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Kommentar Politik: CSU: Hoffnung auf den Geist von Seeon

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Zumindest der Sekundenneid könnte Horst Seehofer kurz vor der Jahreswende gestreift haben. Zwar hat seine Partei seit je in den fünfzehn Nicht-CSU-Bundesländern ebenso inbrünstige wie hartnäckige Fans. Und sein Langstreckenstreit mit Angela Merkel um die unionsgemäße Flüchtlingspolitik hat deren Zahl in selten dagewesene Höhen katapultiert. Dass aber jemand sich das Recht erklagen wollte, die CSU auch jenseits von Bayern wählen zu dürfen – wie jüngst ein Nürnberger das Gegenteil: Diese Ergötzung ist Horst Seehofer versagt geblieben.

Dennoch wird die politisch interessierte Republik ab heute nach Seeon starren, wo die CSU-Landesgruppe im Bundestag in Klausur geht. Und allein der Geist von Kreuth wird leise weinen. Denn nie seit Franz Josef Straußens Original-Scheidungsdrohung vor 41 Jahren hatte ein Vorsitzender ihn wieder zu so üppiger Bedrohlichkeit gepäppelt wie Seehofer mit seinen unentwegten Attacken gegen die Kanzlerin. Und ausgerechnet da muss die CSU aus Sparsamkeitsgründen ins einstige Benediktinerkloster am Chiemsee umziehen – und der Spiritus Widerspenstikus entweder unterm Gernbergkopf zurückbleiben oder flugs seinen Namen ändern.

Die eingefleischten CSU-Jüngerinnen und -Jünger muss zumindest das nicht sorgen. Ein Blick in die bereits entworfenen Klausurbeschlüsse kann sie, was den Eigensinn betrifft, ebenso beruhigen – wie er, andererseits, die Merkelianer in der Schwesterpartei alarmieren muss. Im Papier zur Zuwanderung nämlich sind der Reiz und die Crux der CSU zur Perfektion getrieben.

„Aus unserer christlichen Überzeugung heraus sind wir bereit, unseren Beitrag für eine humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen mit einer Obergrenze zu leisten.“ Jetzt könnte der Sekundenneid die Kanzlerin anfliegen, gefolgt vom Wochen- bis Monatsverdruss. Rhetorisch nämlich ist die Nummer brillant, mit christlich und humanitär und Obergrenze in einem Satz. Politisch aber ist sie va banque. Wenn die Landesgruppe, die Seehofers Lieblingswort 2016 noch vermied, sie diesmal beschließt, dann lässt sie sich im Wahljahr auf seine Hasardpartie ein.

Aus der unerreichbaren Distanz der Nicht-Bayern-Republik muss diese „Mia-san-mia“-Demonstration verlocken; und selbst aus der Binnensicht der Union insgesamt ist sie verführerisch. Indes: Wenn Angela Merkel, nach all den übers Jahr beschlossenen Asylverschärfungen, sich von Horst Seehofer abpressen ließe, „Obergrenze“ zu sagen, könnte sie sich auch gleich vor ihm in den Seeoner Schnee werfen.

Und falls also die externen CSU-Verehrer sich wundern, dass weder alle Bayern noch die Kanzlerin ihre Begeisterung rückhaltlos teilen: Es könnte sein, dass sich das Beharrliche aus der Nähe und auf die Dauer anfühlt wie Sturheit, das Kämpferische wie Egozentrik und das Selbstbewusste wie Selbstherrlichkeit.

Und eventuell wäre es ein Job für den Seeoner Geist, Horst Seehofer eine kleine diesbezügliche Eingebung zu verpassen. Quasi eine Sekundenerleuchtung…

politik@fnp.de

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