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Kommentar Politik: Endlich Wahlkampf!

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Ab heute, 9 Uhr, ist Wahlkampf. Nicht offiziell, natürlich. Offiziell hat die SPD ja noch nicht einmal einen, der sie anführt darin, weil er Kanzler werden will. Offiziell ist Wahlkampf außerdem bäh oder igitt oder beides zusammen, erst recht, seit Angela Merkel ihn zweimal zugunsten von Wellness-Shows für Partei und Publikum ausfallen ließ. Das funktionierte im Wortsinn wunderbar – auch, weil die SPD und die Anderen sich nicht trauten, die Republik aus ihrem Wohlfühlschlaf aufzuschrecken.

Aber ab heute um neun ist Wahlkampf, endlich wieder! Offiziell heißt die Aufführung zwar Generaldebatte, offiziell geht es um den Bundeshaushalt fürs kommende Jahr, offiziell regiert die SPD weiter mit der Union, offiziell gibt allein die Opposition Widerworte, weil das eben ihr Job ist. Offiziell aber findet ja auch Horst Seehofer nun Angela Merkel als Kanzlerin wieder grandios und bald bestimmt fabelhaft. Mindestens.

Und allein schon deshalb soll und muss, bitteschön, ab heute Wahlkampf sein. Und, okay, weil ihnen ja allen die Übung fehlt, fast allen noch das erkorene Spitzenpersonal, von Programmen gar nicht erst zu schreiben, nehmen wir das heute und vielleicht noch in den kommenden zwei drei Wochen als Training und noch nicht bitterernst.

Aber dann…

Nein, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, und, nein, sehr geehrter Herr Vizekanzler: Glauben Sie keine fünf Sekunden, Sie könnten den Kampf noch einmal verweigern. Er ist jetzt fällig. Und Sie haben ihn zu führen. Wer eine vierte Amtszeit will, die Macht also behalten, muss gefälligst erklären, mit welchen Zielen, ja, Mehrzahl!, und warum zwölf Jahre noch nicht genug sein sollen. Und wer die SPD nicht endgültig herunterwirtschaften will von der Volkspartei mit der längsten und vielleicht auch größten Geschichte zur weinerlichen Keiner-mag-uns-Versammlung – darf nicht kneifen. Und ja, verflixt, da müssen Sie jetzt eben mal etwas riskieren, alle beide. Sonst riskieren Sie unsere Demokratie.

Und sagen Sie jetzt bloß nicht, die sei alternativlos. So denken – und wählen – ja längst nicht alle. Fangen Sie also heute an, ihre – ja, kleines i – Stärken zu nutzen, damit jeder sie sieht und erlebt. Hören Sie auf mit Moderation hier und Maulen da. Streiten Sie, dass die Fetzen fliegen. Sagen Sie, wo Sie hin wollen – und wo das Land hin soll mit Ihnen. Und weil vieles dann doch wieder auf die Republik zukommen wird, unvorhersehbar, und Sie sich, statt straff durchzuregieren, dann doch wieder irgendwie durchwursteln müssen, weil es gar nicht anders geht: Erklären Sie, weshalb das so ist. Und sagen Sie, in welche Richtung Sie – und sei es mit Umwegen – gehen werden.

Ja, das wird ein Kampf – wahrscheinlich auch gegen Sie selbst. Führen Sie ihn. Er gehört zu einer Wahl. Und nach der – im Sinn von wirklicher Auswahl – lechzt die Republik.

politik@fnp.de

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