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Amoklauf in Münster: Eine absolute Sicherheit gibt es nicht

Das Tatfahrzeug am Ort des Geschehen. Foto: David Young Das Tatfahrzeug am Ort des Geschehen.

Als ganz Deutschland am Samstagnachmittag entspannt das Frühsommerwetter genoss, schlug das Unheil zu. Wer über Handy informiert wurde, war für seine Nächsten der Überbringer einer schrecklichen Nachricht, die allen selbst an diesem schönen Tag ins Gedächtnis rief: Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen sind wir nirgendwo ganz sicher. Denn wenn man weiche Ziele wie Restaurants, Schwimmbäder oder Konzerte komplett abdichten wollte, wäre es mit der Freiheit vorbei.

Friedliches Herz getroffen

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Doch während es für den Rest Deutschlands „nur“ eine schlimme Nachricht war, wurde Münster mitten in sein friedliches Herz getroffen. Den Todesopfern, ihren Angehörigen aber auch allen, die verletzt wurden oder die das schockierende Ereignis hautnah miterlebten, muss unser tiefes Mitgefühl gelten.

Ein Vater trauert mit seinen Kindern am Anschlagsort. Es gab – neben dem Amokfahrer – zwei Todesopfer zu beklagen.
Amokfahrt Münster: Der Horror in der guten Stube

Kaum ein anderer Ort vermittelt so sehr die Essenz gutbürgerlicher Gemütlichkeit wie der Platz vor dem Kiepenkerl in Münster. Am Samstag wurde er zum Ziel einer Amokfahrt. Warum? Das scheint zunehmend klar zu werden.

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Dass die Tat wohl nicht auf Terroristen, sondern offenbar auf einen psychisch gestörten Einzeltäter zurückgeht, macht es nicht besser. Der Übergang von Amok zu Terror ist ohnehin fließend. Was war zum Beispiel die Attentäterin, die kürzlich mehrere Menschen in der Youtube-Zentrale tötete? Sie hatte zum Teil politische Motive, war aber offenbar gestört. Sind das aber nicht die meisten Terroristen auch?

Terror hat keine rationale Basis

Außer unter Umständen beim Befreiungskampf von Untergrundkämpfern in einem besetzten Land lässt sich beim Terror fast nie eine rationale Basis ergründen. Meistens haben diese Taten auch etwas mit erweitertem Selbstmord zu tun. Allmachtsfantasien von Terroristen oder Massenmördern wie Hitler sind verbunden mit dem von Sigmund Freud „entdeckten“ Todestrieb. Beim Amoklauf, bei dem die Selbstauslöschung eingeplant ist, wird lediglich ganz offensichtlich, was sich bei Terroristen oft hinter abwegigen politischen Konstruktionen verbirgt.

Phobie, Zynismus und Rassismus

Was bei all dem Schrecklichen vom Samstag positiv zu erwähnen ist, sind die meist besonnenen Reaktionen von Medien und Polizei. Kaum jemand, der vorschnell Panik verbreitete und über einen „islamistischen Anschlag“ spekulierte. Außer natürlich die AfD. Deren Vorstandsmitglied und Fraktionsvize Beatrix von Storch schreckte, selbst nachdem sie durch Fakten widerlegt wurde, nicht davor zurück, indirekt doch den Islamismus verantwortlich zu machen, weil der doch das Vorbild für die Tat geliefert habe. Bei von Storch und einigen ihrer Parteifreunde ist klar, dass legitime Kritik an unkontrollierter Zuwanderung längst in Phobie, Zynismus und Rassismus übergegangen ist. Als ob Amoktäter durch Islamisten angestiftet werden müssten und nicht von selbst zu irgendwelchen Gewaltmustern greifen würden, die es leider nunmal zuhauf gibt.

Den Amokfahrer von Münster könnte letztlich auch einiges mit dem Todesschützen von Las Vegas verbinden. Denn wer einen Campingbus und vier Wohnungen hat, gehört sicher nicht zu den Ärmsten der Armen. Dass der Täter ausgerechnet den ersten schönen Tag des Jahres als Zeitpunkt und glückliche Menschen im Straßencafé als Opfer wählte, deutet in Richtung Lebenshass aus tiefem Frust. Aber über das Tatmotiv werden wir hoffentlich noch mehr erfahren.

dieter.sattler@fnp.de 

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