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Kommentar Politik: Die K-Antwort der SPD

Von Vielleicht hat die Republik das Bekenntnis des Herausforderers schon gesehen – und es einfach nur nicht kapiert. Wer Sigmar Gabriel am Sonntag eine knappe Stunde vor „Tatort“-Beginn bei der öffentlich-rechtlichen
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Vielleicht hat die Republik das Bekenntnis des Herausforderers schon gesehen – und es einfach nur nicht kapiert. Wer Sigmar Gabriel am Sonntag eine knappe Stunde vor „Tatort“-Beginn bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz sagen hörte „Ich bin Vorsitzender der SPD und deshalb spreche ich für die SPD“ und wem dabei sein für Gabriel-Verhältnisse heiterer Ton nicht entging, der darf – ohne sich Hellseherei anzumaßen – davon ausgehen: Die K-Antwort ist da, selbst wenn sie heute nicht öffentlich formuliert wird; die SPD kann aufhören, sich abzuplagen.

Kann sie nicht, selbstverständlich. Denn ihr Problem heißt ja gar nicht Sigmar Gabriel. Es heißt auch nicht Schulz oder Scholz oder Kanzlerkandidatur. Weshalb auch keiner der drei es lösen kann – und auch nicht der anstehende Wahlkampf. Oberflächlich betrachtet heißt das Problem der SPD: Erfolglosigkeit. Ein gutes Jahrzehnt lang und drei Wahlen hat sie viele Rezepte dagegen ausprobiert, hat Personal und Programme verschlissen, sich durch zwei große Koalitionen und vier Oppositionsjahre gequält und dabei immer mehr an sich selbst aufgerieben: Gebracht haben ihr all das Machen und Tun nur schlechte bis sehr schlechte Wahlergebnisse. Und: tiefinnere Verunsicherung.

Wer soll eine solcherart bis ins Mark erschütterte Partei attraktiv finden? Wer sich ihr anvertrauen wollen? Und wer, noch wichtiger, ihrem Spitzen-Mann, wenn selbst die eigenen Genossen ihn nicht für erste Wahl halten?

Seit der Agenda 2010 haben die führenden Sozialdemokraten Fehler an Fehler gereiht. Fatal war, 2003 nicht zu erkennen, wie ihre einstige Kernklientel, die so genannten kleinen Leute, sich verraten fühlten. Tendenzruinös aber ist, dass die SPD bis heute ihre Rolle als Anwältin der Arbeitenden nicht wieder – und vor allem: neu – gefunden hat; dabei ist der Beistands-Bedarf riesig in einer Gesellschaft, in der sich die Formen und das Verständnis von Arbeit fortwährend wandeln.

Nicht, dass Sigmar Gabriel das nicht begriffen hätte. Nicht, dass er unter den drei als Herausforderer Gehandelten nicht am zugleich einfühlsamsten und fulminantesten und vielleicht sogar wissendsten davon zu reden wüsste. Nicht, dass er – siehe Kaiser’s-Tengelmann – keine Erfolge hätte gerade in diesem Bereich.

Und doch: Weder er noch die SPD haben es vermocht, all das – und den späten Triumph beim Mindestlohn und den zähen Arbeitnehmer-Lobbyismus der Ministerinnen Nahles und Schwesig – in Prozente zu verwandeln. Oder wenigstens in den ebenso unpolitischen wie wichtigen Wert namens Sympathie.

Die SPD, auch Gabriel, darf das für ungerecht halten. Aber nicht mehr als fünf Sekunden. Ab dann muss der Kandidat wirklich für die SPD sprechen – und die SPD für ihn. Denn es geht, im September, um die Existenz. Für beide.

 

politik@fnp.de

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