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Kommentar zu Syrien: Das Schlimmste könnte noch kommen

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Einer von vielen Kriegsschauplätzen: Hier feuert die türkische Artillerie in der nordsyrischen Region Afrin auf Stellungen der Kurdenmiliz YPG. Bilder > Foto: Uncredited/AP/ Einer von vielen Kriegsschauplätzen: Hier feuert die türkische Artillerie in der nordsyrischen Region Afrin auf Stellungen der Kurdenmiliz YPG.

Wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, dann beweist dir die Welt das Gegenteil, lautet ein Spruch, dessen Wahrheitsgehalt sich gerade wieder einmal in Syrien erweist. Seit knapp sieben Jahren tobt dort ein brutaler Krieg, der Hunderttausende Opfer gefordert, der Millionen vertrieben hat und dessen Ende trotzdem nicht absehbar ist. Im Gegenteil. Dieser Tage steht das Jahrhundertdrama sogar vor einer neuen Eskalation, die alles Bisherige in den Schatten stellen könnte.

 

Hauptakteure sind nicht Putin-, Assad- und Erdogan-Schergen, IS-Terroristen oder irgendeine andere Islamistengruppe. Dieses Mal sind es Israel und der Iran sowie die schiitische Hisbollah, die sich beschießen. Immer wieder sind beide Seiten in den vergangenen Monaten aneinandergeraten. Nun aber nach dem Abschuss eines israelischen F-16-Kampfflugzeugs und massiven Vergeltungsangriffen drohen die bisherigen Scharmützel in einen offenen Krieg zu münden. Brandbeschleuniger sind die unterschiedlichen strategischen Interessen. Während das Mullah-Regime seine Einflusszone im Nahen und Mittleren Osten immer weiter ausgebaut hat, will Tel Aviv genau das verhindern. Mittlerweile ist der Todfeind aus Teheran aber so nah an die von Israel besetzten Golan-Höhen gerückt, wurde die libanesische Hisbollah so stark aufgerüstet, dass sich der jüdische Staat völlig zu Recht in seiner Existenz bedroht sieht. Nicht unwahrscheinlich, dass sich das Ganze weiter hochschaukelt und dass sich der Konflikt erstmals auf Territorien außerhalb Syriens ausweitet und damit die Region weiter destabilisiert.

Aber auch an anderen Stellen lodert es lichterloh in diesem gebeutelten Land. Da sind die heftigen russischen und syrischen Bombenangriffe auf die Provinz Idlib, eine der letzten Hochburgen von Opposition und Rebellen. Und da ist vor allem die türkische Invasion im nordsyrischen Afrin. Diese richtet sich nicht nur gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG, sondern könnte bei einem weiteren Vormarsch zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den Nato-Partnern Türkei und den USA führen.

Was uns das alles angeht? Sehr viel. Davon abgesehen, dass sich die Flüchtlingsproblematik wieder verschärfen könnte, ist Deutschland mittlerweile auch anderweitig in das Geschehen involviert. Zumindest indirekt in Gestalt von Leopard-Panzern, die von der Türkei eingesetzt werden. Aufgabe einer neuen Bundesregierung, sollte sie jemals zustande kommen, wäre es daher, hier endlich einen Schlussstrich unter die umstrittene Lieferung von Kriegswaffen an Ankara zu ziehen. Hinzu kommt, dass wir auch über die Nato mit im Boot sind. Und diese ist gerade dabei, sich durch ihr mutloses Schweigen zu dem wild um sich schlagenden Erdogan endgültig zu desavouieren.

Nein, es sind wahrlich keine guten Nachrichten, die derzeit aus Syrien zu uns dringen. Dazu gehört auch, dass die einstige Weltmacht USA nach wie vor völlig konzeptlos agiert, aber doch immer mehr in das Schlamassel hineingezogen wird. Nicht zu vergessen natürlich die Russen, die militärische Großmacht in der Region, die aber immer mehr die Übersicht in diesem Jeder-gegen-Jeden-Horror zu verlieren scheinen. Das Schlimmste könnte uns also noch bevorstehen.

klaus.spaene@fnp.de

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