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Kommentar: Deutsche Bank: Eine Art Vermächtnis

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<span></span> Foto: Arne Dedert (dpa)

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, muss sich inzwischen ernsthafte Sorgen um seinen Job machen. Die schlecht laufenden Geschäfte mit dem dritten Jahresverlust in Folge und unerwartet hohen Kosten sind nicht der einzige Ärger, den der als Sanierer angetretene Brite am Hals hat. Auch die Boni von über einer Milliarde Euro sorgen in Berlin sowohl bei CDU als auch bei SPD für Unmut. Die Altlasten der Ära Ackermann sind noch immer nicht bereinigt. Und 2018 könnte abermals ein „Übergangsjahr“ werden – kaum ist eine Baustelle abgearbeitet, tut sich anderswo ein neues Loch auf.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Unter Umständen wäre Cryan angesichts der miserablen Entwicklung des Aktienkurses – mittlerweile ist das Papier nicht einmal einen Euro mehr wert als das des kleineren Konkurrenten Commerzbank – seinen Posten bereits los, hätten nicht die beiden größten Aktionäre aktuell andere Probleme.

Hinsichtlich der Stabilität des größten Anteilseigners, der chinesischen HNA-Gruppe mit knapp zehn Prozent der Aktien, gibt es seit längerem Sorgen. Cryan hatte sich wegen deren undurchsichtiger Finanzierungsstruktur lange geweigert, den Chef des Mischkonzerns, Adam Tan, zu empfangen, und damit dem Vernehmen nach auch seinen Aufsichtsratschef Paul Achleitner verärgert. Die Chinesen hatten die Bank einst mit einer milliardenschweren Kapitalspritze aus kritischer Lage gerettet, doch nachdem Peking die Strategie in Sachen Auslandsbeteiligungen verschärft hat, mussten sie Liquiditätsprobleme eingestehen und den Verkauf von Beteiligungen ankündigen.

Deutsche-Bank-Chef Cryan stellt nach drei Jahren Sanierung mit dem Abbau Tausender Stellen und Filialschließungen wieder Gewinn in Aussicht.
Finanzen Boni statt Dividende: Deutsche Bank belohnt ihre ...

Der Druck auf Deutsche-Bank-Chef John Cryan wächst. Zum dritten Mal in Folge fährt das Haus Verluste ein, die Kosten sind höher als versprochen, und statt einer Dividende zahlt er Boni an die Investmentbanker.

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Und das Emirat Katar, das ebenfalls mit knapp zehn Prozent an der Bank beteiligt ist, muss sich einer Blockade durch seine mächtigen Nachbarn, Saudi-Arabien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate, erwehren – und kämpft um die nackte Existenz. Auslandsbeteiligungen haben da nicht allerhöchste Priorität – dennoch bemühte sich Achleitner jüngst in Katars Hauptstadt Doha, eine Ausstellung mit Kunstwerken aus der Sammlung der Bank zu eröffnen.

Auf Dauer werden HNA und Katar aber nicht derart abgelenkt sein. Zwar läuft Cryans Vertrag bis 2020 – dem Jahr, in dem die Deutsche Bank 150 Jahre alt wird. Doch ob er an den Feiern noch mitwirken wird? Stellenweise wirkte seine Rede gestern bereits wie eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit – und eine Art Vermächtnis an den oder die Nachfolger.

Der Bank-Chef wünschte sich einen größeren Anteil der stabilen Geschäftsfelder (was zulasten des riskanten Investmentbanking gehen müsste). Nicht einmal eine Fusion mit einem Wettbewerber wollte er noch ausschließen. Dabei stieße eine solche das einst stolze Haus erst recht in die Sinnkrise. Nötig wäre endlich einmal wieder ein Jahr ohne negative Überraschungen. Doch viele Aktionäre zweifeln immer stärker daran, dass damit bald zu rechnen ist und die Sanierung rasche Erfolge verspricht. Denn die Hoffnung auf steigende Zinsen, die laut Cryan die Erträge deutlich nach oben treiben würden, dürfte sich so schnell wohl kaum erfüllen.

wirtschaft@fnp.de Bericht auf Seite 4

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