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Kommentar: Einkaufsstraßen: Leben und leben lassen

Von Ob sich die Kleinen halten können und der Schaufensterbummel Spaß macht, liegt nicht nur am Kunden. Ein Kommentar von Dieter Sattler.
Symbolbild Symbolbild

Viele genießen es, an freien Tagen oder abends in der Einkaufsstraße des Viertels, des Städtchens oder des Urlaubsortes bummeln zu gehen. Doch immer öfter wird der Schaufensterbummel zur Enttäuschung. Statt Vielfalt zunehmende Uniformität. Ob wir in Lindau am Bodensee, Fulda oder Frankfurt sind: überall die gleichen Läden. Das traditionelle Wäschegeschäft oder der Laden mit Haushaltswaren dazwischen wirken zunehmend fast wie bunte Exoten im Einerlei. Kein Wunder: Die hohen Mieten, die in guten Lagen verlangt werden, können sich oft nur Handyshops oder andere Ladenketten leisten.

Blick in die Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim: Ketten verdrängen zunehmend die Fachgeschäfte.
Fachgeschäfte weichen Ladenketten Einkaufsstraßen: Hohe Mieten machen Traditionsbetrieben ...

Inhabergeführte Fachgeschäfte werden in den Einkaufsstraßen durch große Marken verdrängt. Hohe Mieten machen es den Kleineren schwer, mit den Ketten mitzuhalten. Das kann den Charakter einer Straße verderben.

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Natürlich muss man fairerweise auch sagen, dass der ein oder andere Große viel Publikum anzieht und dadurch auch für den kleinen Nachbarn etwas abfällt. Und natürlich kann man es ein Stück weit verstehen, dass Hauseigentümer, zumal wenn es profitorientierte Investoren sind, an Miete herausholen, was geht. Aber die künftige Entwicklung einer Einkaufsstraße sollte ihnen auch nicht völlig gleichgültig sein. Wenn das alteingesessene Fachgeschäft dem Goldankauf- oder Süßwarengeschäft weicht, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass der neue Laden so lange bleibt wie der alte. Fluktuation und zwischenzeitlicher Leerstand aber sind Gift für Flair und Charakter einer Straße.

Dieter Sattler Bild-Zoom Foto: (FNP)
Dieter Sattler
Die Aktionsgemeinschaften der Einkaufsstraßen sind bemüht, den Eigentümern den Wert von nachhaltiger Entwicklung nahezubringen. Aber es bleibt ihnen oft nur, an den Goodwill und die Einsicht zu appellieren. Wer kurzfristig Geld machen will und Immobilien um des Profites willen erworben hat, denkt oft nicht daran, was in 20 Jahren ist. Wichtig ist es aber, im Gespräch zu bleiben und zumindest zu versuchen, die unterschiedlichen Interessen anzunähern: Ladeninhaber und Passanten müssen manchmal schmerzvoll realisieren, dass die Zeit nicht stillsteht und Wandel dazugehört. Die Eigentümer sollten aber auch mal um ein paar Euro nachgeben, wenn es sich um einen verlässlichen Mieter handelt.

Aber auch der Kunde hat Verantwortung: Ob sich die Kleinen halten können und der Schaufensterbummel Spaß macht, liegt auch an ihm. Wer sich im Fachgeschäft alles zeigen und erklären lässt, um es dann im Einkaufszentrum oder gar im Online-Handel zu kaufen, darf sich nicht wundern, wenn die Kleinen verschwinden. Wie viele Tante-Emma-Läden oder Kioske mussten schließen, weil dort höchstens das im Supermarkt vergessene Salz geholt wurde, statt auch mal einen größeren Einkauf zu tätigen. Hinterher ist das Gejammer dann oft groß.

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