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Kommentar Politik: Der Twitter-Präsident

Von Manchmal glaubt der geneigte Zeitgenosse, die Welt steht kopf. Noch vor wenigen Monaten wurden die amerikanischen Geheimdienste, allen voran die NSA, als Horte des Bösen beschrieben, weil diese millionenfach die Daten von unbescholtenen europäischen Bürgern ausspionierten.
Dieter Hintermeier Foto: Salome Roessler Dieter Hintermeier

Manchmal glaubt der geneigte Zeitgenosse, die Welt steht kopf. Noch vor wenigen Monaten wurden die amerikanischen Geheimdienste, allen voran die NSA, als Horte des Bösen beschrieben, weil diese millionenfach die Daten von unbescholtenen europäischen Bürgern ausspionierten.

Kurz bevor nun Donald Trump sein Amt als US-Präsident antritt, kommen diese Geheimdienste wieder ins Spiel. Diesmal führen sie aber nur Gutes im Schilde. Wenigstens für einen Teil der Bevölkerung. So hatten die amerikanischen Spionageorganisationen anscheinend herausgefunden, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin die Wahl Trumps durch gezielte Cyber-Attacken erst möglich gemacht hatte. Und nun haben CIA & Co. offenbar ermittelt, dass der Kreml kompromittierendes Material für den Fall der Fälle über Trump bereithält.

Der künftige US-Präsident zeigte wie gewohnt auf seine Art Chuzpe. Er mag keine Pressekonferenzen, wie zum Beispiel die am gestrigen Abend, um Rede und Antwort zu stehen. Trump setzt viel lieber auf die 140-Zeichen-Stakkato-Kommentare via dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Dummköpfe“ nannte er kurz und schmerzlos Russland-Kritiker. Und außerdem würden die Geheimdienste eine „Hexenjagd“ gegen ihn inszenieren.

Doch wer am liebsten über Twitter kommuniziert, braucht keine unangenehme Nachfragen zu fürchten. Die Botschaft kommt an und verbreitet sich in Windeseile in der Öffentlichkeit. Das weiß auch Trump. Diese Management-Methode by Twitter mag vielleicht beim Chef einer Immobilienfirma funktionieren, aber im Weißen Haus könnte der designierte erste Mann im Staate große Probleme bekommen. Nicht nur innen-, sondern auch außenpolitisch. Wie schnell sind mal 140 Zeichen in die Welt gepostet, deren Konsequenzen Trump dann gar nicht absehen kann. Vielleicht fühlen sich dann nicht nur die eigenen Geheimdienste vor den Kopf gestoßen, sondern auch ausländische Diplomaten könnten gehörig ins Rotieren kommen, wenn der social-media-affine Präsident mal wieder die außenpolitische Twitter-Keule herausholt und „fremde Mächte“ attackiert.

Nach seiner Wahl zum US-Präsidenten hat Trump sich nicht geändert. Viele gutmeinende Zeitgenossen hatten sich gewünscht, dass er präsidiabel wird. Aber Alphatier Donald hat ihnen den Gefallen nicht getan. Er ist genauso hemdsärmelig, unberechenbar und unverschämt geblieben, wie er sich im Wahlkampf präsentiert hat. Warum sollte er sein Verhalten auch ändern, er hatte damit ja unbestreitbar Erfolg? Trump hat das amerikanische Establishment mit seinem Verhalten einmal mehr enttäuscht. Das wird dem künftigen Präsidenten auch gefallen, denn er hatte ja dem etablierten System den Kampf angesagt. Trotzdem sollte Trump das Weiße Haus nicht mit dem Trump-Tower verwechseln. Im Weißen Haus können nämlich unbedachte Äußerungen des Präsidenten große politische Eskalationen nach sich ziehen. Das muss Trump lernen. Hintergrund Seite 3

politik@fnp.de

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