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Kommentar: Donald Trump und die neue Welt-Unordnung

Von Donald Trump irrlichtert durch die Weltpolitik. Für die Europäer könnte sein Stil dennoch eine Chance bedeuten.

Wenn Angela Merkel ins Fernsehen geht, freiwillig – dann ist die Lage ernst. Zuallererst für die Kanzlerin selbst. Als aber viertel vor zehn Sonntagnacht Merkels jüngster Talkshow-Auftritt begann, war schon klar: Alles, was die deutsche Kanzlerin jetzt sagen konnte, würde klein sein im Vergleich mit dem Tweet, den Donald Trump zwanzig Stunden zuvor geschrieben hatte. Um im Vogel-Bild zu bleiben: Freundlich formuliert hatte der US-Präsident auf seine sechs G 7-Verbündeten gepfiffen. So unkorrekt gesagt wie Trump handelt, muss es heißen: Er hat auf die ganze Weltordnung gesch . . .

Aller allerspätestens jetzt ist die Zeit der Illusionen vorbei. Der 45. US-Präsident ist, erneut freundlich formuliert, ein affektgetriebener Egomane ohne Verstand und ohne das geringste Gespür für diplomatische und politische Grenzen. Er hat den ältesten Alliierten seines Landes den Krieg erklärt, nicht allein in Sachen Handel; auch was Werte angeht wie Ehrlichkeit. Und die ganze Welt durfte in Echtzeit mitlesen.

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Kurz dürfen die anderen sechs sich aufregen. Dann müssen sie begreifen: In der Nacht des 10. Juni 2018 ist die westliche Allianz zerbrochen, die – wie der „New York Times“-Kommentator David Leonhardt umgehend wehmütig schrieb – zwei Weltkriege gewann und es danach verstand, ihre früheren Feinde Deutschland und Japan einzubinden. Und zerbrochen ist damit auch, was – etwas statischer, als sie je war – die Ordnung der Welt nach 1945 genannt wird.

Es ist vollkommen egal, was Donald Trump treibt. Es genügt, zu verstehen, dass die USA unter seiner Führung ausfallen als verlässlicher Partner. Und es ist daraus nur ein Schluss zu ziehen: Vertrauen kann Deutschland, wenn es eng wird, nur auf Europa.

Theoretisch hat Merkel das schon vor einem Jahr gewusst, als sie im Bierzelt unter Anspielung auf Trump befand: „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“ Praktisch sind dieser Erkenntnis keinerlei Taten gefolgt. Monatelang ließ Merkel das fulminante Angebot des französischen Präsidenten Emmanuel Macron unbeantwortet, Zusammenarbeit und damit auch Zusammenhalt in der EU und zuallererst zwischen Deutschland und Frankreich gemeinsam neu und enger zu gestalten.

Nun bietet Trump Merkel und Macron unfreiwillig den Anstoß zum Aufbruch. In den sie jetzt – wo die Welt in neuer Unordnung liegt -vielleicht auch die Brexit-verwirrten Briten mitnehmen können, die Populismus-angefixten Italiener, die in Bürokratie erlahmten Brüsseler EU-Spitzen. Aber es muss dann schon ein Aufbruch mit Aplomb sein. Mit großer Geste und stimulierender Symbolik. Am besten, Merkel vertraut sich Macron an. Er hat den Enthusiasmus des Durchstarters. Der ist – für den Moment – noch wichtiger als die Erfahrung der sich Vollendenden.

cornelie.barthelme@fnp.de

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