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Dianas Todestag: Die Zeitenwende

"Sie war – damals noch ungewöhnlich – eine schüchterne Frau aus dem Volk, die zur Prinzessin wurde", sagt unsere Kommentarschreiberin Pia Rolfs.
Prinzessin Diana während einer Kanada-Reise im Juni 1983 Foto: Bettmann Prinzessin Diana während einer Kanada-Reise im Juni 1983
Warum immer noch Diana? Eigentlich war sie, aus heutiger Sicht ganz nüchtern betrachtet, nur die erste Ehefrau eines ewigen Thronfolgers aus einem Land, das bald nicht mal mehr der Europäischen Union angehört. Doch auch 20 Jahre nach ihrem Tod haben viele noch besondere Erinnerungen an die „Königin der Herzen“, ist der Tag ihres tödlichen Unfalls in das kollektive Gedächtnis gemeißelt.
<span></span> Bild-Zoom Foto: Salome Roessler


Das liegt nicht nur an ihrem frühen Tod, der die Legendenbildung stärkt. Sondern vor allem daran, dass Diana eine ideale Projektionsfläche darstellte. Sie war – damals noch ungewöhnlich – eine schüchterne Frau aus dem Volk, die zur Prinzessin wurde. Als ihr Märchen sich zum Martyrium wandelte, sie unglücklich wurde und ihre Ehe zerbrach, litten viele Menschen mit ihr. Diana war schließlich eine von ihnen, bediente die traditionellen Frauenträume ebenso wie die Wünsche nach Emanzipation und Veränderung. Der Wandel von Monarchie und weiblicher Rolle schien sich in ihr zu manifestieren.

20 Jahre später ist die Lage anders. In den Monarchien Europas ist die Hochzeit mit Bürgerlichen fast der Normalfall, Gefühle zu zeigen längst nicht mehr verpönt. Im Gegenteil: Sich möglichst normal zu geben, menschliche Schwächen zuzugeben, wird oft sogar als geschicktes Instrument genutzt, um Sympathien zu gewinnen und nicht abgehoben zu erscheinen. Dianas Söhne William und Harry etwa sprechen über psychische Probleme nach dem Tod ihrer Mutter, der schwedische Prinz Daniel macht seiner Frau öffentlich eine Liebeserklärung, Prinzessin Mette-Marit von Norwegen nimmt sich mal eine Auszeit vom Stress. Wer heute die Existenz einer Monarchie rechtfertigen will, muss auch König oder Königin der Herzen sein. Nur dann kann er die nationale Identität stiften, die sich das Volk von den Königshäusern erhofft. Das ist zweifellos ein Diana-Effekt.

Doch auch jenseits der Königshäuser hat Diana wohl eine Zeitenwende eingeläutet. In der Zeit vor den sozialen Medien, als es noch absolute Stars gab und sich nicht jeder selbst als einer fühlte, hat sie Prominenz privater gemacht und ist auf die Menschen zugegangen. Dass sie am Ende von Paparazzi in den Tod gehetzt wurde, ist eine tragische Konsequenz. Wäre sie heute gestorben, würden viele Gaffer vermutlich danach noch mit dem Smartphone die sterbende Prinzessin filmen und die Bilder auf Facebook stellen. Das immerhin musste Diana nicht mehr erleben. Und so bleibt sie die Ikone einer Zeit am Übergang von der abgewandten zur zugewandten Monarchie, von der passiven zur aktiven Frauenrolle, vom geheimnisumwitterten Star zu dem, der sein Privatleben offenlegt. Vielleicht macht sie das auch für die unsterblich, die sie gar nicht persönlich kannten.

pia.rolfs@fnp.de
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