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Kommentar: Fußball WM 2018 in Russland - Der Verlust der Begeisterung

Begehrter Pokal: Die Fußball-WM 2018 findet in Russland statt. Foto: Marcus Brandt/dpa/dpa-tmn Bilder > Foto: Marcus Brandt (dpa) Begehrter Pokal: Die Fußball-WM 2018 findet in Russland statt. Foto: Marcus Brandt/dpa/dpa-tmn

Vor kurzem erschien ein Buch mit dem Titel „Das wunde Leder – Wie Kommerz und Korruption den Fußball kaputt machen“. Darin haben die Autoren Klaus Zeyringer und der Schriftsteller Ilija Trojanow ein Manifest verfasst, das zu einem Fernseh-Boykott der Fußball-WM in Russland aufruft. Das heutige System im Weltfußball werde durch die riesigen TV-Gelder weiter angetrieben, ist kurz zusammengefasst eine ihrer Kernbotschaften. Ergo: Wenn weniger Menschen fernsehen würden, dann würden die Fernsehgelder nicht mehr so sprudeln. Das wiederum würde das System wieder etwas menschlicher gestalten.

Es ist kaum davon auszugehen, dass Zeyringer und Trojanow allzu viele Nachahmer finden, die tatsächlich die Glotze erst gar nicht einschalten, wenn heute in Moskau der Startschuss zur 21. Auflage des Mega-Events fällt. Stattdessen werden wieder Milliarden Menschen rund um den Erdball verfolgen, wie mittlerweile 32 Teams vier Wochen lang den nächsten Weltmeister ermitteln. Auf der anderen Seite werden aber viele Zeitgenossen das aufgeblasene Spektakel zumindest mit Bauchschmerzen betrachten.

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Zunächst einmal ist da das Unbehagen über die WM-Vergabe an Russland. Gründe dafür gibt es mehr als genug: undurchsichtige Wahl des Gastgebers, Krim-Annexion, Krieg in der Ostukraine, Giftanschlag in London, Versuche, westliche Staaten zu destabilisieren, Ausbeutung von Arbeitern beim Stadionbau, um nur einige Kritikpunkte zu nennen. Kein Wunder also, dass dies zu zahlreichen Reaktionen führt: Briten und Isländer wollen keine Regierungsmitglieder schicken. Andere ausländische Politiker und Staatsoberhäupter haben ihr Fernbleiben angekündigt. Und wahrscheinlich heute verabschiedet das EU-Parlament eine Resolution mit einem Aufruf, der WM den diplomatischen Boykott zu erklären.

Ein Problem haben viele auch mit dem internationalen Fußballverband Fifa, einer Organisation mit korrupten, teils mafiösen Strukturen nebst dubiosem Präsidenten, der die Kommerzialisierung dieses Sports und die Gigantomanie des WM-Turniers immer weiter vorantreibt. Und der dabei keinerlei Berührungsängste mit autoritären Regimen hat. Hauptsache, wie passend in diesem Zusammenhang, der Rubel rollt. Big Business schlägt Moral.

Angesichts des verheerenden Images, das dem größten Sportereignis der Welt heute anhaftet, fällt es nicht nur Nostalgikern zunehmend schwer, dafür noch die Begeisterung früherer Tage aufzubringen. Natürlich wird das nicht verhindern, dass sich viele Fans in den kommenden Wochen wieder von der Faszination und den Emotionen des Fußballs einfangen lassen. Wer aber ein Zeichen setzen möchte, sollte doch hin und wieder mal die Finger von der Fernbedienung lassen.

klaus.spaene@fnp.de Bericht auf Seite 3

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