optimismus nur so strotzen, aus ihrer Fantasiewelt endlich auf den Boden der Tatsachen zurückholen?

Die Vermutung liegt nahe, dass die hartgesottenen EU-Gegner auch dieses Mal Ausreden finden. Sie dominieren seit ihrem Sieg die Schlagzeilen auf der Insel und scheinen Erfolg damit zu haben: Premierministerin Theresa May wendet sich in ihren Ansprachen gerne an jene 52 Prozent, die für den Austritt gestimmt haben. Und einer aktuellen Umfrage zufolge denken 44 Prozent der Briten, der Brexit sei gut für das Land, nur 38 Prozent betrachten ihn als schlecht.

Wer vor Risiken warnt und die wirtschaftlichen Auswirkungen eines EU-Austritts mit Skepsis diskutiert, wird dieser Tage von vielen EU-Gegnern vor allem als Spielverderber und schlechter Verlierer abgetan. Nun aber kam der Realitätscheck von Philip Hammond und es bleibt zu hoffen, dass er den Briten die Augen öffnet. Den Fokus allein auf Immigration und die Kontrolle der Grenzen zu legen, ist nicht nur zu kurz gedacht und Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern macht das Königreich am Ende deutlich ärmer, als das etlichen Menschen bewusst sein dürfte.

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