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Es war mal wieder nett ...

<span></span> Foto: (FNP)

Ulrich Grillo nutze seinen letzten großen Auftritt als BDI-Präsident vor den Industriebossen und laufenden Kameras, um Kanzlerin Angela Merkel in höchsten Tönen zu loben. Der Duisburger Metallunternehmer, der sein Amt zum Jahreswechsel an Dieter Kempf abgibt, wünschte der Regierungschefin Kraft und Erfolg auf der politischen Bühne, „die ich mir ganz persönlich nicht ohne eine Angela Merkel vorstellen kann“. Damit war der rote Teppich ausgerollt und Grillos Wahlempfehlung für 2017 ausgesprochen.

Dabei hätte der scheidende BDI-Präsident allen Grund gehabt, der Bundesregierung einmal kräftig den Marsch zu blasen. Denn das Verhältnis zwischen Industrieverband und Kanzleramt ist schon lange erkaltet: Rente mit 63, Mindestlohn, explodierende Energiekosten oder Erbschaftsteuerreform – für die Unternehmer gab es in den vergangenen Monaten viel zu kritisieren. Dazu das „TTIP-Foulspiel“ von Wirtschaftsminister Gabriel, der das Freihandelsabkommen für tot erklärt hatte.

Grillo und seine BDI-Männerriege hatte sich anders entschieden, hauten nicht auf die Pauke, traten der Kanzlerin gegenüber im Stil von Gentlemen auf und beließen es bei leise geäußerter Kritik –
etwa zu den schleppenden TTIP-Gesprächen.

Angela Merkel bedankte sich bei den versammelten Wirtschaftskapitänen mit der frohen Botschaft einer bescheidenen Steuerentlastung in der nächsten Legislaturperiode. Ein paar vage Zusagen brachte sie obendrein über die Lippen: Breitbandausbau beschleunigen, gemeinsam mit Europa den digitalen Binnenmarkt vollenden, mehr in Forschung und Entwicklung investieren, Flüchtlinge integrieren.

Statt Klartext zu reden, wurden auf dem wichtigsten wirtschaftspolitischen Kongress der deutschen Industrie mit über 1000 Entscheidern vor allem Nettigkeiten ausgetauscht. Das ist erbärmlich wenig in turbulenten Zeiten wie diesen. Schade, Chance vertan.

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