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Kommentar: Die Frankfurter CDU hat keine Strategie gegen Peter Feldmann

Die Niederlage der CDU bei der OB-Wahl ist verheerend. Unions-Kandidatin Bernadette Weyland ist aber nicht alleine schuld: Ihre Partei hat ganz einfach keine Strategie gegen SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann. Das rächt sich.
Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Frankfurt. 

Am Ende wirkte Bernadette Weyland ein wenig wie Martin Schulz. Die CDU-Bewerberin um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters galt bei ihrer Nominierung vor knapp einem Jahr als große Hoffnungsträgerin. Doch die Aufbruchstimmung hielt nicht lange an.

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Peter Feldmann hat die OB-Wahl in Frankfurt gewonnen. Wir erklären, warum der SPD-Politiker und Amtsinhaber in der Wählergunst so deutlich vor seiner CDU-Herausforderin Bernadette Weyland liegt.

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Der Wahlkampf der früheren Stadtverordnetenvorsteherin war von Pannen und unglücklichen Auftritten geprägt, ihre Kandidatur zündete – wie im vergangenen Jahr bei Martin Schulz – nie so richtig. Inhaltlich blieb sie blass gegen einen Oberbürgermeister, der seinen Amtsbonus geschickt einsetzte und mit Themen wie Wohnungsnot oder Fahrpreissenkung den Nerv der Bürger traf.

Weyland hingegen gelang es nie, in nennenswerter Zahl Wähler außerhalb der Anhängerschaft ihrer eigenen Partei anzusprechen. Inhaltliche Angebote für das in Frankfurt stark vertretene grün-alternative Bürgertum hatte sie zum Beispiel nicht.

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Die Sache ist ziemlich eindeutig: Peter Feldmann hat in sämtlichen Frankfurter Wahlbezirken die Nase vorn. Trotzdem gibt es ein paar interessante Unterschiede.

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Selbst die CDU schien von Weyland nicht überzeugt, die führenden Repräsentanten der Partei und die Kandidatin blieben sich fremd, zogen nicht an einem Strang. Und wenn, dann nur, um den Amtsinhaber zu attackieren. So ließ die Junge Union zur Stichwahl peinliche Anti-Feldmann-Plakate aufhängen – ein Akt der Verzweiflung.

Zwar wurde es vor zwei Wochen in der CDU als Erfolg gefeiert, dass Weyland gegen Amtsinhaber Feldmann (SPD) die Stichwahl erreichte. In Wahrheit war es ein Desaster, dass sie im ersten Wahlgang auf kaum mehr als 25 Prozent der Stimmen kam. Dass sie bei der Stichwahl kaum Wähler hinzugewinnen konnte, war keine Überraschung mehr.

Die einstige Hoffnungsträgerin bescherte der CDU das schlechteste Ergebnis bei einer Direktwahl des Oberbürgermeisters. Im Vergleich zu Weyland erschien vielen Wählern selbst ein nicht unumstrittener Amtsinhaber immer noch als bessere Alternative. Die meisten aber waren von keinem der beiden überzeugt, wie die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung zeigt.

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Die Niederlage aber ist der Kandidatin nicht allein anzulasten. Die Fehler liegen viel länger zurück. Als Feldmann vor sechs Jahren überraschend erstmals zum Oberbürgermeister gewählt wurde, erschien das der CDU wie eine Art Betriebsunfall. Schließlich hatte sie bis dahin in Petra Roth 17 Jahre lang die Oberbürgermeisterin gestellt.

Schnell spekulierten CDU-Politiker darüber, dass der Sozialdemokrat wegen Überforderung das Amt schnell aufgeben werde. Sie haben sich getäuscht. Und nicht nur das: Die CDU versäumte es, eine Strategie zu entwickeln, wie Feldmann besiegt werden könnte.

Das fing schon beim Gegenkandidaten an. Sehr früh schon erklärte sich der damalige Parteichef Uwe Becker zum Herausforderer. Immerhin hatte er sich als Stadtkämmerer ein klares politisches Profil erarbeitet. Doch die Partei glaubte nicht daran, dass er Feldmann schlagen kann. Und schließlich glaubte er es selbst nicht mehr. Warum Weyland die bessere Kandidatin sein sollte, wurde nie deutlich.

Auch dieses Mal war die Niederlage der CDU mehr als nur ein Betriebsunfall. Sie muss daraus die richtigen Schlüsse ziehen und frühzeitig einen Kandidaten aufbauen, der sich in den kommenden Jahren nicht nur Bekanntheit erarbeitet, sondern auch Antworten gibt auf die ökonomischen und ökologischen Herausforderungen der wachsenden Stadt.

Sonst wird sie auch in sechs Jahren das Amt des Frankfurter Stadtoberhaupts nicht zurückerobern können.

guenter.murr@fnp.de

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